Österreich gegen Kosovo: Nur wer voll geladen ist, spielt
Eine Erkenntnis der WM war, dass nur topfitte Spieler im ÖFB-Team auflaufen sollen. Was heißt das für die Elf gegen den Kosovo?
Die Letztverantwortung für die Nominierung der Startelf des Nationalteams liegt natürlich nach wie vor beim Teamchef. Nachdem Ralf Rangnick beim Nations-League-Auftakt gegen Israel weitestgehend auf die verbliebenen geprüften Kräfte setzte, spielen beginnend mit dem Kräftemessen mit dem Kosovo (18 Uhr, ORF1 live) auch andere Faktoren eine Rolle. Allen voran der körperliche Zustand, da Spiel eins dieses Lehrgangs erst drei Tage her ist und kommende Woche noch zwei weitere Partien folgen.
Rangnick jedenfalls kündigt an, im Happel-Stadion nur Spieler von Beginn an auflaufen zu lassen, die „completely reloaded“ sind, deren Akku nach den Strapazen in Linz also wieder voll ist. „Wir werden sicher keinen aufstellen, der irgendwo etwas spürt. Es gibt auch keinen Grund dazu, deswegen haben wir ja auch 23 Feldspieler eingeladen“, verdeutlicht der Chefcoach.
Nun betreten Profifußballer auf diesem Niveau zumeist kein Neuland, wenn sie alle drei bis vier Tage ein Match bestreiten müssen. Dennoch wird es eine spannende Frage, wie sehr Rangnick in Sachen Aufstellung auf die Erkenntnisse der Weltmeisterschaft Rücksicht nimmt und ob er daher mehr rotiert, als es ihm im Normalfall lieb wäre. „Vor allem nach der Erfahrung der WM: Wenn wir wirklich wieder richtig intensiven Fußball spielen wollen, und das wollen wir, müssen alle Spieler, die auf dem Platz stehen, eben auch wirklich hundertprozentig matchfit sein.“
Wenn wir wirklich wieder richtig intensiven Fußball spielen wollen, und das wollen wir, müssen alle Spieler, die auf dem Platz stehen, eben auch wirklich hundertprozentig matchfit sein.
— Ralf Rangnick
Dies macht etwa eine Nominierung von Michael Gregoritsch eher unwahrscheinlich. Der Steirer musste wegen seiner Sprunggelenksblessur das Abschlusstraining auslassen. „Strukturell ist nichts kaputt, es ist im Prinzip ein Schmerzproblem“, meint Rangnick, der abwarten möchte, wie sich die Beschwerden am Tag des Spiels entwickeln.

Auch hinter dem logischen Ersatz Sasa Kalajdzic stehen Fragezeichen körperlicher Natur. Der Stürmer hatte vor seinem Wechsel zum LASK keine klassische Vorbereitung und generell eine unerfreuliche Verletzungshistorie. „Für mich steht über allem, dass er gesund bleibt und sich nicht erneut verletzt, und schon gar nicht am Knie“, stellt der Teamchef klar. Grundsätzlich ist er angetan davon, wie gut Kalajdzic bereits wieder in Schuss ist: „Wir sind froh, dass er wieder am Weg zu absoluter Bestform ist.“ Sollten beide etatmäßigen Stürmer nicht von Beginn an können, wären wohl Junior Adamu, Marco Grüll oder Christoph Lang potenzielle Nachrücker.
Wer auch immer letztlich den Zuschlag erhalten wird, geht mit dem klaren Auftrag ins Spiel, auch das zweite Heimspiel in diesem Wettbewerb zu gewinnen. „Die Ausgangsposition für die nachfolgenden zwei Auswärtsspiele wäre dann eine richtig gute“, meint Rangnick, der seine Mannschaft am Samstagvormittag mit der Spielweise des Kosovo vertraut gemacht hat. Für einen gewissen Teil seines Kaders wird sich die Überraschung mutmaßlich in Grenzen gehalten haben, da sie persönliche Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Franco Foda haben.
„Ich gehe davon aus, dass es noch mal schwieriger wird als gegen Israel“, vermutet Rangnick, der von einem verdienten Auftaktsieg des Kosovo gegen Irland sprach. „Wir stellen uns auf einen Gegner ein, der uns viel abverlangen wird, taktisch sehr diszipliniert ist, sehr kompakt mit einer Dreierkette agiert, wenig Räume oder Lücken bietet“, so der 68-Jährige.

Umso mehr könnte das Publikum in einem Heimspiel den Unterschied ausmachen. Das Prater-Oval ist ausverkauft. Dass diverse Besucher im Lager des Kontrahenten sein werden, ist anzunehmen. Rangnick hofft, dass beim Ticketverkauf „ein bisschen darauf geachtet wurde, dass wir ein Heimspiel haben, die Mehrzahl der Fans mit der Österreich-Fahne auf der Tribüne sitzen und für Gänsehaut-Atmosphäre sorgen wird.“