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Künstlerin Ingrid Wiener verstorben

Sie war Textilkünstlerin, im Umfeld der „Wiener Gruppe“ zugegen und war Mitbegründerin eines der legendärsten Lokale Westberlins. Ingrid Wiener ist im Alter von 84 Jahren verstorben.

Ingrid Wiener, 1942–2026
© Privat
Ingrid Wiener, 1942–2026
Susanne Rakowitz
Redakteurin Kultur & Medien

Sie war Künstlerin, Köchin und Zeugin eines turbulenten Lebens. Sie lebte in Berlin, Kanada, Düsseldorf und zuletzt auch in der Steiermark. 2024 wurde sie mit dem österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Wie ihr näheres Umfeld der Kleinen Zeitung am Freitag bestätigte, ist die Künstlerin am Donnerstag plötzlich verstorben – am 2. Oktober hätte sie ihren 84. Geburtstag gefeiert.

Antrieb zum Ausbruch

Das muffige Wien in den 1950er-Jahren, auch für Ingrid Wiener war das ein Antrieb zum Ausbruch. Sie studierte Textilkunst und wer in Wien damals den Aufstand wagen wollte, der landete bei der „Wiener Gruppe“ und nahm an ihren Aktionen teil. Die Uni-Aktion „Kunst und Revolution“ sorgte 1968 für einen handfesten Skandal. Infolge flüchtete sie mit ihrem Partner Oswald Wiener (1935–2021) nach Berlin. Dem Autor und Theoretiker drohte nach der Aktion in Österreich eine sechsmonatige Haftstrafe.

An der Spree gründeten sie gemeinsam mit Michel Würthle unter anderem das legendäre Lokal „Exil“ – Ingrid Wiener kochte und bewirtete dort Künstler wie David Bowie, Joseph Beuys, Martin Kippenberger, Max Frisch oder auch Iggy Pop. Mit Dieter Roth und VALIE EXPORT arbeitete sie künstlerisch zusammen.

Aus dem turbulenten Berliner Leben zog das Paar Mitte der 1980er-Jahre in die legendäre kanadische Goldgräberstadt Dawson. Ingrid Wieners Webarbeiten waren Zeugen dieses turbulenten Lebens, Zeugnisse des Alltäglichen, eindringliche Beobachtungen von Mikrokosmen. 2023 waren Teile ihres Werkes in der Ausstellung „Von weit weg sieht man mehr“ im Grazer Kunsthaus zu sehen, darunter Gobelins von 1985 bis 2023 und ihre Traumbilder.