Junge zeigen in Deutschlandsberg, was Lehre kann
74 Jugendliche suchen im Bezirk Deutschlandsberg aktuell eine Lehrstelle. Bei der Bildungsmesse zeigten die Lehrlinge, was Ausbildung heute attraktiv macht.

Aus altem Kunststoff wird wieder Filament für den 3D-Drucker, aus Fruchtmasse entstehen gefriergetrocknete „Fruit Bites“: Wer wissen will, was Lehrlinge heute können, muss ihnen beim Erklären nur ein paar Minuten zuhören. Bei der Bildungsmesse Deutschlandsberg präsentierten junge Menschen ihre selbst entwickelten Projekte – und damit ganz nebenbei auch ihre Lehrberufe.
Franz-Felix Leitinger und Marco Totz, Mechatronik-Lehrlinge bei TDK in Deutschlandsberg, haben mit ihrem Team einen „3D-Druck-Recycler“ gebaut. Fehl- und Restdrucke werden geschreddert, aufbereitet und daraus neues Filament hergestellt. „Man macht immer etwas Neues“, beschreibt Totz, was ihn an der Mechatronik reizt. Metall und Elektrik treffen aufeinander, Wartung und Fehlersuche gehören zum Alltag. Leitinger wiederum wusste früh, dass er eine Lehre machen wollte. Heute sagt er: „Lehre mit Matura ist das Beste, was du machen kannst. Da stehen dir so viele Wege offen.“

Genau dieser direkte Kontakt ist einer der Schwerpunkte der Bildungsmesse Deutschlandsberg. 68 Aussteller präsentierten in der Koralmhalle Bildungs- und Berufsmöglichkeiten; fünf Lehrlingsteams traten mit eigenen Projekten an.
Bei der Grünewald Fruchtsaft GmbH in Stainz entwickelten die Lebensmitteltechnik-Lehrlinge Pascal Jurk, Fabian Hopfer und Jasmine Wyatt gefriergetrocknete „Fruit Bites“. Wyatt fasziniert an ihrem Lehrberuf vor allem, was zwischen Rohprodukt und fertigem Lebensmittel passiert: „Ich finde die Prozesse interessant“, sagt sie und nennt etwa die Pasteurisierung. Dass es dabei nicht nur theoretisch bleibt, zeigt die nächste Kostprobe: ein selbst entwickelter Erdbeer-Matcha-Slushy. Interessenten finden sich schnell. Im direkten Austausch mit Gleichaltrigen wird greifbar, was hinter dem Lehrberuf tatsächlich steckt

Neue Wege in die Lehre
Das ist gerade bei weniger bekannten Berufen entscheidend. Jürgen Klosternig-Fister von Grünewald bezeichnet die Lebensmitteltechnik als „relativ unbekannten Lehrberuf“, der zugleich sehr breit aufgestellt sei. Um Jugendliche zu erreichen, gehe man deshalb in Schulen, lade Klassen zu Betriebsführungen ein und sei auf regionalen Messen präsent. Wichtig sei, „früh genug“ auch die Eltern zu erreichen.

Dabei habe sich auch das Bild der Lehre verändert, so Klosternig-Fister. Eine Ausbildung beginne längst nicht mehr zwingend mit 15: Auch nach der Matura oder einem anderen Bildungsweg biete eine Lehre neue Chancen. Entscheidend seien Qualität, Entwicklungsmöglichkeiten und ein Beruf, der zu den eigenen Interessen passt.
Region als Argument
Und die Region selbst? Nähe zu Familie und Freunden sowie kurze Wege seien gerade für junge Menschen ein starkes Argument, betont Klosternig-Fister. Grünewald nimmt jährlich zwei bis drei Lehrlinge auf und setzt bewusst auf intensive Betreuung.
Dass Angebot und Nachfrage nicht automatisch zusammenfinden, zeigen die jüngsten AMS-Zahlen: Ende September standen im Bezirk Deutschlandsberg 74 Lehrstellensuchenden 44 offene Lehrstellen gegenüber. Die Zahl der Suchenden lag damit um 37 Prozent über dem Vorjahr.