Marco Kasper: „Vielleicht sollte ich diese Unbekümmertheit wieder mehr leben“
Klagenfurts NHL-Star Marco Kasper (22) spricht vor dem Auftakt mit Detroit in der Nacht auf Samstag über Lernprozesse, Verantwortung, Verkopftsein, seinen Spielstil und mit wem er gerne einmal einen Tag tauschen würde.

Was ist nach dem Sommer anders als vor einem Jahr?
MARCO KASPER: Um ehrlich zu sein, gar nicht so viel. Ich komme eigentlich immer mit einer gewissen Spannung ins Camp zurück, ein bisschen Aufregung ist aber anfangs nach wie vor dabei. Mir geht’s aktuell richtig gut, ich bin gesund und körperlich fit. Wir haben in den letzten Wochen sehr hart und intensiv trainiert und sind definitiv alle bereit, dass es endlich wieder losgeht. Ich weiß, dass ich im Sommer sehr gut gearbeitet und alles darangesetzt habe, um optimal vorbereitet zu sein. Mir ist auch bewusst, dass es immer mal Höhen und Tiefen gibt. So habe ich mir die letzte Saison auch anders vorgestellt. Das zeigt mir aber, permanent weiterzuarbeiten, nur so kann ich mich stetig verbessern – und zwar mental, eishockeymäßig, aber eben auch menschlich. Ich bin gereift und habe gelernt, mehr auf mich selbst zu hören. Ich sammle gerne jeden Tag neue Erfahrungen, denn nur so kann ich mich entwickeln.
Sie haben kürzlich erzählt, dass Sie heuer versuchen, gewisse Stimmen im Kopf etwas auszublenden. Was hat dieser Prozess bei Ihnen persönlich verändert?
Man wird als Junger irgendwie von vielen Seiten mit Stimmen überhäuft. Gerade dann fängt man an, viel darüber nachzudenken. Am Ende ist es wichtig, sich die Dinge herauszupicken, die für einen selbst sinnvoll sind, und nicht ständig über irgendwelche Aussagen zu grübeln. Dieses Verkopftsein tut einem nicht gut. Welcher Weg der richtige ist, muss ich aber für mich selbst herausfinden. Ich muss fokussiert bleiben und darauf achten, was mir guttut, was ich brauche und was ich auch wirklich will.
Apropos wollen. Was muss sich generell als Mannschaft verändern, damit Sie die letzten Spiele diesmal nicht wieder von außen verfolgen müssen?
Wichtig ist einmal ein guter Auftakt, allein schon fürs Selbstvertrauen. Danach wird es darauf ankommen, die Leistung über die gesamte Saison hinweg konstant abzurufen. Das Schlimmste wäre, in ein Tief zu fallen und mehrere Spiele hintereinander zu verlieren, denn dann können uns am Ende wichtige Punkte fehlen. Positivität ist dabei ebenfalls ein ganz wichtiger Faktor.
Wie viel Verantwortung spüren Sie mittlerweile innerhalb der relativ jungen Red-Wings-Gruppe?
Ich glaube, dass weder ich persönlich noch das ganze Team Druck verspüren muss. Wir sind zwar jung, aber es ist ein guter Mix aus erfahrenen und jungen Spielern. Wir müssen einfach aufs Eis gehen und unser Bestes geben. Das eine oder andere heiklere Thema gibt es in der Off-Season schon einmal, aber am Ende kommt es auf uns als Kollektiv an, und das funktioniert nur gemeinsam. Ins sogenannte „Game-Shape“ zu kommen ist total wichtig. Wir haben uns als Team aber zuletzt gut zusammengefunden und systemmäßig ein paar Dinge ausprobiert.
Was haben Sie mit 22 verstanden, was der 16-Jährige Marco damals nicht verstanden hat?
Gute Frage! So lange ist es noch nicht her, dass ich 16 war (lacht). Ich glaube, dass dieses permanente Dazulernen – egal ob im Sport oder generell im Leben – einen enorm prägt. Vor ein paar Jahren war ich viel unbekümmerter und habe mir über gewisse Dinge überhaupt keine Gedanken gemacht. Vielleicht sollte ich genau diese Unbekümmertheit wieder mehr leben – und einfach auf die Eisfläche gehen und spielen.

Wie würden Sie Ihren eigenen Spielstil jemandem beschreiben, der Sie noch nie spielen gesehen hat?
Ich würde mich als ziemlich guten Eisläufer bezeichnen und als jemanden, der kompetitiv und eher extrovertiert ist. Ich versuche, in jedem Wechsel wirklich alles zu geben, bin ein absoluter Teamplayer und möchte der Mannschaft mit Punkten, aber auch mit Defensivarbeit oder gewonnenen Battles helfen.
Was vermissen Sie aus Österreich am meisten, wenn Sie in Detroit sind?
Familie und Freunde, aber auch die Landschaft und die Berge in Kärnten haben es mir angetan. Aber auch in den USA kann ich mich mittlerweile nicht beklagen.
Wenn Sie einen Tag lang kein Eishockeyspieler sein müssten – mit welcher Person würden Sie gerne tauschen?
Roger Federer! Es wäre nämlich richtig cool, wenn ich genauso Tennis spielen könnte wie er (lacht). Er ist für mich einer der größten Athleten aller Zeiten und ein echter Gentleman. Leider bin ich ihm persönlich noch nicht begegnet.
Wer würde aus deinem Team bei „Wer wird Millionär?“ am schnellsten rausfliegen?
Puh, das ist eine Frage, bei der ich einen Teamkollegen ein bisschen ans Messer liefern müsste. Aber so bin ich nicht, da passe ich jetzt lieber (lacht).
Ein Jahr ohne Handy oder ein Jahr ohne Eishockey?
Handy, ganz klar! Als Junger hatte ich auch keines und habe aber längst Eishockey gespielt.