Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Warum sich diese Steirerin ihren eigenen Turnsaal gebaut hat

Als „Turnmaus“ ist Sarah Leitold weit über das Murtal hinaus bekannt. Ihr Kinderturnen stand heuer aber auf der Kippe – kurzerhand baute die 31-Jährige mit viel Unterstützung „ihren“ 170 Kindern einen eigenen Turnsaal.

Sarah Leitold hat ihren Turnmäusen in Kobenz einen neuen Turnsaal gebaut, die Kurse können diese Woche wieder starten
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Sarah Leitold hat ihren Turnmäusen in Kobenz einen neuen Turnsaal gebaut, die Kurse können diese Woche wieder starten
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

170 enttäuschte Kinder? Ein Albtraum für Sarah Leitold. Die Kindergartenpädagogin gründete 2024 ihr Unternehmen „Turnmaus“, bietet seither im Murtal verschiedene Bewegungsangebote für Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren an. Die Nachfrage ist riesig, die Kurse sind stets ausgebucht. „Ich hatte mich bisher in zwei Turnsälen von Schulen eingemietet. Im Mai wurde mir gesagt, dass sie ihre Säle heuer selbst brauchen werden“, erzählt die 31-Jährige.

Ohne Turnsaal keine Turnmaus: „Ich habe sehr viele Tränen vergossen. Das wäre das Aus gewesen.“ Viele alternative Turnsäle sind für die Kindergruppen zu klein, zumal Sarah Leitold kein „gewöhnliches“ Kinderturnen anbietet. Rund eineinhalb Stunden braucht sie pro Turnstunde, um ihre Geräte, Spiele und Stationen aufzubauen. „Da steckt mein ganzes Herzblut drin. Alleine heuer habe ich zehn Gruppen, von den Krabbelmäusen angefangen bis zum Kinderturnen und dem Eltern-Kind-Turnen.“ 170 Kinder in Summe, denen Sarah Leitold nicht absagen will. In der Verzweiflung wird eine neue Idee geboren – ein eigener Turnsaal. „Eigentlich waren es mein Mann und meine Mama, die mich überredet haben, dass ich mich trauen soll“, schmunzelt Sarah Leitold.

Blick in die neue Turnhalle, für die erste Turnstunde ist alles bereit
© KLZ / Sarah Ruckhofer
Blick in die neue Turnhalle, für die erste Turnstunde ist alles bereit

Von der Disko zum Turnsaal

Fündig wird sie bei der Freizeitanlage Zechner in Kobenz, mit deren Betreibern sie verwandt ist. Dort gibt es eine kleine Halle, die vielen als Disko bei Maturabällen bekannt sein dürfte. Viele Hunderte Arbeitsstunden später ist die Halle nicht wiederzuerkennen: „Es ist wirklich alles neu, vom Dach bis zum Boden“, zeigt Leitold stolz ihr Herzensprojekt. 40 mal 19 Meter ist die Mehrzweckhalle groß, entstanden ist ein Paradies für kleine Turner. „Wir haben alles selbst gemacht, wirklich alles.“

Harte Wochen liegen hinter der Familie: „Als das alte Dach runterkam, folgten zwei Tage Starkregen. Wir standen bis zum Unterschenkel im Wasser“, erzählt Sarah Leitold. „Wir haben im Akkord gearbeitet, teils auch in der Nacht. Es war ein reines Familienprojekt.“ Die Elektrik übernimmt ihr Mann, ihr Bruder Martin Koini von „Steelwork“ kümmert sich um das Dach. „Und ohne meine Mama und meine Tanten wären wir niemals fertig geworden.“

Millionen Aufrufe auf Instagram

Pünktlich zur ersten Turnstunde am 6. Oktober wurde dann doch alles fertig. „Ich habe mir hier meinen allergrößten Traum erfüllt. Mein ganzes Vermögen liegt in diesem Saal“, lacht Leitold. Fast 30.000 Menschen folgen der „Turnmaus“ auf Instagram, ihre Turn-Videos erreichen bis zu 1,8 Millionen Aufrufe. Man merkt: Ihre Leidenschaft für Bewegung ist ansteckend.

Ausgestattet ist der neue Turnsaal mit allem, was dazugehört: Kästen, Turnmatten, Sprossenwände, Leitern, Ringe... „Und mehr, weil ich musste natürlich wieder übertreiben“, lacht die zweifache Mama. Ihre Töchter haben den neuen Saal bereits intensiv getestet. Geturnt werden kann hier das ganze Jahr – mit Ausnahmen. „Bei Maturabällen bauen wir alles wieder zurück, damit es die Disko weiterhin geben kann.“ Aufgrund der neuen Kapazitäten gibt es vereinzelt Restplätze in den Kursen, Infos gibt es unter Tel. 0664-517 6085.

1 / 13
Hunderte Quadratmeter Platz gibt es in der neuen Halle, umgebaut wurde alles von der Familie
Hunderte Quadratmeter Platz gibt es in der neuen Halle, umgebaut wurde alles von der Familie © KLZ / Sarah Ruckhofer