Herzstillstand: Ist Kratom-Tee in der Steiermark ein Problem?
Ein 22-Jähriger musste wiederbelebt werden, nachdem er durch Kratom-Tee einen Herzstillstand erlitten hatte. In der Steiermark ist das Pulver ein Randphänomen.

Vier Minuten Herzmassage und eine Adrenalininjektion waren notwendig, um einen 22-Jährigen in Tirol ins Leben zurückzuholen, nachdem er durch den Verzehr von sogenanntem Kratom-Tee einen Herzstillstand erlitten hatte – es ist der erste bekannte Fall in Österreich. Dem jungen Mann musste im Krankenhaus schlussendlich ein Herzschrittmacher eingesetzt werden, nachdem sein Herz immer wieder lediglich 25 bis 30 Mal in der Minute schlug. Nach zwei Wochen konnte der Mann ohne Folgeschäden das Krankenhaus verlassen, wie der ORF Tirol berichtet.
Das Pulver für den Tee wird aus den Blättern eines südostasiatischen Tropenbaums, dem Mitragyna speciosa, gewonnen, in Thailand und Indonesien wird es vor allem von Feldarbeitern zur Steigerung der Ausdauer konsumiert. In der Steiermark ist Kratom-Tee als aufputschendes Mittel oder Droge noch weitgehend unbekannt, wie Stefan Pree von der Lebensweltnahen Präventionsarbeit, der Suchtprävention für Jugendliche der Caritas Steiermark, sagt. „Ab und an haben Jugendliche den Tee in Gesprächen bereits erwähnt, aber es ist im Moment eher ein Randphänomen“, sagt er.
Kratom blockiert Kanäle im Herz
In Österreich ist Kratom nicht im Suchtmittelgesetz verankert, weshalb der Konsum und Besitz grundsätzlich nicht strafbar ist. In Wien kann der Tee, wie die Presse berichtet, auch in Grow-Shops und an Automaten erworben werden. Gefährlich, wie Alexandra Fuchsbichler, Präsidentin der Steirischen Apothekerkammer, sagt. „Der Tee wird nicht im medizinischen Kontext verwendet, hat aber eine starke Wirkung auf den Körper“, erklärt sie. Kratom wirkt auf die Opioid-Rezeptoren und hat eine Halbwertszeit von sieben bis 24 Stunden. „Die Blätter enthalten psychoaktive Alkaloide, sie wirken cardiotoxisch und blockieren in weiterer Folge die Kaliumkanäle im Herzen.“
Probleme können vor allem bei Mischreaktionen entstehen, wenn unter anderem zusätzlich Antidepressiva eingenommen werden. „Das führt dazu, dass Leberenzyme blockiert und der Stoff langsamer abgebaut wird – dadurch kann es in weiterer Folge zum Herzstillstand kommen.“ Während niedrige Dosen des Pulvers stimulierend und antriebssteigernd wirken sollen, haben höhere Dosen eine sedierende Wirkung. „Der Stoff hat extrem hohes Abhängigkeitspotenzial.“
Die Fehlannahme, dass einem nichts passieren kann, weil es ja keine ,Droge‘ im herkömmlichen Sinn ist, hält sich hartnäckig.
— Stefan Pree, Lebensweltnahe PräventionsArbeit
Umso wichtiger sei laut Pree die Präventionsarbeit mit Jugendlichen. „Diese Sehnsucht nach einem ,natürlichen Rausch‘ aus legalen Stoffen sehe ich schon seit Beginn meines Berufslebens. Diese Fehlannahme, dass einem nichts passieren kann, weil es ja keine ,Droge‘ im herkömmlichen Sinn ist, hält sich hartnäckig.“ Aus diesem Grund sei Bewusstseinsförderung ebenfalls relevant, betont Pree. „Auch, weil diese Stoffe bei jeder Person wie alles ein bisschen anders wirken.“ Dass Kratom in steirischen Automaten verfügbar ist, sei ihm nicht bekannt. Auch im Amt für Jugend und Familie und dem Referat für Strafen und Vollstreckungen seien noch keine Probleme mit dem Teepulver aufgetaucht.