Geburtenrückgang: „Im Grunde ist es ein staatliches Versagen“

Wer hat Schuld am Rückgang der Geburtenrate in Österreich? Und an welchen Stellschrauben müsste der Staat diesbezüglich ansetzen? Das sagen unsere Leserinnen und Leser dazu.
Die Geburtenrate geht in Österreich weiter zurück – und mit ihr offenbar auch der Wunsch nach Kindern. Gleichzeitig ist die Gesellschaft auf Nachwuchs angewiesen, um den sogenannten Generationenvertrag einzuhalten und das Pensionssystem aufrechterhalten zu können. Ebendieser Widerspruch erhöht den Druck, der vor allem auf Frauen lastet.
Im Forum der Kleinen Zeitung sorgt das Thema für eine rege Debatte. Gerade die zugespitzte Frage, inwiefern das Kinderkriegen als Pflicht gegenüber Staat bzw. der Allgemeinheit zu begreifen ist, spaltet die Kommentierenden.
„Wer soll das mal bezahlen?“
„Ich will nichts vorschreiben“, erklärt etwa „Zooropa“. Dennoch brauche Österreich ein gewisses Maß arbeitender Bevölkerung, um mit der entsprechenden Wirtschaftsleistung das gewohnte System samt sozialer Absicherung und Pension aufrechtzuerhalten. „Fakt ist: Der Staat sind wir alle und der Staat schuldet uns insofern nichts. Er kann nichts leisten, was er nicht hat.“
Für „smotron1“ steht fest: „Als man den Generationenvertrag ins Leben gerufen hat, hat man die Freiwilligkeit eigentlich aufgegeben.“ So gesehen müsste der Staat „Kinderlose mehr zur Kasse bitten“, um dieses System aufrechtzuerhalten, aber „nicht, dass ich das jetzt gut finde“.
Alle Menschen möchten einen funktionierenden Staat, soziale Absicherung, Pension und Pflege im Alter. Also Dinge, die nur eine Gesellschaft bieten kann, die nicht dauerhaft stark schrumpft.
— Zooropa
Weniger Abneigung gegen diese Idee hat „Stefan123“, der fordert: „Einkommen von Kinderlosen gehört deutlich höher versteuert und das Pensionsantrittsalter für Kinderlose deutlich erhöht.“ Denn: „Die Menschen studieren teils bis 28 und wollen mit 60 in Pension. Die Frage: Wer soll das mal bezahlen?“
Indes erachtet „Checker62“ eine Kosten-Nutzen-Rechnung bei dieser Debatte als unangebracht: „Keiner bedenkt, wie viel Freude uns Kinder bringen. Sie geben so viel zurück, das mit Geld nicht aufzuwiegen ist.“
„Österreich ist nicht besonders kinderfreundlich“
Kritik an den Rahmenbedingungen hierzulande kommt schließlich von „Irene Adler“: „Der Staat kann nicht mehr Kinder fordern und gleichzeitig so wenig dafür tun, dass ein Leben mit Kindern auch tatsächlich attraktiv und gut leistbar ist.“ Verbesserungsbedarf sieht die Leserin – wie auch viele andere – im Bereich flächendeckender Kinderbetreuung, finanzieller Absicherung für Frauen und Karrieremöglichkeiten für Mütter. Kurzum: Familien sollten generell entlastet werden.
Der Staat kann nicht mehr Kinder fordern und gleichzeitig so wenig dafür tun, dass ein Leben mit Kindern auch tatsächlich attraktiv und gut leistbar ist.
— Irene Adler
Große Zustimmung dafür kommt unter anderem von „Salcher“: „Solange ‚Kinderkriegen‘ von Staat und von den sozialen Leistungen her – für Mütter, Kinder und Familien – derart unattraktiv und wenig unterstützend begleitet wird, ist es wohl verständlich, dass sich viele gegen Kinder entscheiden.“ Nachsatz: „Im Grunde ist es ein staatliches Versagen.“ Denn: „Es wäre viel einfacher und billiger, darauf zu setzen, dass Menschen, die schon hier sind, gerne wieder mehr Kinder bekommen, als darauf zu hoffen, dass unsere Population durch Zuwanderung konstant gehalten werden kann!“
Höhere Belastungen oder andere Sanktionen für kinderlose Menschen wären für „Waschbaer“ jedenfalls ein absolut falsches Signal: „Ein funktionierender Staat braucht funktionierende Rahmenbedingungen – keine staatlich verordneten Geburten.“
