Negatives Gutachten: Millionenprojekt in Murau wird neu geplant
Im Zentrum von Murau soll ein großes Wohnbau- und Tiefgaragenprojekt entstehen. Nach jahrelanger Verzögerung muss es nun erneut zurück an den Start – nicht zuletzt wegen eines neuen Ortsbildgutachtens.

Schon im Jahr 2022 sollte nach ursprünglichem Plan das Bauprojekt im Herzen der Stadt Murau fertig sein: 19 Eigentumswohnungen und eine Tiefgarage mit 118 Stellplätzen waren in der Tierangerstraße geplant. Und zwar auf einem rund 8000 Quadratmeter großen unbebauten Grundstück, das vom Zentrum aus fußläufig schnell erreichbar ist.
Die Anrainer Michaela Rösler, Barbara Pekari und Thomas Gell gingen von Anfang an dagegen vor. Das Projekt passe nicht ins Ortsbild, war eines der Argumente. Es gab Einsprüche auf unterschiedlichen Ebenen, die mehrmals Verschiebungen bewirkten. Die in Wien ansässige „Mur Immobilienprojektentwicklungs GmbH“ als Betreiber kündigte im November 2024 gegenüber der Kleinen Zeitung an, das Projekt neu einreichen zu wollen.
Zurück an den Start
Fast zwei Jahre später ist von Bautätigkeiten weiter keine Spur, im Gegenteil. Es heißt zurück an den Start. Das hängt auch mit dem neuen Ortsbildsachverständigen zusammen, dem Grazer Architekten Martin Brischnik. Während sein inzwischen pensionierter Vorgänger das Tieranger-Projekt guthieß, fällt Brischniks Gutachten negativ aus. Der geplante Wohnungs- und Tiefgaragenbau erfülle nicht, was das Ortsbildkonzept verlange, nämlich die Vermittlung zwischen der historischen Altstadt und der offenen Villen- beziehungsweise Einfamilienhausbebauung.
Anrainerin Michaela Rösler, die in Murau einen Zweitwohnsitz hat, fühlt sich durch das Gutachten bestätigt: „Wir haben von Anfang an die Meinung vertreten, dass dieser Bau nicht ins Ortsbild passt.“
Die Stadtgemeinde Murau hat Ende Juli eine geplante Bauverhandlung zum Tieranger-Projekt abgesagt, das Projekt steht jetzt erneut am Anfang. Das wirft die Frage auf, ob der Investor angesichts der Widrigkeiten am Bau festhält.
Die Kleine Zeitung hat bei Markus Voglreiter, Geschäftsführer der „Mur Immobilienprojektentwicklungs GmbH“, nachgefragt. Er lässt keinen Zweifel: „Das Verfahren dauert zwar schon ewig, und durch die Einsprüche sind enorme Kosten entstanden, aber wir verfolgen dieses Projekt weiter.“

Als Projektentwickler sei er Verzögerungen gewohnt. Das Bauvorhaben werde nun überarbeitet: „Wir wollen es etwas kleiner machen und den Grünraum zur Tierangerstraße hin aufwerten.“ Man werde die Maßnahmen mit dem neuen Ortsbildsachverständigen abklären: „Und ich denke, wir werden auch mit den Anrainern ein gutes Einvernehmen haben.“ Voglreiter rechnet Anfang 2027 mit der Einreichung. Im Falle einer Genehmigung könnte die Umsetzung im Jahr 2028 starten. Die Kosten beziffert er mit rund zehn Millionen Euro.
Bürgermeister Thomas Kalcher zeigt sich froh, dass der Betreiber weiter im Boot ist. Das Wohnprojekt würde modernen Wohnraum in bester Innenstadtlage und dringend benötigten Zuzug bringen. Dass der neue Ortsbildsachverständige das Projekt ablehnend beurteilt, nehme er zur Kenntnis: „Wichtig ist, dass es am Ende zu einer guten Lösung kommt.“
Anrainerin Michaela Rösler sagt, sie und ihre Mitstreiter würden weiter einen kritischen Blick auf das Projekt haben und wenn notwendig auch wieder rechtlich dagegen vorgehen.