3,5-Tonnen-Felsblock als neuer Altar für obersteirisches Kirchenjuwel
Seit 560 Jahren thront die Kirche St. Martha auf einem Hügel in St. Marein-Feistritz. Jetzt wurde das gotische Kleinod mit viel Hilfe aus der Bevölkerung renoviert.
Gebaut wurde sie, da war Kolumbus noch nicht nach Amerika aufgebrochen. Seit 1466 thront die Kirche St. Martha malerisch auf einem Hügel im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde St. Marein-Feistritz (Bezirk Murtal).
Um diese Zeit raffte die Pest in dieser Gegend hunderte Menschen dahin, und im damaligen Chorherrenstift Seckau wurde der Überlieferung zufolge ein Gelübde mit dem sinngemäßen Inhalt abgelegt: Wenn die Pestwelle vorbei ist, errichten wir hier eine Kirche.
Genau 560 Jahre später ist das Gebäude in einem Zustand, der die Erbauer von einst wohl staunen ließe. Grund ist eine bemerkenswerte Initiative mit Beteiligung vieler Bewohner. „Ich war positiv überrascht, wie viele Menschen bei der Renovierung dieser Filialkirche Hand angelegt haben, obwohl hier nur fünf Gottesdienste pro Jahr stattfinden“, sagt Pater Othmar Stary.
Viel Erfahrung
Der Benediktinermönch aus Seckau ist 88 Jahre alt und seit 1990 Pfarrer in St. Marein-Feistritz. „Als vor fünf Jahren das Thema Renovierung aufgetaucht ist, habe ich geglaubt, ich bin nicht mehr fähig, das alles in die Wege zu leiten.“ Aber beim Denkmalamt und in der Diözese Graz-Seckau wollte man auf die Erfahrung des Geistlichen nicht verzichten, denn Pater Othmar hatte mit den Kirchen St. Marein und Feistritz bereits zwei große Renovierungsprojekte geleitet.
Hier Einblicke in die renovierte Kirche:
Es gab viel Diskussionsbedarf mit den Denkmalschützern, etwa rund um die Kirchenbänke. Die Experten wollten die alten Bänke unbedingt in der Kirche lassen: „Aber es war der Holzwurm drin, und ich habe öfter Rückmeldungen von Kirchenbesuchern gehört, dass die Bänke zu eng seien“, so Pater Othmar Stary.
Überzeugungsarbeit
Nach hartnäckiger Überzeugungsarbeit gab es grünes Licht für neue Bänke. Freilich waren sie nicht im ursprünglichen Budget von nur 90.000 Euro enthalten. Da kamen die Freiwilligen ins Spiel. Josef Reibenbacher als Mitglied des Wirtschaftsrates hatte die entscheidende Idee: „Wie wäre es, wenn wir umliegende Waldbesitzer um Holzspenden bitten und ich selbst bei der Fertigung der Bänke mithelfe?“ Gesagt, getan. Bald fanden sich elf Forstbesitzer, die das Lärchenholz zur Verfügung stellten. Nach der Trocknung wurde es unter tatkräftiger und unentgeltlicher Mithilfe von Josef Reibenbacher in der örtlichen Tischlerei weiterverarbeitet. So kam man mit nur 15.000 Euro für die gesamten Bänke aus.
Bilder von den Renovierungsarbeiten:
Der bisherige Volksaltar wurde vor Jahrzehnten einfach dem Hochaltar entnommen und im Zuge der Renovierung wieder in diesen zurückgeführt. Damit war ein neuer Volksaltar notwendig, und hier hatte Pater Othmar eine ungewöhnliche Idee: „Ich wollte, dass er aus einem Stück ist und aus dem nahegelegenen Steinbruch in Preg gesprengt wird.“
Felsblock gespendet
Der Steinbruchbetreiber sagte sofort zu und spendete einen 3,5 Tonnen schweren Felsblock, der nahezu unbearbeitet blieb. Nur eine glatte Tischfläche musste her; diese Arbeit besorgte ein Steinmetz in Murau. Um den Altar in die Kirche zu bringen, war wieder eine Freiwilligenschar gefragt: „Mit einigen Tricks haben wir es durch die Tür geschafft, es war so knapp“, deutet Josef Reibenbacher mit Daumen und Zeigefinger einige Zentimeter an.
Erfahrener Restaurator
Feinere Arbeiten waren beim Gewölbe über dem Altarraum gefragt. Hier brachte der im Murtal lebende Restaurator Claudio Bizzarri mit weiteren Fachkräften seinen reichen Erfahrungsschatz ein. Pater Othmar betont, die Renovierung habe ihm erst richtig bewusst gemacht, welches Gesamtkunstwerk die Kirche ist. Und weil so ein Juwel gut geschützt gehört, wurde auch das Dach über dem Altarraum erneuert.
Förderungen und Spenden
Der Geistliche dankt den freiwilligen Helfern, den Spendern des Holzes und den Geldgebern: Das Land Steiermark steuerte über Bedarfszuweisungen 65.000 Euro bei, das Denkmalamt hat ebenso dazugezahlt und zudem selbst ein Spendenkonto eingerichtet, und nicht zuletzt die Bevölkerung hat sich mit Spenden beteiligt.
Wie viel die Renovierung am Ende gekostet hat, steht erst nach der endgültigen Abrechnung fest. Gefeiert wird der Abschluss der Kirchenrenovierung mit einem Kirchweihfest am 11. Oktober (siehe Infobox).
Kirchweihfest und Spenden
Der Abschluss der Kirchenrenovierung wird am Sonntag, 11. Oktober 2026, im Rahmen des Kirchweihfests in St. Martha gefeiert. Beginn ist um 10 Uhr mit einer Festmesse, anschließend Frühschoppen.
Wer für die Kirchenrenovierung spenden möchte, kann auf dieses Konto einzahlen (Verwendungszweck „St. Martha“): IBAN AT03 3834 6000 0400 5245