„Wer heute einen 10-Cent-Tarif anbietet, macht einen Verlust“
10-Cent-Tarife seien „politisch gewollt“, wirtschaftlich aber nicht darstellbar, kritisiert Oekostrom-CEO Ulrich Streibl. Er sagt steigende Strompreise voraus.
Fehlende Erdgasmengen am Weltmarkt und die große Trockenheit, die die Stromproduktion aus Wasserkraft um 30 bis 40 Prozent einbrechen ließ, werden die Strompreise in Österreich nach oben treiben. Das erwartet Ulrich Streibl, CEO der Oekostrom AG. Ein Energieversorger zahle beim Stromeinkauf aktuell 16 Cent pro kWh. „Wer heute einen 10-Cent-Tarif anbietet, macht einen Verlust“, kritisiert Streibl. „Das Phänomen der 10-Cent-Tarife öffentlicher Unternehmen ist politisch gewollt.“ Energiewirtschaftlich sei das „nicht darstellbar“. In der Beschaffung werde Strom sogar noch teurer: Für die Winterquartale koste er bereits mehr als 20 Cent pro kWh.
Preiskorridor zwischen 15 und 20 Cent
Die Konsequenz: Auch Haushalte müssen bald mehr zahlen. Zwar hätten sich viele Anbieter, auch die Oekostrom AG, vor der Iran-Krise noch günstige Strommengen gesichert. „Aber für alle, die jetzt einkaufen, wird es sehr teuer.“ Das schlage sich auf die Preise durch, meint Streibl: „Ich glaube, dass wir Ende 2026, Anfang 2027 bei Strompreisen für Haushalte einen Preiskorridor zwischen 15 und 20 Cent sehen werden.“ Ab 2028 dürften die Preise für Haushaltsstrom dann wieder sinken.
Um die von fossilen Brennstoffen verursachten Preisspitzen zu glätten, brauche es einen massiven Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft. „Deswegen habe ich kein Verständnis für einen Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner, der sagt, er hasse Windräder.“
Kapitalerhöhung für neue Projekte
Auch Batteriespeicher würden „uns helfen, möglichst wenig von Gasstrom abhängig zu sein“, so Streibl. Die Oekostrom AG will daher an jedem Produktionsstandort Batteriespeicher errichten – ein Geschäftsmodell, das stark im Kommen sei. Allein der geplante 20-MW-Batteriespeicher in Parndorf kostet sechs Millionen Euro. Er ist eines von vier Projekten, die durch eine Kapitalerhöhung finanziert werden sollen. Außerdem geplant sind ein PV-Kraftwerk in Oberösterreich in der Größe von 30 Fußballfeldern sowie zwei Windkraftprojekte in Niederösterreich. „Wir haben eine Pipeline von 300 MW an Projekten, die wir umsetzen wollen.“
„Ausbauen, was geht“
Zur Diskussion über Rechenzentren sagt der Oekostrom-CEO, an Hyperscale-Rechenzentren führe kein Weg vorbei, wenn man KI nutzen wolle. „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Für den Betrieb brauche es aber ausreichend erneuerbaren Strom. „Rechenzentren ohne den Ausbau der Erneuerbaren zu errichten, macht den Strom teurer“, warnt Streibl. „Dann wird es problematisch für die Bevölkerung. Umso mehr müssen die Bundesländer ausbauen, was geht.“