Tunnel behördlich gesperrt: Ringen um Zukunft der Erzbergbahn
Die Erzbergbahn darf seit August nicht mehr auf ihrer Stammstrecke fahren und ist im eingeschränkten Betrieb. Die Saison geht zu Ende, doch Lösung gibt es noch keine.

Im August erreichten die Bahnenthusiasten der Erzbergbahn fatale Nachrichten: Ein frisch erlassener Bescheid verbietet Publikumsfahrten durch den „Präbichltunnel“ und den „Plattentunnel“. Fahrten zwischen den Bahnhöfen Erzberg und Präbichl sind damit nicht mehr möglich und die Museumsbahn verlor mit einem Schlag einen großen Teil ihrer Strecke.
„Die Saison geht endlich zu Ende“, sagt Markus Wurzer, Schriftführer des Vereins Erzbergbahn erleichtert. Seit dem Bescheid im August ist der Verein in Aufruhr. Das Problem liegt laut Behörde in den Tunneln, die die Auflagen der Veranstaltungssicherheitsverordnung (VSVO) nicht erfüllen. Eine Verordnung, die, aus Sicht des Vereins, für Museumsbahnen nicht geeignet ist.
Keine Verordnung für Eisenbahnen
Die Tunnel der Erzbergbahn haben laut VSVO zwei wesentliche Probleme: Sie sind sowohl beim Thema Brandschutz als auch beim Thema Fluchtwege nicht ausreichend ausgestattet. Es fehlt eine „technische Brandmeldeanlage“ in den Tunneln und geeignete Notbeleuchtung, berichtet Markus Wurzer. Außerdem ist in der VSVO vorgegeben, dass es von jeder Stelle in der Veranstaltungsstätte einen maximalen Fluchtweg von 40 Metern geben darf. „Unserer Vorstellung nach heißt das, dass wir einen eigenen Rettungsstollen bauen müssten und alle 40 Meter einen Fluchtweg benötigen“, spitzt Wurzer zu. Etwas, das bei anderen (Eisenbahn-)Tunneln kein Thema sei, wie er bemängelt. Seiner Meinung nach ist die Verordnung für die Bewertung der Erzbergbahn ohnehin nicht geeignet. „Die Verordnung geht von einem Gebäude aus, in dem eine Veranstaltung stattfindet, nicht von einer Museumsbahn.“
Auch Brandschutzauflagen dieser Art stoßen beim Verein auf Unverständnis. „Seit 36 Jahren wird die Bahn von Sachverständigen bewertet, da war das nie ein großes Thema“, sagt Wurzer. Auch Feuerwehrübungen habe es gegeben, bei denen keine Probleme aufgekommen seien. Dennoch sei verständlich, dass die Bezirkshauptmannschaft Sicherheit als oberste Priorität sehe. „Wir kritisieren nicht die BH, sondern wie plötzlich es aufgekommen ist und die kurze Zeit, in der das abgehandelt wurde.“
Keine Lösung in Sicht
Politisch hätte das Thema am 1. Oktober im Landtag zur Sprache kommen sollen. Da an diesem Tag jedoch die Sitzung unterbrochen wurde, fehlte die Zeit, es ordentlich zu bearbeiten. Laut Obmann Joachim Lanner ist Anfang November ein Termin mit den Bürgermeistern der Region geplant. Man erhofft sich, dass die Verordnung angepasst und für Museumsbahnen eine Ausnahme hinzugefügt wird. „Ich erwarte mir ein klares Bekenntnis zur Erzbergbahn.“
Außerdem wurde ein Spendentopf eingerichtet, über den dem Verein finanziell unter die Arme gegriffen werden kann. Knapp 6500 Euro wurden bereits gesammelt. Man freue sich über die rege Unterstützung, betont Wurzer, doch mit diesem Geld würden sich lediglich Gutachter und die laufenden Kosten decken lassen. Die benötigten Änderungen könne man so voraussichtlich nicht finanzieren.
Die Zukunft ist ungewiss
Grundsätzlich soll die Erzbergbahn auch nächstes Jahr wieder im eingeschränkten Betrieb fahren. Dafür hat man bereits – wie von der VSVO vorgesehen und seit Jahren gängige Praxis – um den nötigen Bescheid bei der BH angesucht. „Der Antrag ist eingegangen und wird im Oktober gestartet“, sagt Bezirkshauptmann Markus Kraxner. Die Behörde sei in engem Austausch mit dem Verein Erzbergbahn, in den Verlauf des Verfahrens könne man jedoch nicht vorgreifen.
Lanner erhofft sich von der Behörde vor allem Klarheit: „Wir wollen, dass einmal klar auf den Tisch kommt, was wirklich gefordert wird.“ Bis jetzt könne er nur aus der Verordnung zitieren. Doch was beispielsweise eine technische Brandschutzanlage konkret bedeute und an welche Normen man sich bei Fluchtwegen und Notbeleuchtung halten müsse, wisse der Verein nicht.
Jahresabschluss mit Sturm und Maroni
Für dieses Jahr beobachtete man bei den Fahrgastzahlen seit dem Streckenschluss einen „massiven Rückgang“. Am Freitag und Samstag, dem 9. und 10. Oktober, finden die letzten Fahrten der Saison mit Sturm und Maroni statt. Wann die Bahn wieder bis zum namensgebenden Erzberg weiterfahren kann, bleibt vorerst unklar.