„Der Millionär Zeiler passt in das Aufstiegsversprechen der SPÖ“
Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle analysiert den Vorstoß von Gerhard Zeiler den SPÖ-Vorsitz übernehmen zu wollen.

Gerhard Zeiler hat nun angekündigt, SPÖ-Chef werden zu wollen. Überraschend kam das ja eigentlich nicht – oder?
Natürlich, gesprochen wurde darüber schon länger. Die Frage nun ist: Welcher der Big Player im Hintergrund hat ihm nun den Rückhalt gegeben. War es die Wiener Landesgruppe oder die Gewerkschaft? Ohne den Rückhalt einer solchen Gruppe würde er das wohl nicht machen.
Andreas Babler hat als Medienminister Maßnahmen angekündigt, gegen die die Kronen Zeitung Sturm lief. War es ein bewusst gesetztes Foul von Gerhard Zeiler, nun in der Krone sein Bereitsein zu verkünden?
Für die SPÖ war die Krone immer ein wichtiges Blatt - eigentlich verwundert es eher, wie man in den letzten Monaten geradezu eine Kampagne gegen Babler gefahren ist. Tatsache ist aber auch: Zeiler konnte dort am einfachsten eine Wirkung für seine Ansage erzielen. Hätte er es im ORF gemacht, wäre anders nachgefragt worden. Die Alternative wäre Social Media gewesen, aber so erzielt man wohl den größten Hebel.
Die letzte Statutenänderung macht es schwer, einen SPÖ-Vorsitzenden abzulösen. Wie lange wird diese Phase der Unsicherheit über die Parteispitze nun dauern?
Eine Statutenänderung heißt nicht, dass ein Vorsitzender so lange einzementiert ist, bis er selbst nicht mehr will. Es wird jetzt eine Phase der Diskussion geben. Die berühmte Mitgliederbefragung ist ja offener, als man meint. Hans-Peter Doskozil kann vielleicht noch den SPÖ-Mitgliedern im Burgenland sagen, wen sie zu wählen hätten, Max Lercher und Daniel Fellner haben diese Macht wohl nicht.
Wird es also bis zum Staatsfeiertag einen neuen SPÖ-Chef geben?
Zumindest werden ÖVP und Neos darauf drängen, dass die Sache geklärt wird. Es schadet ja insgesamt der Regierung, wenn in einer Partei ein Schwebezustand herrscht. Sie wollen eine Person als Gegenüber für Verhandlungen. Und Befragungen kann man heute ja schnell organisieren, da braucht es ja keine Briefe mehr, die verschickt werden.
Gerhard Zeiler ist Millionär, er wäre wohl der reichste Parteichef seit Bruno Kreisky.
Vermutlich reicher.
Passt ein Millionär an die Spitze der SPÖ? Oder hat sich diese Art der Klassenkampf-Rhetorik überholt?
Kern und Vranitzky machten davor Karriere, Gusenbauer hinterher - und das mit dubiosen Geschäftspartnern. Aber in Zeiler steckt das Aufstiegsversprechen der SPÖ. Wer sich, wie er, mit Leistung emporgearbeitet hat, kann auch glaubwürdig die SPÖ-Werte vertreten. Und es passt auch in ein modernes Verständnis von Arbeit: Wer leistet, darf verdienen.
Bei der nächsten Nationalratswahl wäre er allerdings 74 Jahre alt.
Bei seinem zweiten Wahlkampf war Donald Trump 78 Jahre alt. Es ist die Frage, wie man Dynamik und Visionen vermitteln kann, ob er überzeugungsstark ist. Das biologische Alter ist da nicht zwingend entscheidend, wenn man Energie transportieren kann. Zeiler wird in erster Linie klar machen müssen, warum er sich das in dem Alter noch antun will.