Osttiroler Schutzwald soll Vorbild für das ganze Land werden
Im Vigeinwald hat der Borkenkäfer extrem gewütet. Die Aufarbeitung des Schadholzes und die Aufforstung mit klimafitten Bäumen bekommen nun Modellcharakter.

In Tirol sind 41 Prozent der Landesfläche bewaldet, mehr als 70 Prozent des Waldes erfüllen vorrangig Schutzfunktionen. In Osttirol sind es nur 33 Prozent Fläche, dafür sogar 79 Prozent Schutzwald. Dieser bewahrt Siedlungen, Verkehrswege und Infrastruktur vor Steinschlag, Schneerutschen, Hangbewegungen oder Muren. Damit das so bleibt, muss laufend gepflegt und verjüngt werden. Die Auswirkungen des Klimawandels verändern die Rahmenbedingungen. „Die langfristige Erhaltung der Schutzwirkung erfordert fachliche Begleitung, laufende Beobachtung und rechtzeitige Maßnahmen“, heißt es beim Land Tirol. Und weiter: „Dort, wo Schutzwälder durch Schadereignisse geschwächt oder großflächig ausgefallen sind, braucht es ein abgestimmtes Vorgehen aller zuständigen Stellen.“
Als Beispiel aus der Praxis führt man im Rahmen der „Schutzwaldwoche“ den Vigeinwald in Osttirol an. Dieser liegt unmittelbar oberhalb der L273 Villgratentalstraße im Gemeindegebiet von Heinfels. Aufgrund seiner Schutzfunktion für die Straße wurde er bereits 1987 zum Bannwald erklärt. In den vergangenen Jahren dezimierte insbesondere der Borkenkäfer den Bewuchs extrem. Auf rund sechs Hektar fiel der Waldbestand weitgehend aus. Abgestorbene Bäume sind seitdem bei Sturm oder Nassschnee kein Schutz mehr, sondern selbst eine Gefahr für den Verkehr.
Sehr anspruchsvolles Gelände
Die Aufarbeitung des Schadholzes war anspruchsvoll, das Gelände steil, die Fläche nicht über Forststraßen erschlossen und talwärts verläuft besagte Landesstraße. „Waldeigentümer, der Landesforstdienst, die Landesstraßenverwaltung, die Verkehrsbehörde, ausführende Unternehmen und weitere Fachstellen wie die Landesgeologie haben hier eng zusammengearbeitet“, erklärt Bezirksforstinspektor Hubert Sint. Das Baubezirksamt Lienz war als Straßenerhalter in die Arbeit eingebunden, ebenso die Bezirkshauptmannschaft. Bezirkshauptfrau Bettina Heinricher: „Bei solchen Maßnahmen geht es darum, die Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Bevölkerung und den Verkehr gering zu halten.“ Zwei Seilkräne kamen parallel zum Einsatz.

Aufforstung als Investition
Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) war und ist ebenso involviert. WLV-Gebietsbauleiter Hans-Peter Pussnig: „In steilen Schutzwaldbereichen oberhalb von Straßen und Siedlungen braucht es neben der forstlichen Arbeit forsttechnische Maßnahmen.“ Diese sichern gefährdete Bereiche zusätzlich ab und überbrücken nun die Zeit bis zur Wiederherstellung der natürlichen Schutzwirkung.
Der Vigeinwald steht stellvertretend für viele Herausforderungen, mit denen Schutzwälder in Tirol konfrontiert sind
— Josef Geisler (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreter
Mit der Aufarbeitung ist die Arbeit am Vigeinwald nicht abgeschlossen. Zentrale Aufgabe der kommenden Jahre ist laut des Landes der Aufbau eines stabilen und klimafitten Schutzwaldes. Standortgerechte Mischbaumarten, Pflege der jungen Bestände und langfristige Begleitung stünden auf der Agenda. „Der Vigeinwald steht stellvertretend für viele Herausforderungen, mit denen Schutzwälder in Tirol konfrontiert sind. Schadereignisse können über Jahrzehnte gewachsene Waldstrukturen innerhalb kurzer Zeit verändern“, mahnte Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (ÖVP) beim Lokalaugenschein.
Und Geisler streckte die Hand aus: „Der Erhalt der Schutzfunktion unserer Wälder ist Gemeinschaftsaufgabe. Das Land steht Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern beratend und unterstützend zur Seite.“