Frisch, saftig, trocken: Wie es den oststeirischen Apfelbauern geht
Zahlreiche Landwirte aus der Region beliefern den Hofer-Konzern. Nun besuchte der Einkaufsleiter die Obsthöfe der Familien Tauß und Hadler in der Nähe von Weiz. Gespräche über Sorten der Zukunft, die Vermarktung, die Trockenheit und die Inflation.
Am 13. November ist der „Tag des Apfels“. Bis dahin sind alle steirischen Äpfel – gepflückt auf rund 4750 Hektar – längst in den Obstlagern. Die heurige Ernte begann früher als üblich und ist bereits im Finale. In den vergangenen Wochen herrschte prächtiges Wetter dafür. Ein Wehmutstropfen: Viel zu wenig Niederschläge.
Das bemerken auch Josef und Bettina Tauß und ihr Sohn Daniel. Sie bewirtschaften in Etzersdorf bei Weiz fünf Hektar an Apfelplantagen. 1969 wurde der Betrieb gegründet, vor zehn Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Der Hauptabnehmer ist der Handelskonzern Hofer, der österreichweit 540 Filialen führt. Dort liegen die Äpfel der Familie Tauß unter der Eigenmarke „Zurück zum Ursprung“ in den Regalen. Der Name der Familie steht auf der Verpackung zu lesen.
Wie geht es den steirischen Apfelbäuerinnen und Apfelbauern? Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Handel? Wie sehr setzen Klima, Arbeitskräftemangel und Inflation zu? Die Familie Tauß gab da bei einem Rundgang mit Philipp Lang (Einkaufsleiter für Obst und Gemüse bei Hofer Österreich) sowie die Biobauern Hansjörg Loder und Hannes Schaffler (zuständig für die Vermarktung über die Obst Partner Steiermark) Einblicke.
Vorweg: „Die Ernte ist heuer gut durchschnittlich. Wir haben eineinhalb, zwei Wochen früher begonnen als normal“, erklärt Josef Tauß. In der Familie griff man zusammen, Unterstützung gab es von vier Erntehelfern. Dass man vor zehn Jahren auf die Bio-Schiene gesetzt hat, war der richtige Schritt. „Bio ist in Österreich immer noch eine Nische und gut vermarktbar.“ Bei der Umstellung wurde auf die alten Stämme neue Sorten aufgepropft. Zudem wird an einem eigenen Biodünger geforscht.
Trockenheit
Das Megathema heuer ist die Trockenheit. „Wir haben eine Tröpfchen- und Frostbewässerung und haben die Trockenheit gut überwinden können“, schildert Tauß. Er schätzt, dass gut 20 Millionen Liter an Wasser benötigt wurden. Dieses kam aus einer 150 Kubikmeter großen Speicheranlage und einem 52 Meter tiefen Brunnen. 80 Prozent des Stroms für die Pumpen werden über Photovoltaik gedeckt, im Einsatz ist auch eine elektrische Hebebühne im Obstgarten.
„Wir sind froh, dass die Leute das Risiko auf sich nehmen. Das sind doch Investitionen für die nächsten 15, 20 Jahre Wir tragen unseren Teil dazu bei“, betont Philipp Lang. Der Hofer-Konzern setze da auf „regionale Partnerschaften, langfristige Planung und attraktive Sorten“. Und weiter: „Rund 80 Prozent unserer Äpfel sind aus der Steiermark. Und nur fünf Prozent werden aus dem Ausland importiert.“
Was die Situation für die heimischen Obstbauern nicht einfacher macht: „Die Inflation ist sehr hoch. Da ist etwa der Diesel sehr teuer, da sind die Kosten für die Arbeitnehmer hoch“, sagt Hansjörg Loder, Landwirt in Etzersdorf. Er vertritt rund 90 oststeirische Biobauern. Ihm fällt auf: „Es gibt einen Strukturwandel. Teils werden tiefer gelegene Flächen gerodet.“
„Souverän und nicht erpressbar“
Zehn Mal so groß wie jener der Familie Tauß ist der Obsthof der Familie Hadler in Breitegg bei Weiz. Maximilian Hadler führt den Betrieb in der dritten Generation. Hauptabnehmer ist auch hier Hofer. Eine Besonderheit: Auf dem Betrieb setzt man in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelhändler und dem Vermarktungspartner „M&P Obstbau“ auf das Projekt „Berggolden“. Man will die einst sehr beliebte Sorte „Golden Delicious“, die auch in höheren Lagen wächst, so wieder stärker in den Hofer-Geschäften platzieren.

Hannes Schaffler, Geschäftsführer der Obst Partner Steiermark GmbH und selbst Biobauer, ist indes stolz auf die regionalen Apfelbauern: „Wir sind souverän und nicht erpressbar. Man kann sich darauf verlassen, dass unser Produkt da ist.“ Ein Großteil des oststeirischen Bioobstes werde im Inland verkauft, exportiert werde bis nach Deutschland, England und Skandinavien.
Aber wie viel Arbeit benötigt man für einen Hektar an Apfelbäumen, vom Schneiden bis zum Pflücken? Hansjörg Loder spricht aus Erfahrung: „Es sind so um die 700, 800 Arbeitsstunden pro Jahr, die manuell geleistet werden.“
OPST Erzeugergemeinschaft
Die Erzeugergemeinschaft „Obst.Partner Steiermark“, ein Verein, vertritt rund 190 oststeirische Obstbetriebe (davon 90 Biobetriebe). Obmann ist Bernhard Ramminger aus Nitscha. Hansjörg Loder (Apfelbauer in Etzersdorf) ist Obmann der Biosparte „Von Herzen“.
Der Verein betreibt eine Verkaufsgesellschaft (Obst Partner Steiermark Handels GmbH) sowie einen eigenen Obstgroßhandel in Puch bei Weiz. Geschäftsführer ist Hannes Schaffler (Biobauer in Hafning bei Weiz).