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Die positiven und die negativen Erkenntnisse des ÖFB-Neustarts

Die Leistung des Nationalteams beim 3:1-Last-Minute-Sieg gegen Israel sorgte für gemischte Gefühle. Definitiv aufzeigen konnte der eine oder andere Joker.

Das Nationalteam konnte doch noch über einen Sieg jubeln
© IMAGO
Das Nationalteam konnte doch noch über einen Sieg jubeln

Ralf Rangnick erfuhr laut eigener Aussage erst am Tag vor dem Match, dass das Kräftemessen mit Israel sein 50. Länderspiel als ÖFB-Teamchef sein würde. Zum Jubiläum ließ er sich mit drei Punkten beschenken, einem 3:1-Sieg in letzter Minute sei Dank. Es war ein Erfolg, der gemischte Gefühle hinterließ.

Pessimisten können nicht zu Unrecht sagen, dass das Nationalteam sich spielerisch mitunter schwertat und dieses Unvermögen beinahe zu einem unnötigen Punktverlust geführt hätte. Bei der WM spielte man in keiner Partie zu null, auch diesmal kassierte man ein vermeidbares Gegentor. Optimisten verweisen indes darauf, dass Österreich, abgesehen vom Gegentor, defensiv nichts zuließ, bis zum Schluss verbissen um diesen Sieg fightete, sich letztlich auch dafür belohnte und es zudem ein gutes Zeichen ist, dass selbst ein veränderter Kader die Qualität hat, von der Bank für Akzente zu sorgen.

Für mich ging es darum, dass wir einfach wieder unser eigentliches Gesicht zeigen und vier mehr Energie auf den Platz bringen, und das war der Fall.

— Ralf Rangnick

Komplett von der Hand zu weisen sind beide Ansichten nicht. Dass man genügend Luft nach oben aufgezeigt bekam, wird fraglos in die Analyse einfließen – weniger naive Gegner schwächen sich mutmaßlich auch nicht selbst durch dämliche Ausschlüsse. An diesem Abend im Zeichen des Neustarts nach der WM konnte man jedoch guten Gewissens die wohlwollendere Ansicht abnicken. „Für mich ging es darum, dass wir einfach wieder unser eigentliches Gesicht zeigen und viel mehr Energie auf den Platz bringen, und das war der Fall“, rekapitulierte Rangnick.

Auch der 68-Jährige sah, dass seine Mannschaft bei Ballbesitz bessere Lösungen finden und aus Balleroberungen mehr Kapital hätte schlagen können. „Aber wir sind für das beharrliche Dranbleiben belohnt worden“, so Rangnick. Dieser Lohn in Form von drei Zählern erspart dem Nationalteam zumindest vorerst die Frage, ob es ohne die üblichen „Leitwölfe“ einfach nicht geht - sowohl qualitativ als auch in Sachen Führungsstärke. Auch wenn speziell die Startelf sich großteils bestens kannte, lässt sich das Fehlen zahlreicher etablierter Größen in Sachen Abstimmung nicht in ein, zwei Trainings kompensieren. „Wir haben eine richtig umgebaute Mannschaft, natürlich läuft nicht alles von Anfang an“, unterstreicht Patrick Wimmer. Sasa Kalajdzic unterstützt: „Klar war die Abstimmung vielleicht nicht so gut. Aber das kommt mit der Zeit. Ohne die Spieler, die nicht da sind, ist es halt anders. Wir müssen schauen, dass wir das Beste draus machen.“

Teamchef Ralf Rangnick zog ein zufriedenes Fazit
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Teamchef Ralf Rangnick zog ein zufriedenes Fazit

Der LASK-Stürmer holte den Elfmeter zum 1:0 heraus und erzielte das 3:1. Damit durfte er sich ebenso wie weitere Joker auf die Schulter klopfen lassen, für frischen Wind gesorgt zu haben. Den 2:1-Führungstreffer bereitete Paul Wanner mustergültig vor. Die Vorlage zum dritten Tor lieferte Christoph Lang, der ebenso wie Sascha Horvath vor heimischem Linzer Publikum seine Länderspiel-Premiere feierte und dabei aufgezeigt hat. „‘Langi‘ führt die Torschützenliste an, hat im Training mehrere Tore geschossen. Wir brauchten ein Tor, deswegen war es im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, ihn zu bringen“, meinte der Teamchef über den Steirer im LASK-Trikot. Je mehr Spieler jenseits der üblichen Verdächtigen konstant positive ÖFB-Momente sammeln, umso besser ist es für die notwendige Entwicklung dieses Teams.

Mit einem Augenzwinkern ließ sich beobachten, dass es auch abseits vom Spielerischen noch Abstimmungsprobleme gab, nämlich in der Kapitänsfrage. Nach einer guten halben Stunde musste der ursprüngliche Spielführer Michael Gregoritsch w.o. geben – am Freitag konnte der ÖFB bezüglich der Sprunggelenksblessur des Steirers Entwarnung geben. Nach dem Wiederanpfiff schlüpfte Xaver Schlager in die Rolle. Bis zur Pause trug jedoch Nicolas Seiwald die Schleife, nachdem er sie von Kevin Danso in die Hand gedrückt bekommen hatte. „Es war nicht ganz klar, wer Vizekapitän ist“, grinste der Leipzig-Legionär, der selbst zögerte, als Danso ihm das Erkennungszeichen für den Kapitän aushändigte und den Innenverteidiger fragte, „ob er die Schleife nicht Xaver oder Stefan Posch geben will.“

Debütant Christoph Lang bereitete das dritte Tor vor
© GEPA
Debütant Christoph Lang bereitete das dritte Tor vor

Es ist also eine weitere Erkenntnis dieser Partie, dass in der aktuellen Konstellation Xaver Schlager die Nummer zwei in der Kapitäns-Hierarchie ist. Schon beim nächsten Lehrgang, wenn der eine oder andere Leistungsträger zurückkehren könnte, stellt sich diese Frage womöglich ohnehin nicht mehr. Auch weil mit David Alaba der eigentliche Chef in Rot-Weiß-Rot mit Udinese endlich einen neuen Arbeitgeber gefunden hat. „Wir freuen uns natürlich, wenn er wieder dabei ist“, verdeutlicht Wimmer, „er ist der größte Fußballer, den Österreich je hatte.“