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Helikoptergeschwader im Anflug

Helikoptergeschwader in „Apokalypse Now“: Uni-Lehrende kennen das Gefühl...
© Apokalypse Now Redux
Helikoptergeschwader in „Apokalypse Now“: Uni-Lehrende kennen das Gefühl...

Sonntagskolumne: Erstsemestrige werden von ihren Eltern heute oft wie Erstklässler betreut. Komisch, dass sie sich das gefallen lassen.

Liebe Eltern, jetzt, da die Erstklässlerinnen und Erstklässler einigermaßen eingeschult und an den neuen Tagesablauf gewohnt sind, vergesst mir bitte nicht auf eure Großen! In diesen Tagen geht ja auch der Lehrbetrieb an den Unis los, und seien wir uns ehrlich: So ein Erstsemestriger ist ja auch eine Art Erstklässler.

Zumindest aus Sicht etlicher Eltern dürfte das so sein.

Ich kann es mir zwar auch nicht so recht erklären, aber mit mir sind ein paar nachweislich kluge Menschen befreundet: Leute, die an Universitäten lehren. Die haben mir zuletzt immer öfter Verblüffendes erzählt – hier ein kleiner Auszug: Da gibt es Geschichten von Eltern, die ihre vor dem Gesetz erwachsenen Kinder zur Formularausfüllunterstützung ins Immatrikulationsbüro begleiten, die ihnen die ganze lästige Anmelderei zu Übungen und Seminaren abnehmen und mit ihnen gemeinsam an der ersten Vorlesung teilnehmen, „um sich das Ganze einmal anzusehen“. Geschichten von Müttern, die anrufen und eine Terminverlegung des Blockseminars fordern, weil sie die Tochter schon immer am Freitagnachmittag ins Wochenende mitnehmen. Und von Vätern, die die Bürozeiten von Dozentinnen und Lektoren für die Elternsprechstunde halten und nach Durchsicht der Prüfungsergebnisse ausführlich  besprechen möchten, dass man mit dem Sohn nicht so streng sein sollte. Weil der nimmt sich das immer so zu Herzen.

Die Eltern haben Meinungen

Sie reden mit, sie mischen sich ein, sie haben Meinungen. Den Lehrenden zu Semesterstart muss es ja manchmal schon gehen wie den Bewohnern des vietnamesischen Dorfs in der berühmten Kampfszene aus „Apokalypse Now“ – alles rennet, rettet, flüchtet, weil: Helikoptergeschwader im Anflug!

Schon klar, dass Helikopter-Eltern, die nicht davon ablassen können, überfürsorglich über ihren Kindern zu schwirren, es natürlich gut meinen. Aber es gibt hier zwei wesentliche Erstaunlichkeiten: Erstens, dass die Jungen sich das gefallen lassen. Ist man in diesem Alter nicht dermaßen froh, endlich erwachsen zu sein, dass man sich nicht um die Burg von den (und seien sie noch so geliebten) Altspatzen in seine Angelegenheiten hineinfuhrwerken lässt? Zweitens: Was soll das anhaltende  Wehgeschrei meiner Altersklasse über die ewige Unselbstständigkeit der jüngeren Generation? Das finde ich inzwischen relativ kühn, gerade wenn es von jenen kommt, die ihren Nachwuchs nach dem Motto „18 ist das neue 8“ erziehen. Wobei, was rege ich mich auf: Die meisten der Jungen finden den Weg zur Uni nach wie vor alleine. Und die anderen werden sicher gern von Mamapapa gebracht.