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Bundesheer sah Morgenstern-Heli, doch Abfangjäger blieben unten

Viele offene Fragen zum Hubschrauber-Diebstahl in Mauterndorf. Das Bundesheer hat den Hubschrauber trotz ausgeschaltetem Transponder mehrfach erfasst.

Eurofighter am Himmel
© KLZ / Peter Haslebner
Warum reagierte das Bundesheer nicht auf den Hubschrauber? Generalmajor Promberger hat dafür einfache Erklärungen
Lukas Moser
Kärnten Ressort

Der Hubschrauber war weg, der Transponder ausgeschaltet, die Spur führte offenbar Richtung Süden. Nach dem spektakulären Diebstahl der auch von Ex-Skisprungstar Thomas Morgenstern genutzten Robinson R44 am Flugplatz Mauterndorf stellten sich viele vor allem eine Frage: Wie kann ein gestohlener Hubschrauber durch Österreich fliegen, ohne dass jemand eingreift?

Nun liefert das Bundesheer einen entscheidenden Teil der Antwort. „Wir haben ihn erfasst“, sagt Generalmajor Gerfried Promberger, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte, auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Nach seinen Angaben wurde die Maschine sogar mehrfach registriert. Wo und wann genau, sagt er mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Hubschrauber wurde gesehen

Damit ist klar: Für die militärische Luftraumüberwachung war der Hubschrauber nicht unsichtbar. Auch ein ausgeschalteter Transponder verhindert nicht, dass das Bundesheer ein Luftfahrzeug erkennt. „Wir haben ein Primärradarsystem“, erklärt Promberger. Dafür brauche es kein „kooperatives Verhalten“ des Luftfahrzeugs, also auch keinen eingeschalteten Transponder.

Genau dieser Punkt hatte nach dem Diebstahl für Verwunderung gesorgt. Eigentümer Manuel Aster hatte sich gefragt, wie ein Hubschrauber offenbar über weite Strecken fliegen könne, ohne dass die Luftraumüberwachung eingreife.

Keine Freigabe notwendig

Doch eine Radarerfassung bedeutet noch keinen automatischen militärischen Einsatz. Entscheidend ist unter anderem, in welchem konkreten Luftraum sich ein Luftfahrzeug bewegt und ob von ihm eine Gefahr ausgeht. Mauterndorf liegt laut Promberger in einem nicht kontrollierten Luftraum. Dort brauche ein ziviles Luftfahrzeug grundsätzlich keine Freigabe, wie das etwa beim Einflug in eine Kontrollzone rund um größere Flughäfen oder militärisch sensible Zonen der Fall wäre.

Für die zivile Flugsicherung ist grundsätzlich die Austro Control zuständig. Das Bundesheer wird dann aktiv, wenn eine entsprechende Gefahrenlage besteht, militärische Rechtsgüter betroffen sind oder die dafür vorgesehenen Mechanismen ausgelöst werden.

Und im Ernstfall?

Was im Ernstfall passiert, sei genau geregelt, läuft ein festgelegter, zeitkritischer Ablauf an. Beim Bundesheer können dann bereits Piloten und Maschinen in erhöhte Bereitschaft versetzt werden, noch bevor tatsächlich Abfangjäger starten. „Das läuft ganz genau nach Checklisten ab“, sagt Promberger. Die Bevölkerung könne sich darauf verlassen. Im konkreten Fall kam es nicht zu einem solchen Einsatz.

„Eine Radarspur allein bedeutet noch keine Bedrohung“, erklärt der Generalmajor. Und wenn die Täter etwa ein terroristisches Motiv gehabt hätten? Derlei Punkte würden genau abgewogen werden. „Was hätten sie damit mitten in der Nacht treffen wollen?“, stellt Promberger die rhetorische Frage.

Offen bleibt hingegen, welchen Weg die Maschine tatsächlich nahm. Nach bisherigen Informationen soll die Spur bis nach Kroatien geführt haben. Promberger bestätigt weder Ort noch Zeitpunkt der militärischen Erfassungen. Unklar ist damit auch, ob das Bundesheer den Hubschrauber bis zur Staatsgrenze verfolgen konnte und ob Behörden in Slowenien oder Kroatien die Maschine ebenfalls registrierten.

Ebenso offen sind die wichtigsten Ermittlungsfragen: Wer saß im Cockpit? Wo landete der Hubschrauber? Wo befindet er sich heute? Und vor allem: Was haben die Täter mit dem Hubschrauber in weiterer Folge vor?

„Vollmondphase half sicher“

Vieles deutet darauf hin, dass die Täter über entsprechende Kenntnisse verfügten. Einen Hubschrauber wie die Robinson R44 in Betrieb zu nehmen und damit in der Nacht zu fliegen, setzt Erfahrung voraus. Dass der Flug bei Nacht stattfand, könnte zusätzlich durch die damalige Mondphase erleichtert worden sein. Promberger verweist auf den Vollmond, der die Umgebung stark ausgeleuchtet habe. „Das ist durchaus entscheidend, auch das dürften die Täter berücksichtigt haben.“

Auch die Reichweite bleibt ungeklärt. Wie berichtet, wurde vor dem Diebstahl eine ungewöhnlich große Menge Treibstoff entnommen. Ob zusätzliche Kanister oder ein Zusatztank verwendet wurden, ist weiterhin offen.