Zum Semesterstart: Wie viel Studentenstadt steckt in Villach?
Seen und Sport statt langer Partynächte: Zum Semesterstart erzählen Studierende, warum sie Villach gewählt haben. Was fehlt sind alltägliche Angebote.

Graz war eigentlich ihre erste Wahl. Dort hätte Maya Leitner auch einen Studienplatz bekommen. Dass die 21-jährige Steirerin heute im fünften Semester Internationales Management in Villach studiert, liegt am Aufnahmegespräch an der Hochschule: Sie fühlte sich auf Anhieb wohl. Dass Villach keine typische Studentenstadt ist, war ihr damals schon bewusst. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht. Leitner schätzt die Ruhe, die sportlichen Freizeitmöglichkeiten und dass sie sich auf ihr Studium konzentrieren kann. Doch wie erleben andere Studierende die Stadt? Zum Semesterstart erzählen sie von Lieblingslokalen, Ausflügen über die Grenze und einem Alltag, in dem doch manches fehlt.
Villach ist keine klassische Studentenstadt.
— Maya Leitner

Partynächte in Klagenfurt
Im Sommer geht es an die Seen, zwischendurch nach Italien oder Slowenien. Catalina Rosu (21) und Myroslava Myronenko (18), die im fünften Semester Digital Marketing & Sales studieren, sind in ihrer Freizeit viel unterwegs. In Villach treffen sie Freunde oder gehen ins Pub McMullens, wo ihnen das internationale Publikum gefällt. Für eine Partynacht fahren sie allerdings eher nach Klagenfurt: „Villach hat sich in den vergangenen Jahren zwar weiterentwickelt, ist auf die vielen internationalen Studierenden aber noch nicht vorbereitet“, sagen die beiden. Wie pulsierend die Stadt sein kann, erleben sie beim Kirchtag: „Dann lebt die Stadt.“ Dieses Gefühl hätten sie gerne öfter – auch wenn ÖH und Hochschule mit Veranstaltungen und Studierendenpartys bereits einiges auf die Beine stellen.
Großes Freizeitangebot
Für Florian Wall war das Freizeitangebot ein entscheidender Grund, nach Villach zu kommen. Der 24-jährige Oberösterreicher studiert Systems Engineering im dritten Semester. Natur und Sportmöglichkeiten gaben bei seiner Wahl den Ausschlag. An der Stadt gefallen ihm die schöne, saubere Innenstadt und ein Detail, das ihm beim Laufen auffällt: „Dass es an jeder Ecke Trinkbrunnen gibt.“ Das kenne er aus Oberösterreich nicht, erzählt er lachend. Abends geht auch Wall gerne ins McMullens, etwa zu den von der ÖH organisierten Pub-Quiz- und Karaokeabenden.
Sein Studienkollege, ein 23-jähriger Villacher im fünften Semester, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat sich vor allem wegen des guten Rufes der Hochschule für ein Studium in seiner Heimatstadt entschieden. Besonders schätzt er die Unterstützung durch die Lehrenden. Beim Ausgehen sind sich die beiden einig: Das große Nachtleben bietet Villach nicht.
Was am Campus fehlt
Dass die Villacher Studierenden nicht unbedingt auf ausgedehnte Partynächte aus sind, betont Florentina Müller. Die 25-Jährige ist Vorsitzende der Hochschulvertretung in Villach und seit September auch für ganz Kärnten. Ein Großteil der rund 1800 Studierenden am Villacher Standort studiere berufsbegleitend, fürs Ausgehen bleibe da ohnehin wenig Zeit.
Wer in Villach studiert, kommt zum Studieren, nicht zum Feiern.
— Florentina Müller, ÖH-Vorsitzende
Was Villach als Studienort jedoch noch brauche, zeige sich für Müller vielmehr im Alltag: Gerade Vollzeitstudierenden, die am Campus wohnen, fehle es an grundlegenden Angeboten. In St. Magdalen brauche es eine Einkaufsmöglichkeit und einen Treffpunkt außerhalb der Hochschule, etwa ein Café. Dazu wünsche sie sich einen „richtigen Mensabetrieb“, auch um von günstigen Essensangeboten profitieren zu können. Mehr Studierendenwohnheime in der Innenstadt könnten aus Müllers Sicht dazu beitragen, das studentische Leben stärker in die Stadt zu holen. Dass sich in diese Richtung etwas bewege, begrüßt sie.
Bei der Frage nach Villach als Studentenstadt müsse man aber auch den Hochschulstandort insgesamt betrachten: Die Nähe zu Industrie und Forschungsinstituten ermögliche wertvolle Einblicke und zugleich verändere sich der Studienalltag: „Vollzeit zu studieren können sich jetzt schon viele nicht mehr leisten“, so Müller und: „Wer in Villach studiert, kommt zum Studieren, nicht zum Feiern.“ Ganz verzichten wollen manche darauf trotzdem nicht. Für eine richtige Partynacht, sagen die Studierenden, geht es dann eben mit der Koralmbahn nach Graz.