Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Urlauber müssen zweimal hinschauen: Doppel-Preise in Kroatien

Kein Druckfehler, sondern Vorschrift: Ab Oktober stehen etwa auf Speisekarten neben einem Gericht zwei Preise. Verärgerte Wirte befürchten verwirrte Gäste.

Kroatien-Urlaub mit Preis-Rätsel auf der Speisekarte: Welchen Betrag müssen Gäste zahlen?
© IMAGO/Imago Stock&people
Kroatien-Urlaub mit Preis-Rätsel auf der Speisekarte: Welchen Betrag müssen Gäste zahlen?
Thomas Martinz
Redakteur Bundesland Kärnten

Zweimal hinschauen müssen Gäste in Kroatien ab 1. Oktober, wenn sie etwa essen, in ein Café gehen, einen Mietwagen ausborgen oder andere Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Künftig muss neben dem aktuellen Preis ein Anker- oder Referenzpreis ausgewiesen werden. Dabei handelt es sich um den Preis, der am 10. September 2026 galt.

Beide Beträge müssen laut dem kroatischen Wirtschaftsministerium klar und deutlich erkennbar sein. Die Regierung will damit für mehr Preistransparenz sorgen. Verbraucher sollen auf einen Blick erkennen können, ob und wie stark ein Preis gestiegen ist.

Viele Branchen betroffen

Die Neuerung betrifft deutlich mehr Bereiche als nur die Gastronomie. Auch Einzelhändler, Friseure, Kosmetikbetriebe, Handwerker und andere Dienstleister müssen ihre Preisangaben an die neuen Vorschriften anpassen. Die Vorgaben gelten zudem nicht ausschließlich für die eigentliche Preisliste.

Wenn Unternehmen mit konkreten Preisen werben, müssen auch diese Preisangaben den neuen Anforderungen entsprechen. Das betrifft beispielsweise Werbetafeln, Flyer, Plakate und digitale Angebote. Auch Unternehmen mit eigenen Internet-Seiten müssen ihre Preislisten entsprechend veröffentlichen und bei Änderungen aktualisieren, schreibt etwa „Kroatien-News“. Damit soll verhindert werden, dass ein Preis zwar in einer Werbung besonders prominent präsentiert wird, der Verbraucher aber keine Möglichkeit hat, dessen Entwicklung anhand des vorgeschriebenen Referenzpreises nachzuvollziehen.

„Lustige Szenen an den Tischen“

Wirte laufen gegen die neue Regelung bereits Sturm. „Das Erste, was wir damit bewirken, ist Verwirrung bei den Gästen, da es zwei Preise gibt – einen, den sie zahlen, und einen, den sie nicht zahlen“, sagt Franz Letica, Präsident des Zagreber Gastronomieverbandes, laut dem kroatischen Nachrichtenportal „Dnevnik.hr“. Die Regelung werde für „lustige Szenen an den Tischen“ sorgen.

Es gebe bereits Treffen in Anwaltskanzleien, um die Verfassungsmäßigkeit dieser weiteren „bizarren Regeln“ zu prüfen. Gastronomen und Einzelhändlern drohen empfindliche Geldstrafen bis fast 2000 Euro, bis zu 27.000 Euro für juristische Personen wie Handelsketten.

Kunden in zwei Lager geteilt

Auch die Gäste sind sich laut HNA bei den neuen Preislisten in Cafés und Restaurants in Kroatien noch uneins. Bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage des kroatischen Portals tportal mit 829 Teilnehmern fanden 37,3 Prozent die Preisangabe sinnvoll, weil Erhöhungen so sichtbar werden. Genauso viele hielten die Zusatzangabe für unnötig kompliziert. Rund ein Viertel gab an, ohnehin nur auf den aktuellen Preis zu schauen.

Jetzt zum Alpe-Adria-Newsletter anmelden

Was ist los in unserer italienischen, kroatischen und slowenischen Nachbarschaft? Nützliche Reiseinfos, Insidertipps und alles, was den Alpen-Adria-Raum aktuell bewegt – kostenlos jeden Donnerstag in Ihrer Mailbox. Hier geht‘s zur Anmeldung.