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Neues Mahnmal in Achomitz erinnert an deportierte Familien

Eine Holztür macht in Achomitz die Geschichten jener slowenischen Familien sicht- und hörbar, die 1942 von den Nationalsozialisten deportiert wurden.

Eine Frau und ein Mann stehen in einer Türe, die ein Mahn- und Denkmal ist
© Weichselbraun Helmuth Kleine Zeitung
Ana Grilc und Daniel Mešnik beim Tor der Erinnerung
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

Das Klopfen kommt unvermittelt. Wer sich der freistehenden Holztür vor dem Mehrzweckhaus in Achomitz/Zahomec nähert, hört jene Geräusche, mit denen für viele Kärntner slowenische Familien im April 1942 die Vertreibung begann. Öffnet man die Tür und bleibt an der Schwelle stehen, erzählen Stimmen von der Deportation und ihren Folgen, auf Deutsch und im Gailtaler slowenischen Dialekt: „Die Tür ist ein Original aus einem Haus, aus dem die Menschen vertrieben wurden“, sagt Ana Grilc. Die 27-jährige Künstlerin, Autorin und Filmregisseurin hat das interaktive Mahnmal konzipiert. Sie ist selbst Nachfahrin der deportierten Familie Zwitter/Ajuba.

Am Sonntag, dem 4. Oktober, wurde der Erinnerungsort eingeweiht. Dahinter steht der slowenische Kulturverein SPD Zila mit Obmann Daniel Mešnik. Nachkommen steuerten Familiengeschichten bei, örtliche Handwerker halfen bei der Umsetzung. Über Jahre entstand so ein Mahnmal, das zum Stehenbleiben und Zuhören einlädt.

Alle Bilder von der Eröffnung

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Denkmal Mahnmal an deportierte Familien in den Gemeinden Hohenthurn und Feistritz an der Gail Achomitz
Denkmal Mahnmal an deportierte Familien in den Gemeinden Hohenthurn und Feistritz an der Gail Achomitz © Weichselbraun Helmuth Kleine Zeitung

Eine Stunde, um das Nötigste zu packen

Die Erzählungen führen zurück in eine Zeit, in der die Nationalsozialisten Kärntner Sloweninnen und Slowenen aus ihrer Heimat vertreiben wollten. Auf ihren Höfen sollten vor allem deutschsprachige Bauernfamilien aus dem Kanaltal angesiedelt werden. Den Betroffenen blieb eine Stunde, um das Nötigste zusammenzupacken. Polizeieinheiten und SS brachten sie zunächst in ein Sammellager nach Ebenthal, von dort wurden die Familien in Lager im Deutschen Reich deportiert. Die Kinder erhielten keinen Schulunterricht, Slowenisch zu sprechen war verboten. Manche wurden in Vernichtungslager gebracht und ermordet.

Auch die Rückkehr nach der Befreiung 1945 war beschwerlich. Den Familien Zwitter und Brandstätter gelang es, zwei Pferdekarren zu organisieren. Ihr Weg führte über die Tauern und den Katschberg bis zur Windischen Höhe, von wo aus sie nach Jahren erstmals wieder das Gailtal sahen. Zu Hause warteten auf viele Rückkehrende besetzte oder beschädigte Höfe. Diskriminierung und der schwierige Kampf um Anerkennung setzten sich nach Kriegsende fort.

Was die Enkelgeneration beschäftigt

Wie diese Erfahrungen in den Familien weiterwirken, untersucht Grilc im begleitenden Film „Ko zori spomin / Wenn die Erinnerung reift“. Dafür fuhr sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester den Rückweg ihrer Familie nach. Der Film zeigt außerdem, wie künstlerisch tätige Enkelinnen und Enkel von Deportierten und Widerstandskämpfern mit der NS-Geschichte und ihrer Volksgruppenidentität umgehen. Eine Nachfahrin fasst die Folgen für spätere Generationen so zusammen: „Es wird nicht besser, es wird anders.“ Und Grilc ergänzt: „Die Folgen der NS-Gewalt wirken noch weiter fort; die Aufarbeitung der NS-Geschichte ist ein Auftrag an ganz Kärnten/Koroška.“

Für das Projekt konnte der Verein auf jahrzehntelange Erinnerungsarbeit zurückgreifen. Hinzu kamen historische Forschungen und Gespräche, die im Zuge des Sprachprojekts „Lingua“ aufgezeichnet worden waren. Dass der bedrohte Gailtaler slowenische Dialekt im Mahnmal hörbar bleibt, war den Beteiligten besonders wichtig.

Über das Projekt