„Die sind ja Slowenisch“: Schulkinder werden nach Sprache getrennt
Deutsch hier, Slowenisch dort: In der Volksschule Diex werden Kinder nicht nach Schulstufen unterrichtet. Sie leiden unter der Trennung von ihren Freunden.

Ausgerechnet dort, wo Zweisprachigkeit zum Selbstverständnis gehört und Volksgruppen vereint sind, sorgt die Sprache jetzt für Trennung: An der zweisprachigen Volksschule in Diex (Bezirk Völkermarkt) werden die 42 Schüler heuer nämlich nicht nach Schulstufen, sondern nach Sprachen eingeteilt unterrichtet - die Eltern sind empört, weil ihre Kinder von den eigentlichen Schulkollegen abgesondert werden. Abmeldungen vom Slowenisch-Unterricht sind nun angedacht.
Die beschauliche Volksschule Diex sollte heuer eigentlich drei Klassen bieten. Wenige Tage vor Schulstart wurde aber nach Weisung der Bildungsdirektion eine zweisprachige Lehrerin nach Klagenfurt abgezogen und die Schüler wurden in zwei sprachbezogene Gruppen aufgeteilt. Alle für den slowenischsprachigen Unterricht angemeldeten Kinder werden unabhängig von der Schulstufe unterrichtet, alle einsprachigen ebenfalls. Innerhalb dieser Gruppen werden die Schulstufen – mit Ausnahme von Deutsch und Mathematik – weitgehend gemeinsam unterrichtet.
„Kein Klassengefüge mehr“
Die Eltern der 42 Schüler beklagen, dass es de facto kein Klassengefüge mehr gibt. Einige überlegen nun, ihre Kinder vom zweisprachigen Unterricht abzumelden – nicht weil sie die Sprache ablehnen, sondern weil die Kinder emotional unter der Trennung von ihren Freunden leiden. Im Elternforum sind Sätze zu hören wie: „Mein Sohn hat gerade wieder geweint, weil er im Unterricht bei seinen Freunden sein will. ‚Aber geht ja nicht, die sind ja Slowenisch‘, sagt er. Mir steigt die Gänsehaut auf.“

An der Volksschule Diex konnte auf zwei Schulstufen die erforderliche Mindestzahl von neun Schülern nicht erreicht werden. Daher war für die Klassenorganisation eine Sonderregelung erforderlich.
— Sabine Sandrieser,, Abteilung Minderheitenschulwesen, Bildungsdirektion
Was sagt die Bildungsdirektion? „An der Volksschule Diex konnte auf zwei Schulstufen die erforderliche Mindestzahl von neun Schülern nicht erreicht werden. Daher war für die Klassenorganisation eine Sonderregelung erforderlich. Aufgrund des bestehenden Personalbedarfs wurde die dienstjüngste zweisprachige Lehrperson an einer anderen Schule eingesetzt, an der der Bildungsauftrag ohne eine entsprechend qualifizierte zweisprachige Lehrkraft nicht hätte erfüllt werden können“, so Sabine Sandrieser, Leiterin der Abteilung für Minderheitenschulwesen in der Bildungsdirektion. Im vorliegenden Fall sei die konkrete Klassen- und Personalsituation erst auf Grundlage der aktuellen Schülerzahlen und der verfügbaren personellen Ressourcen abschließend zu beurteilen gewesen.
„Ausreichend Lehrpersonen“
Sandrieser erklärt weiters, die Organisation des Unterrichts obliege der Schulleitung: „Der VS Diex stehen mit fünf Lehrpersonen ausreichende personelle Ressourcen zur Verfügung, um sowohl den Bildungsauftrag als auch die Bedürfnisse der Schüler nach Gemeinschaft im Rahmen der autonomen Gestaltung von Gruppenbildungen zu berücksichtigen.“
Zu wenig Slowenisch-Lehrer?
Die Frage, an wie vielen Schulen die Kinder nach Sprache getrennt unterrichtet werden, bleibt unbeantwortet. „Der zweisprachige Unterricht wird in Kärnten nach unterschiedlichen pädagogischen Konzepten und unterschiedlichen Formaten klassenübergreifend, schulstufenübergreifend, projektorientiert oder immersiv durchgeführt“, heißt es. Und gibt es zu wenig Slowenisch-Lehrer? Sandrieser: „Im aktuellen Schuljahr mussten an vier Standorten Übergangslösungen für die Organisation des zweisprachigen Unterrichts getroffen werden.“
Die Schulleitung der VS Diex wollte sich zur Causa nicht äußern, verwies auf die Bildungsdirektion.