Alkoholfreies Feiern: Ist der Trend auch in Villach angekommen?
Auch in Villacher Bars stehen immer öfer alkoholfreie Getränke auf der Karte. Doch wie weit verbreitet ist der Trend in Villach wirklich?

Der Villacher Kirchtag als Schauplatz für eine Dokumentation über das Feiern ohne Alkohol klingt ungewöhnlich. Für die ORF-Reihe „Dok 1“ ging Hanno Settele in der jüngsten Folge mit dem Titel „Ausgetrunken – Abschied vom Alkohol“ der Frage nach, wie selbstverständlich Alkohol für Jugendliche heute noch zum Fortgehen gehört. Der Tenor: Eine Generation, für die Gesundheit, Körperbewusstsein und psychisches Wohlbefinden wichtiger geworden sind, entdeckt das nüchterne Feiern. Doch ist dieser Wandel auch im Villacher Nachtleben angekommen?
Wer jene fragt, die Abend für Abend hinter der Bar stehen, bekommt darauf keine einfache Antwort. Gitta und Peter Dullnig, die seit 23 Jahren die Luna Bar betreiben und bald in den Ruhestand gehen, schilderten in der Dokumentation ein deutlich verändertes Ausgehverhalten. Jugendliche würden nicht mehr regelmäßig fortgehen, sondern oft nur noch einmal im Monat. Nach der Pandemie habe sich vieles verändert. „Lustig sein ist teuer“, sagte Gitta Dullnig in der Sendung. Der Alkoholkonsum sei gesunken.
Bars schließen in Villach früher
Ähnliche Beobachtungen macht Martin Pohl vom Stern am Hans-Gasser-Platz. Dort gibt es inzwischen eine eigene Karte für alkoholfreie Varianten vieler Cocktails. Gin-Tonic, Cuba Libre oder Gin Basil Smash gibt es ohne Alkohol. „Es ist ein starker Trend, aber Villach hinkt noch ein bisschen nach“, sagt Pohl. Vor allem klassische Spirituosen wie Whisky, Wodka oder Bacardi hätten stark an Bedeutung verloren.
Verändert hat sich für ihn aber nicht nur, was getrunken wird, sondern auch wann. Afterwork und Treffen am Nachmittag oder frühen Abend gewinnen an Bedeutung, lange Nächte dagegen verlieren. Sperrstunde ist mittlerweile um 22 Uhr. Mit viel Alkohol gefeiert werde stärker anlassbezogen, etwa beim Kirchtag.
Auch Hasan Keceli, Geschäftsführer der Le Bar, reagiert auf eine neue Nachfrage. Das Angebot an alkoholfreien Cocktails wurde um Gin, Rum und Amaretto ohne Alkohol erweitert. Vor allem jüngere Gäste greifen dazu. „Die jungen Leute konsumieren definitiv weniger Alkohol“, sagt Keceli. Gleichzeitig spiele die Inszenierung eines Getränks eine größere Rolle. „Wenn ich einen Cocktail bringe, greifen sie zu den Handys.“ Das Getränk soll elegant aussehen und in sozialen Medien funktionieren. Alkohol ist dafür nicht zwingend notwendig.
Weniger Alkohol heißt nicht gleich weniger Suchtpotenzial
So erfreulich diese Entwicklung zunächst klingt, die Zahlen zeichnen ein widersprüchliches Bild. Die europäische ESPAD-Schülerbefragung 2024 zeigt langfristig einen Rückgang beim Alkoholkonsum Jugendlicher. Gleichzeitig gehört Österreich beim riskanten Konsum weiterhin zur europäischen Spitze. 48 Prozent der befragten 15- bis 16-Jährigen in Österreich gaben an, in den vergangenen 30 Tagen zumindest einmal fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit konsumiert zu haben. 24 Prozent waren nach eigenen Angaben zumindest einmal betrunken.
Für Michaela Leopold, Suchtexpertin und ärztliche Leiterin des Krankenhauses de La Tour in Treffen, ist deshalb entscheidend, zwei Entwicklungen auseinanderzuhalten. Dass mehr Jugendliche ganz auf Alkohol verzichten, lasse sich tatsächlich beobachten. „Das heißt aber nicht, dass die Suchtgefährdung weniger geworden ist“, sagt Leopold. Riskante Konsummuster und exzessives Trinken seien weiterhin ein großes Problem. Auffällig sei zudem, dass Mädchen mittlerweile ähnlich häufig Alkohol konsumieren wie Burschen.

„Der reine Alkoholiker wird immer seltener“
Gleichzeitig verändert sich das Bild jener Menschen, die wegen einer Suchterkrankung behandelt werden. Leopold berichtet von zunehmend jüngeren Patienten und davon, dass Alkohol immer häufiger nur eine von mehreren konsumierten Substanzen ist. Cannabis und vor allem Kokain spielen dabei eine Rolle. „Der reine Alkoholiker wird immer seltener“, sagt Leopold. Das Suchtproblem verschwinde also nicht, sondern könne sich auf andere Substanzen und Mischkonsum verlagern.
Auch bei alkoholfreien Alternativen setzt Leopold eine wichtige Einschränkung. Für trockene Alkoholabhängige kann der Geschmack, Geruch und Aussehen ein Trigger sein.