Bio-Bauer, Pferdezüchter und jetzt auch Diakon im Zölibat
Josef Christian Walker aus Grafendorf im Gailtal wird am Sonntag zum Diakon geweiht. Auf seinem Weg zum Glauben war er lange Zeit ein Suchender.

Die Prostratio, also die Hinwerfung am Boden, hat er schon geübt. Inklusive Aufstehen hinterher. Denn am Sonntag um 15 Uhr wird sich Josef Christian Walker vor Bischof Josef Marketz im Klagenfurter Dom auf den Boden legen und die Weihe zum Ständigen Diakon empfangen. Neben ihm: Vier weitere Männer, die sich in der Katholischen Kirche zum „Dienst am Nächsten“ verpflichten. Während Lukas Krobath die Weihe als Priesteramtskandidat empfängt, werden auch Robert Alberer, Gernold Lagger und Klaus Smeritschnig wie Walker zum Ständigen Diakon geweiht. Und dennoch sticht Walker aus dieser Reihe hervor: Denn er ist der einzige unverheiratete Mann in der Runde und gibt auch ein Zölibatsversprechen ab.
Eine Verpflichtung und ein Bekenntnis zum Amt, das man so nur selten erlebt. „Ich weiß, dass meine Entscheidung für viele Menschen nach heutigem Verständnis nicht normal ist“, sagt Walker. Für ihn aber sei sie „der Weg ein sinnerfülltes Leben zu führen“, sagt der Gailtaler.
Bio-Bauer und Pferdezüchter
Was er damit meint, merkt man wenn man mit ihm in seinem Heimatort Grafendorf unterwegs ist. Walker ist Bio-Bauer, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und des Pfarrgemeinderats. Er ist keiner, der abseits der Gemeinschaft steht. Im Gegenteil. „Ich will als Diakon in meinem Umfeld wirken, mit der Gemeinschaft gestalten, daher ist das der richtige Weg für mich“, sagt der 48-Jährige.

Wobei der Weg alles andere als vorgezeichnet war. Ministrant sei er nicht gewesen, die Eltern gingen sonntags und zu Festen in die Kirche, tief im Glauben verankert waren sie aber nicht. In jenem Alter, in dem andere sich für ein Theologiestudium entscheiden, machte Walker eine landwirtschaftliche Ausbildung und anschließend eine Lehre zum KfZ-Mechaniker. „Das Thema Spiritualität hat mich da noch lange nicht beschäftigt“, erzählt er. Als es so weit war, suchte er in vielen Richtungen. Mit dem Buddhismus hat er sich in dieser Lebensphase ebenso beschäftigt, wie mit den Lehren der Zeugen Jehovas. Dass er letztlich in der Katholischen Kirche die Antworten auf seine Fragen fand, sei „Teil dessen, was man Glauben nennt. Denn dann weiß man, dass es nicht endet, wenn das Irdische endet“.
Landwirt mit Schöpfungsverantwortung
In dieser Rolle sieht er sich auch als Landwirt. Neben 13 Milchkühen hat er auch drei Noriker, beschäftigt sich mit der Zucht dieser Pferderasse. „Das hat für mich auch etwas mit Schöpfungsverantwortung zu tun.“ Dass sich eine Familie im Sinne von Partnerschaft und Kindern nicht ergeben hätte, sei eben so, „es lässt einem andererseits die Möglichkeit als Landwirt mit diesem kleinen Betrieb trotzdem sein Auskommen zu finden. Und man ist ja auch sonst nicht allein, ich habe zwei Geschwister, Eltern, Freunde.“ Ein Eintritt in einen Orden kam auch aus diesem Grund nicht in Frage. „Ich habe nicht nur den Hof meiner Eltern übernommen, sondern auch die Verantwortung dafür und der komme ich nach.“
Ich bin kein Reservepfarrer, ich will Gemeinschaft gestalten.
— Josef Christian Walker, Diakon
Die Probleme der christlichen Kirchen treiben auch Walker um. Immer mehr Menschen treten aus, der Priestermangel wird mit Seelsorgern aus anderen Staaten und Kulturkreisen überbrückt. Auch im Pfarrverband Grafendort hat man mit Bartholomew Obidigbo einen Seelsorger aus Nigeria. „Da gibt es Unterschiede im kulturellen Verständnis oder bei der Sprache, wo beiderseits Brücken gebaut werden mussten“, bekennt Walker offen. Dennoch stellt er klar: „Ich bin kein Reservepfarrer, ich will Gemeinschaft gestalten.“ Taufen, Trauungen und Begräbnisse werde er selbstverständlich mit der Gemeinde feiern, aber auch abseits ausgetretener Wege „versuchen den christlichen Weg der Nächstenliebe im kulturellen Leben zu platzieren”.