Steirer lassen in China Roboter kellnern und Autos bauen
Bei den World Skills in Shanghai bilden sich um die Robotik-Berufe Menschentrauben. Kämpft man sich vor, entdeckt man vier Steirer, die sich in ihren Teamberufen zu Gold programmieren wollen.

Hinter drei von vier Wettbewerbstagen bei den World Skills in Shanghai können die rund 1400 jungen Fachkräfte ein Häkchen setzen. Noch sind die Teilnehmenden aber nicht müde, ganz im Gegenteil: Nach wie vor ist Konzentration angesagt – und auch das Interesse der insgesamt wohl mehr als einer Million Besucherinnen und Besucher im National Exhibition and Convention Center ist nach wie vor ungetrübt.
Spürbar wird das bei den technischen Berufen: Menschenmassen bilden sich vor den Wettbewerbskojen von „Autonomous Mobile Robotics” – schließlich sind die Chinesen Fans von Robotern, das haben sie bei der Eröffnungsfeier bewiesen, wo diese zum Tanz baten. Die Besucherinnen und Besucher stellen sich auf die Zehenspitzen, um einen Blick auf die 36 Teilnehmenden in 18 Teamberufen zu erhaschen. Mit von der Partie sind zwei Intralogistiker von Knapp, Konstantin Hauser aus Graz und Marwin Kremser aus Seiersberg-Pirka.
Servieren und Abräumen
Hinter dem Computerbildschirm und ihrem Roboter, der als Kellner in einem Restaurant fungieren soll, sind sie gar nicht so leicht zu erkennen. In ihre Aufgaben vertieft lassen sie ihre Augen immer wieder zwischen Laptop und Roboter wandern. Nur wenige Meter vor ihnen testen ihre chinesischen und portugiesischen Mitstreiter ihre Roboter schon aus und ziehen damit alle Blicke auf sich. Auf vier Rädern steuert dieser einen Tisch mit Geschirr an, ein Licht blinkt erst orange, dann grün auf.

Können soll das Gerät vor allem zwei Dinge: Bestelltes servieren und Restauranttische abräumen – dafür sind Programmierungen und Umbauten notwendig, erklärt Erhard List, ihr Trainer aus Wien.
Gelber Roboterarm im Visier
Auch ein paar Hallen weiter bei Kristijan Hrdzic aus Graz und Gabriel Aldrian aus Eibiswald – mit Magna Steyr und der Knapp AG sind zwei steirische Leitbetriebe ihre Arbeitgeber – dreht sich alles um einen Roboter. Jedoch nicht um einen solchen, der sich wie bei den Teamkollegen autonom bewegen kann, sondern um eine Maschine, die sich in einen Produktionsprozess einfügt. Konkret sollen die beiden Techniker im Beruf „Robot Systems Integration“ ihren Roboter so programmieren, dass dieser aus Blechteilen ein kleines, flaches Modellauto zusammenbaut.

Aldrian wippt auf einem Drehsessel ungeduldig umher, in der Hand hält er eine Fernbedienung mit Bildschirm. Im Visier hat er den gelben Roboterarm in der Glaskabine. Er runzelt die Stirn. „Der Roboter kommt nicht überall hin. Das ist jetzt ein Problem, mit dem wir umgehen müssen”, wird das Duo später erklären. Parallel dazu braucht es übrigens einen digitalen Zwilling, den Hrdžić am Rechner erstellt. Das Trostpflaster: Gegen dieselben Probleme würden auch die anderen Länderteams ankämpfen, sagen die Techniker. Ihre Mitstreiter kommen aus 19 Nationen, von Belgien über Thailand bis zum Vereinten Königreich.
Den Kopf stecken sie deshalb aber nicht in den Sand. Ganz pragmatisch sagt Hrdžić, man müsse nach dem Wettbewerbstag im Hotel einfach abschalten können, um Schlaf zu bekommen.
Medaillen gestaltet, Glück gebaut
Genügend Schlaf brauchen alle 48 Teilnehmenden aus Österreich, um für den Finaltag am Samstag gewappnet zu sein. Am Sonntag wartet auf die „Young Professionals” dann auch schon die Siegerehrung. Wohl am besten mit den Medaillen auseinandergesetzt hat sich schon der Grafikdesigner Paul Bürki aus Altenmarkt bei Fürstenfeld. Im Zuge des Wettbewerbs hat er eine World-Skills-Medaille gestalten müssen, inklusive Verpackung und Booklet. Gewinnen will er aber die echte Goldene, macht er klar.

Davon träumt übrigens auch Hochbauer Noah Trettenbrein aus St. Paul im Lavanttal in Kärnten, ansonsten hätte er nicht im Schnitt 13 Stunden pro Tag auf die World Skills hintrainiert. Zur guten Vorbereitung kommt auch noch eine Prise Glück: Auf seinem Bauplan prangt ein gelbes, vierblättriges Kleeblatt, das er aus Ziegeln nachbauen soll.
Die Teilnahme an der WorldSkills-Delegation erfolgt auf Einladung der WKO.