Morgensterns Heli gestohlen: 365 Liter, Blindflug und viele Fragen
Nach dem Diebstahl des von Thomas Morgenstern genutzten Helikopters erzählt Eigentümer Manuel Aster, wie die Täter wohl vorgingen – und was ihn stutzig macht.
In der Nacht auf Montag wurde am Flugplatz Mauterndorf im Salzburger Lungau ein Hubschrauber des Modells Robinson R44 gestohlen, der von Thomas Morgensterns Unternehmen genutzt wird. Eigentümer ist der Wagrainer Unternehmer Manuel Aster.
Als ihn mitten in der Nacht die Polizei anruft, glaubt er zunächst an einen Scherz: „Ich habe gedacht, die wollen mit mir versteckte Kamera machen.“ Doch es war kein Scherz, sondern bittere Realität – mit vielen offenen Fragen und Kuriositäten.
Rätsel um 365 Liter Treibstoff
Gestartet soll die Maschine um kurz vor 2 Uhr nachts sein, die Spur soll bis nach Kroatien führen. Der Betriebsleiter des Flugplatzes habe die Startgeräusche gehört, erzählt Aster. „Er hat zufällig dort geschlafen. Zunächst hat er geglaubt, zu träumen.“ Doch die Geräusche ließen ihm keine Ruhe. Er öffnete das Fenster, hörte den laufenden Hubschrauber, zog sich an und eilte hinaus – doch es war zu spät, die Maschine war bereits weg.
Dabei sollen sich die Täter zuvor längere Zeit am Gelände aufgehalten haben. Nach Angaben Asters brachen sie auch die Tankanlage auf und entnahmen dort 365 Liter Treibstoff. „Im Helikopter haben aber nur 170 Liter Platz“, sagt er. Wohin ist also der Rest verschwunden? Aster vermutet zusätzliche Behälter oder einen Zusatztank. „Wir wissen es aber de facto noch nicht. Es ist eines von vielen Rätseln, vor denen wir jetzt stehen.“
Täter räumten sogar noch auf
Besonders verblüfft ihn, dass die Unbekannten offenbar noch aufräumten: Den Tankschlauch hätten sie wieder aufgerollt, die Transportplattform des Hubschraubers zurückgebracht und die Türen geschlossen. Auch Geräte seien aus der Maschine ausgebaut worden, darunter der Notsender. Für Aster spricht das für Täter mit technischen Kenntnissen: „Da muss zumindest auch ein Mechaniker dabei gewesen sein“, meint er. Gestartet wurde der Hubschrauber wohl, nachdem er kurzgeschlossen wurde. Eineinhalb bis zwei Stunden könnten sie seiner Einschätzung nach am Flugplatz verbracht haben.
Für Aster steht fest, dass ein Profi am Steuer gesessen haben müsse. Vor allem der nächtliche Abflug lässt ihn darauf schließen: „Nicht einmal ich selber als erfahrener Pilot würde dort um 2 Uhr in der Früh wegstarten.“ Die Maschine sei für solche Nachtflüge nicht ausgerüstet, sagt er.
Erst am Sonntagabend sei der Hubschrauber aus Kärnten zurückgekehrt. Der Pilot habe die Maschine noch geputzt und die vorgeschriebenen Aufzeichnungen erledigt, bevor er den Hangar verließ. Wenige Stunden später wurde sie gestohlen.
„Was soll man damit machen wollen?“
Wie viel Können braucht es für einen solchen Diebstahl? Ein Kärntner Luftfahrtexperte, der anonym bleiben möchte, erklärt: Für jemanden, der mit dem Hubschrauber umgehen könne, seien das Starten und Wegfliegen grundsätzlich keine große Herausforderung. Weitaus schwieriger erscheint ihm die weitere Verwendung. Ein regulärer Verkauf in Europa sei angesichts der Registrierung und Identifizierbarkeit der Maschine kaum vorstellbar. „Was soll die Täter damit machen wollen?“
Management hält sich bedeckt
„Der Helikopter war im versperrten Hangar“, heißt es auf Anfrage vonseiten des Managements von Thomas Morgenstern. Der Kärntner sei vom Flugplatz informiert worden. Zu den meisten weiteren Fragen verweist das Management auf die Ermittlungen. Mit einem Standardtank seien bei diesem Typ rund zweieinhalb Stunden Flugzeit möglich. Über die tatsächlichen Umstände und einen möglichen Zusatztank wisse man jedoch nicht Bescheid.
Ein unbemerkter Hubschrauber ins Ausland?
Aster beschäftigt vor allem die mutmaßliche Flucht ins Ausland. „Für was haben wir eine Luftraumüberwachung?“, fragt er. Welche Flugbewegungen die Behörden tatsächlich erfasst haben, weiß er allerdings selbst nicht.
Der Experte erklärt dazu einen wesentlichen Unterschied: Das Sekundärradar ist auf Antworten des Transponders im Luftfahrzeug angewiesen. Das Primärradar kann ein Flugobjekt auch ohne diese Signale erfassen. Damit ist aber nicht automatisch geklärt, um welche Maschine es sich handelt. „Das Bundesheer ist in die Ermittlungen zumindest involviert“, erklärt der Besitzer. Die Kleine Zeitung hat dahingehend beim Verteidigungsministerium um Antworten gebeten.
Erheblicher finanzieller Schaden
Für Aster droht neben der Ungewissheit ein „erheblicher finanzieller Schaden“. Die Maschine sei versichert – es werde aber wohl nur der Zeitwert ersetzt. Er befürchtet, dass die Entschädigung nicht einmal die offene Finanzierung decken könnte. Vorerst bleibt ihm das Warten: „Wir wissen einfach nicht, wo sich diese Maschine befindet. Wir hoffen, dass der Fall möglichst bald gelöst werden kann.“