„Wenn es zu schwer ist, um es selber zu schleppen, buche ich Tim“
Das Grazer Carsharing-Projekt „Tim“ feiert 10. Geburtstag. Elena Gerstner war 2016 die allererste Kundin und ist heute nach wie vor dabei.

„Ich bin immer gerne Auto gefahren“, erzählt Elena Gerstner. „2016 war ich damals frisch in Graz und ohne Auto, da seh ich das große Plakat für Carsharing und Tim und bin gleich zur Anmeldung reinmarschiert.“ Sie war die erste, die diesen Schritt getan hat, und damit Vorreiterin: die allererste Tim-Kundin, der bis heute, zehn Jahre später, gut 8000 weitere gefolgt sind.
Tim steht für „täglich intelligent mobil“. Das übergeordnete Ziel lautet: Es den Grazerinnen und Grazern erleichtern, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Damit würden, so das verkehrsplanerische Kalkül, viele Autofahrten im Stadtgebiet, die oft nur aus Gewohnheit zurückgelegt werden, wegfallen; auch der Parkdruck soll so geringer werden. Die mittlerweile 36 Tim-Standorte im Grazer Stadtgebiet sind so gewählt, dass sie gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Auch Radabstellplätze sind stets direkt dabei.
Tim-Jubiläum: 4000 Buchungen pro Monat
Die Zahlen zum Jubiläum: 4000 Mal pro Monat wird ein Tim-Auto gebucht, 8000 Kundinnen und Kunden sind registriert. Sie können auf 90 Pkw und sieben Lastenräder zurückgreifen. 50 Autos sind rein elektrisch, 40 sind Verbrenner. Wobei ein Trend klar ist: Die Tim-Kunden buchen bevorzugt E-Autos, das zeigen die Auslastungszahlen.
Die tim-Fahrzeugflotte
50 Autos sind rein elektrisch: e-Golf, VW ID.3, Cupra Born, Renault R5, Skoda Elroq sowie den Transporter Mercedes e-Vito.
40 Pkw sind Verbrenner wie Seat Ibiza, VW Golf Variant und Skoda Octavia sowie VW Caddy und Renault Trafic als Transporter.
Sieben Lastenräder kommen noch dazu.
Und das bestätigt auch Elena Gerstner. Wenn sie bucht, dann immer E-Auto. In ihrem Fall ist das allerdings gar nicht so oft. „Vielleicht drei Mal im Jahr“, sagt sie, die in der Mandellstraße ein Uhren-Antik-Geschäft betreibt. „Aber das Entscheidende ist: Ich weiß, dass ich jederzeit ein Auto buchen kann.“ Das sei ein Freiheitsgefühl. Mit ihrem Mann hat sie gemeinsam ein Auto, „aber es nutzt meistens mein Mann. Außer für die Arbeit braucht man in der Stadt eigentlich kein Auto“, ist Gerstner überzeugt. „Ich fahr mit dem Rad, mit der Bim – und seit zehn Jahren mit Tim.“
Wenn die Dinge dann zu schwer sind, um es selber zu schleppen, dann buche ich Tim.
— Elena Gerstner, die erste Tim-Kundin
Und wenn doch, bucht sie. Zum Beispiel für Einkäufe, etwa bei einem Möbelhaus. „Wenn die Dinge dann zu schwer sind, um es selber zu schleppen, dann buche ich Tim.“ Auch damit ist sie nicht alleine. Überwiegend werden Tim-Fahrzeuge für Einkäufe gebucht, aber auch für Ausflüge, Besuche oder zum Abholen von Personen, heißt es seitens der Holding Graz, bei der Tim angesiedelt ist.
Tim bleibt auf Expansionskurs und will „schwarze Null“
„Mit Blick nach vorn wird das Angebot von Tim weiter ausgebaut, um den Wandel der urbanen Mobilität aktiv zu unterstützen“, sagt Holding-Vorstand Mark Perz. Also kein Ausruhen nach zehn Jahren, Tim bleibt weiter auf Expansionskurs. Da stimmen auch Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Vize Judith Schwentner (Grüne) ein. „Das Erfolgsrezept liegt in der Flexibilität“, sind sie sicher.
Die Tim-Tarife
Für Kleinwagen:
1. + 2. Stunde: je 5,90 Euro (bisher 5,80)
3. + 4. Stunde: je 8,40 Euro (8,30)
ab 5. Stunde: je 11,70 (11,50)
Für Mittelklassewagen*:
1. + 2. Stunde: je 6,90 Euro (bisher 6,80)
3. + 4. Stunde: je 9,60 Euro (9,50)
ab 5. Stunde: je 12,70 (12,50)
*Mindestbuchung drei Stunden
Stichwort Flexibilität: Da gibt es einen Punkt, der die erste Kundin stört. „Dass ich nicht für jemanden anderen buchen und die Fahrt quasi übertragen kann“, sagt Gerstner. Wobei sie gleichzeitig versteht, dass es wohl aus Versicherungsgründen schwierig ist.
Finanziell kommt Tim dem Ziel der „schwarzen Null“ näher. 2023 war man da „schon sehr nahe“, hieß es damals seitens der Holding. Die preislichen Verwerfungen am Energiemarkt haben aber auch bei Tim Spuren hinterlassen. 2024 war es noch ein Abgang von 300.000 Euro, 2025 konnte man sich auf 220.000 Euro verbessern.
