Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Musikverein: Altersweises Lächeln, unheimliches Raunen

Der Musikverein Graz eröffnete seine 212. Saison mit einer Uraufführung von Friedrich Cerha.

Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder
© Borggreve
Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder
Martin Gasser
Ressortleitung Kultur und Medien

Rudolf Buchbinder ist ein Haudegen mit Fingerspitzengefühl, ein Künstler, der sich nicht nur mit großem künstlerischen Appetit jahrzehntelang durch jegliches Repertoire gefressen hat, sondern immer wieder auch interpretatorische Highlights setzen konnte. Das Klavierkonzert von Edvard Grieg ist keine Herausforderung für einen solchen gestandenen Pianisten, auch wenn vor allem in Kopfsatz die Genauigkeit leidet und die schnellen Läufe fast schon ins Ungefähre abdriften. Buchbinder zeigt aber seine Qualitäten, wenn er geradezu nach Belieben einzelnen Phrasen und Melodien Herz und Seele verleiht. Und das ist dennoch mehr als eine Abfolge schöner Stellen, weil in eine souveräne Gesamtgestaltung eingebettet.

Die Dirigentin Anna Rakitina und die Grazer Philharmoniker rahmten Buchbinders norwegische Erzählung zur Saisoneröffnung im Stefaniensaal mit zwei Orchesterknallern ein. Die posthume Uraufführung (!) von Friedrich Cerhas „Vorspiel zu einer Komödie“ aus dem Jahr 2014 war natürlich eine kleine Sensation. Der Komponist, damals bereits 88 Jahre alt, hat in dieser Spätestphase fast schon zum Neoklassizismus zurückgefunden. Eine zehnminütige Commedia dell‘Arte-Schönheit mit leisem und lautem Humor. Musik von einem, der alle Schlachten schon geschlagen hat (und sie auch gewonnen hat) und sich ein altersweises Lächeln gönnen darf.

Davon war, 118 Jahre davor, Richard Strauss weit entfernt. „Also sprach Zarathustra“ gehört noch zu seiner Sturm-und-Drang-Phase, aber man muss sagen, dass diese Musik, zumal in der formidablen Wiedergabe von Rakitina und den Grazern, hinter ihren Äußerlichkeiten und ihrer virtuosen Faktur tief blicken lässt. Nicht nur das unheimliche Raunen in „Von der Wissenschaft“ brennt sich solcherart ins Gedächtnis.