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Christoph Brandner: „Man merkt mir an, wenn mit mir nicht mehr zu spielen ist“

KAC-Co-Trainer Christoph Brandner (51) spricht nach dem starken Ligastart (5 Siege, 29 Tore) über Spirit, Ansichten, Fehler und seine Zündschnur. Am Mittwoch wartet daheim Mailand.

KAC-Co-Trainer Christoph Brandner
© GEPA
KAC-Co-Trainer Christoph Brandner
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Die Rotjacken sind sehr stark in die Saison gestartet. Was macht die Mannschaft aktuell besonders stabil beziehungsweise erfolgreich?

CHRISTOPH BRANDNER: Es spielen, wie meistens, mehrere Faktoren eine Rolle. Wie wir aktuell system- und taktikmäßig aufgestellt sind, ist das Ergebnis der Arbeit der vergangenen Jahre, vor allem der letzten zwei. Das ist eine gute Ausgangsposition. Die Jungs wissen genau, wo sie gerade stehen und was sie tun müssen. Die Intensität ist seit der Vorbereitung noch einmal deutlich gestiegen, und zwischendurch bekommen wir etwas Mithilfe der Gegner. Die vielen kleinen Bausteine ergeben derzeit ein ziemlich gutes Gesamtbild. Gleichzeitig wissen wir aber, dass wir weiterhin so hart und intensiv arbeiten müssen – auch im Off-Ice-Bereich. Und natürlich sind wir keineswegs blauäugig und glauben, dass es so weitergehen wird. Aber so ein Start hilft uns definitiv in unserer Arbeit. Der Spaß kommt auch nicht zu kurz, die Stimmung ist richtig gut.

Spürt man innerhalb der Mannschaft nach so einem Start einen anderen Spirit oder ist es wichtig, bewusst auf die Euphoriebremse zu steigen?

Die Jungs haben diesbezüglich eine sehr gute Selbsteinschätzung. Sie wissen, dass die Spiele bisher gut waren, aber trotzdem noch Luft nach oben ist. Es gibt Phasen, in denen wir das Momentum verlieren und es nicht so läuft, aber derzeit wirkt das Ganze sehr stabil.

Kritisieren auf hohem Niveau?

Ja, wobei ich es gar nicht als Kritik bezeichnen würde. Es gibt ein paar Dinge, die wir im Video aufzeigen und bei denen wir Probleme haben oder bekommen könnten. Es ist nichts Großes, aber man sieht in den Spielen, dass es immer wieder auf und ab geht. Das sind allerdings Grundtendenzen, die man bei vielen Teams beobachten kann. Dazu kommen momentan Verletzungen und Krankheiten, mit denen die gesamte Liga zu kämpfen hat. Es ist ein tägliches Management, um am Ende auf einem optimalen Niveau arbeiten zu können.

Und man geht mit den Ausfällen bis dato sehr gut um?

Wir haben im Sommer noch mehr auf Prävention und Regeneration geachtet, um unnötige Dinge, die entstehen könnten, besser abfedern zu können. Aber wenn die Belastung hoch ist oder wir einen knackigen Spielplan haben, reicht oft leider schon wenig, damit jemand krank wird oder es irgendwo zwickt. Das sind aber auch Dinge, mit denen wir rechnen müssen.

Sie kennen Chef-Coach Kirk Furey lange. Wie sehr hilft es im Trainerteam, wenn man die Persönlichkeit des anderen bereits kennt?

Das ist schon etwas, das uns die Arbeit derzeit erleichtert. Wir haben klar abgeklärt, wer welche Verantwortung und Aufgaben hat. Kirk ist aber generell offen, und das macht es auch für mich leichter, meine Inputs einzubringen. Wir diskutieren offen und haben eine ideale Basis und ein gutes Fundament, auf das wir aufbauen können. Nur eines ist klar: Wenn es gut läuft, dann ist vieles gut. Wir als Coaches arbeiten auch immer weiter an uns selbst.

Gibt es Dinge, bei denen Sie völlig unterschiedliche Ansichten haben?

Wir sind grundsätzlich völlig verschiedene Typen. Er ist sehr emotional, was wichtig ist und was ich auch echt bewundere – wenn man mit Emotionen so nach außen gehen kann. Ich bin eher der überlegte und ruhigere Typ. Das ergänzt sich in den meisten Situationen ziemlich gut.

Welchen Fehler sollte man als Coach nie machen?

Fehler ist vielleicht der falsche Begriff, denn diese macht man immer wieder. Ich glaube, man muss es schaffen, einen Schritt zurückzumachen und herauszufinden, was tatsächlich das Problem ist. Oft ist man in bestimmten Situationen gefangen. Die Zeit derzeit ist extrem impulsiv, da springt man auf gewisse Dinge schneller an und kann sich darin leicht verlieren. Deshalb schauen wir darauf, etwas Nachhaltiges zu schaffen, um eben nicht zu impulsiv durch die Saison zu gehen.

Gibt es den Augenblick, in dem Sie während eines Spiels denken: „Genau deshalb mache ich diesen Job“?

Den habe ich ständig. Anfangs war es aber schon stressig, in die neue Rolle hineinzuwachsen. Ich musste meinen Rhythmus finden, vor allem mit diesem Spielplan. Die ersten Wochen waren sehr anspruchsvoll, aber inzwischen haut’s richtig gut hin. Mir macht es extrem viel Spaß, in die Eishalle zu kommen, und mit den Jungs zu arbeiten, ist sowieso cool.

Gibt es einen Moment aus Ihrer Spielerkarriere, der Ihnen heute als Trainer besonders hilft?

Oja! Ich kann mich an eine Saison erinnern, in der wir 14 Spiele hintereinander gewonnen und danach aber elf en suite verloren haben. Ich kenne dieses Wechselbad also sehr gut. Wenn man das einmal erlebt hat, weiß man als Coach, wann wieder eine Schraube angezogen werden muss. Dasselbe gilt für Momentum-Wechsel: Da bleibe ich mittlerweile cooler und weiß genauso, was ich sagen muss.

Was ist eine Sache, die Fans über Sie vielleicht völlig falsch einschätzen?

Meinungen über andere hat man oft recht viele. Ich glaube aber nicht, dass mich wirklich viele ganz gut kennen. Vielleicht denken manche, dass ich sehr wenig sage. Das mag so wirken, aber bei mir gibt es den Punkt, an dem ich klar sage: So geht’s nicht. Ich kann Dinge auch einmal stehen lassen – der Spieler soll es selbst herausfinden. Aber ab einem gewissen Punkt geht es eben nicht mehr. Ich bin nicht der Typ, der laut herumschreit, aber man merkt mir an, wenn nicht mehr mit mir zu spielen ist. Meine Zündschnur ist allerdings lang, weil ich wissen will, warum der Spieler so reagiert. „Shit“ zu geben, geht schnell. Zwar werde ich dabei meine Emotionen los, aber so soll es nicht sein. Das ist nicht der richtige Weg und man erreicht damit auch nichts. Dann hinterfrage ich mich selbst und überlege, wie ich es ihm anders vermitteln kann.