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Kaslabn Nockberge: „Es ging uns nie nur um den Käse“

Was passiert, wenn Zinsen in Form von Käse ausbezahlt werden? Die Bio-Käserei in Radenthein beeinflusst so seit zehn Jahren die regionale Wirtschaft nachhaltig.

Der Kaslabn-Vorstand vor der Käserei
© KK/Kaslabn
Der Kaslabn-Vorstand: Marlies Pötscher, Franz Glabischnig, Angelika Kohlweiß-Schnitzer, Klaus Kohlweiß und Michael Kerschbaumer
Camilla Kleinsasser
Redakteurin Regionalredaktion Oberkärnten & Osttirol

Die Idee war zwar ausgereift, aber „am Anfang fast ein bisschen illegal“, erinnert sich Klaus Kohlweiß heute schmunzelnd. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen für ein Bürgerbeteiligungskonzept wie dieses waren gerade erst geschaffen worden. Mit ihrer Ankündigung 2,5 Millionen Euro in eine eigene Bioheumilch-Käserei in Radenthein investieren zu wollen, ließen Bauern aus der Region, die sich zur Genossenschaft „Kaslabn Nockberge“ zusammengetan hatten, im Jahr 2015 aufhorchen. Das Ganze sollte nämlich mit finanzieller Beteiligung von Bürgern umgesetzt werden, wobei zwei Prozent Zinsen in Form von Käse ausbezahlt würden. Die damals neuartige Idee fand Anklang und setzte auch in der Umsetzung 2016 Maßstäbe. Durch ein „Schaufenster“ können Kunden, die im Hofladen einkaufen, nämlich direkt in die Produktion schauen.

Jetzt – zehn Jahre später – gibt es wieder allen Grund zu feiern. Die Philosophie der Gründer ist in vielerlei Hinsicht aufgegangen: „In diesen Jahren haben wir nicht nur rund 15 Millionen Euro in der Region umgesetzt. Wir sind ein guter Partner für Handwerker und als Arbeitgeber“, sagt Kohlweiß als Obmann der Genossenschaft. Der mehrfach ausgezeichnete Käse wird über den Online-Shop in den Wintermonaten nach ganz Europa verschickt. „Manchmal passiert es aber auch, dass Leute zu uns kommen, einkaufen und Bekannten im Ausland mit unserem Käse eine Freude machen wollen. Dann verschicken wir das mit der Post. Das funktioniert gut.“ Auch bei Firmen seien Käsepakete von der Kaslabn als Weihnachtsgeschenk gefragt.

Ein „Unfall“ wurde zum Renner

Die Verkaufsschlager sind der Butterkäse, der dreimonatige Bergkäse und der so genannte „KuZi“, der nur durch einen Unfall zustande kam, wie Kohlweiß erzählt: „Unsere Milchfahrerin hat einmal vergessen, die Kammern im Tank zu schließen. So wurden Kuh- und Ziegenmilch versehentlich vermischt. Wir haben daraus trotzdem einen Käse gemacht und der wurde ein Renner.“ Insgesamt werden pro Jahr rund eine Million Liter Milch von 15 Bauernfamilien zu 100 Tonnen Käse verarbeitet. Etwa zehn Prozent davon werden im Hofladen und online verkauft, zehn Prozent gehen in die Gastronomie, achtzig Prozent in den Handel. „Die Wertschätzung für regionale Produkte hat sich in den vergangenen zehn Jahren sehr gesteigert. Das merken wir auch vonseiten der Supermärkte, die faire Partner für uns sind“, betont Kohlweiß.

Johanna Leitner, Käsemeister Jakob Kohlweiß und Daniel Ebner
© KK/Kaslabn
Johanna Leitner, Käsemeister Jakob Kohlweiß und Daniel Ebner

Diese Wertschätzung ist einer jener positiven Effekte, die man mitunter erreichen wollte. Denn den Gründern ging es nie „nur“ um den Käse. „Das Grundinteresse dahinter war auch die Region zu entwickeln im Hinblick auf die nächste Generation und deren Perspektive“, erklärt Kohlweiß. „Wir haben in diesen zehn Jahren viele Lehrlinge ausgebildet, von denen etliche wieder daheim auf ihren Höfen Produkte verarbeiten und dadurch wieder im Vollerwerb tätig sein können. Ich habe das Gefühl, dass die Stimmung gut ist und dass junge Leute wieder bleiben wollen.“ Das sei auch wesentlich für den Tourismus der Region mit rund zwei Millionen Nächtigungen. Denn nur in Verbindung mit der Landwirtschaft gelinge es, die geschaffene Kulturlandschaft, die die Gäste anlockt, zu erhalten.

4000 Besucher jährlich

Die Lehrlinge der Kaslabn sind übrigens nicht minder ausgezeichnet wie ihr Käse. Immer wieder konnten sie bei Bewerben überzeugen. „In der Fachberufsschule für Milchtechnologie in Rotholz haben wir einen Namen“, freut sich Kohlweiß. Derzeit werden vier Lehrlinge in der Produktion, einer im Verkauf ausgebildet. Insgesamt beschäftigt die Genossenschaft 17 Mitarbeiter, wobei das Durchschnittsalter in der Produktion bei unter 30 Jahren liegt. 4000 Besucher werden pro Jahr durch die Schaukäserei geführt, um einen Bezug zu den Produkten zu vermitteln. Wer sich selbst von der Kaslabn überzeugen will, hat am Samstag, 3. Oktober, Gelegenheit dazu: Da wird das Jubiläum nämlich ab 9 Uhr mit einem Tag der offenen Käserei gefeiert.

Elias Gradnitzer und Jakob Kohlweiß in der Produktion
© KK/Kaslabn
Elias Gradnitzer und Jakob Kohlweiß in der Produktion