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Demnächst regierungsreif

Herren im besten Seniorenalter
© AFP/Drew Angerer
Herren im besten Seniorenalter

Niemand muss heute noch eine Sechzigerkrise durchleben. Den Alten gehört die Welt!

Seit Monaten liegt mir eine Lieblingsfreundin damit in den Ohren, dass sie sich mitten in ihrer Sechzigerkrise befindet. Derweil ist es zum besagten Sechziger noch eine halbe Ewigkeit hin. Na gut, eine viertel Ewigkeit.  

Er zipft sie furchtbar an. Verstehe ich irgendwie. Sowas ist halt einmal ein sehr persönlicher Epochenbruch. Wie lindert man in solcher Lage den Verwelkschmerz? Man streicht der Freundin tröstend übers Haar. Bei dieser Gelegenheit „Du bist aber auch ganz schön grau geworden“ festzustellen, ist nicht verboten, wirkt auf das Gegenüber aber vermutlich nicht stark stimmungsaufhellend. Dabei hätte meine Freundin allen Grund zur Zuversicht, denn sie altert gerade in die beste Phase ihres Lebens hinein. Ich bitte das nicht als irgend so ein Best-Ager-Blabla zu verstehen. Vielmehr weist mein arthritisch noch kaum verkrümmter Zeigefinger hier ins Erdenrund: Den Jungen gehört vielleicht irgendwann einmal die Zukunft, aber sehet hin, den Alten gehört die Welt. Man blicke nur nach USA, Russland, China oder Indien, alles Länder, die derzeit von Herren im besten Seniorenalter gelenkt werden: 80, 74, 73, 76.

Als rings die Welt im Irrtum schlief

Im eigenen Lande macht sich gerade ein 71-Jähriger dazu auf, seine in anhaltenden Umfragetiefs mit Überwintern beschäftigten Brüder zur Sonne, zur Freiheit zu führen, bzw. beschloss er, „als rings die Welt im Irrtum schlief“, wie es in der Hymne der österreichischen Sozialdemokratie so schön heißt, der Partei in Gestalt von sich selbst eine Zukunft zu schenken, und ist jetzt fleißig dabei, das landauf, landab zu verkünden.

Solchen Vorbildern gemäß könnte meine Freundin also in ca. 12 bis 15 Jahren eine Partei führen oder ein Land regieren. Zumindest, wenn sie ein Mann wäre, denn die Gerontokratie, die da derzeit ihr faltiges Haupt erhebt, ist recht männlich geprägt. In gerade einmal 28 von 193 UN-Staaten regieren Frauen als Staats- und Regierungschefinnen (Stand: März 2026), wenn das so weitergeht, „wird Gleichstellung in den höchsten politischen Führungspositionen erst in etwa 130 Jahren erreicht sein“, heißt es im honorigen „UN Women Faktenspiegel“. 

Was in 130 Jahren sein wird, betrifft aber weder meine Freundin noch mich. Was vielleicht ein Glück ist, wenn man bedenkt, dass Leute, die die Politik unserer Tage machen, sich die Schriftgröße in ihren Smartphones von ihren Enkeln einstellen lassen müssen und trotzdem demnächst über die Zukunft der Welt, z.B. über Regelwerke im Umgang mit der Künstlichen Intelligenz entscheiden werden.