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Julian Melichar
Stv. Chef vom Dienst/Print
Hat 50.000 Kilometer in den Beinen: Der britische Abenteurer Karl Bushby
© IMAGO/Resul Rehimov
Hat 50.000 Kilometer in den Beinen: Der britische Abenteurer Karl Bushby

Seit 28 Jahren geht Karl Bushby durch die Welt – und erinnert daran, was wir im Gehen finden können.

Beim Briten Karl Bushby geht alles seinen gewohnten Gang. Und das seit 28 Jahren. Mehr noch: Nichts geht ihm zu weit. Und überhaupt: Vom Weg des geringsten Widerstands hat dieser Herr wohl auch noch nie etwas gehört. Das liegt vermutlich in der Natur der Sache, wenn man als Abenteurer bekannt wird. Aber das ist es nicht allein. Er hat – man muss es so sagen – ein dem Wurzelschlagen wenig zuträgliches Hobby. Er geht. Weit. 50.000 Kilometer hat er in den Beinen. Mehr will ich nicht verraten – lesen Sie gerne hier im Anschluss mehr über besagten Herrn.

Gehen statt Wandern

Jedenfalls hat mich dieser Mann zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel darüber, ob der Abenteurer nun ein „Wanderer“ oder „Geher“ ist. Denn da gibt es einen großen Unterschied. Wandern ist mehr als Unterwegssein. Es hat etwas Performatives bekommen. Es folgt einer fixen Route, ist meist streng. Ähnlich dem Laufen, einer Art der Fortbewegung, die heute einen sprichwörtlichen Bewegungsapparat beansprucht: Pulsuhr, Kilometertracker, Kalorienmessung – sehr gängig. Wir wollen wissen, wie effizient wir sind; zählen unsere Schritte. Das ist so, als würde man einen Fisch dafür loben, dass er geschwommen ist.

Das Gehen dagegen ist eine unterschätzte Gangart. Ilija Trojanow hat es in seinem Buch „Durch Welt und Wiese oder Reisen zu Fuß“ trefflich formuliert: „Mit dem Gehen ist es wie mit dem Schreiben. Fast jeder kann es. Trotzdem ist es eine Kunst, eine Lebensform, eine Haltung.“

Man weiß, wie es weitergeht

Gehen funktioniert solo genauso wie im Duett. Es entzieht sich der Optimierung. Man schöpft Vertrauen in die Welt und in sich selbst. Nach einem wirklich guten Spaziergang weiß man oft wieder, wie es weitergeht. Heute ist das gar nicht so selbstverständlich. Wo zwischen Wohnung und Arbeit sechs Fahrspuren liegen, wird der Gang mühsam. Wo ein Verbotsschild sich an das nächste „Privatgrund“-Schild reiht, vergeht es einem ebenfalls. Deshalb ist das Gehen auch eine kleine Behauptung: dass die Welt noch durchlässig ist.

Der Dichter Erich Fried hat festgehalten: „Wenn ich in mich gehe, bin ich außer mir“. Ich würde den Satz umdrehen. Wer hinausgeht, kommt manchmal bei sich an.