Neues Dinamo Zagreb Stadion: Entsetzen über „Kartonschachtel“
Der am Donnerstag präsentierte Siegerentwurf für das neue Stadion von Dinamo Zagreb löste überwiegend negative Reaktionen aus.

Dinamo Zagreb, Rekordmeister und aktueller Tabellenführer der kroatischen Fußballiga HNS, braucht ein neues Zuhause. Das 1912 erbaute, mehrfach umgebaute und immer wieder renovierte „Maksimir“ entspricht längst nicht mehr den Anforderungen der FIFA und UEFA.
2019 wurde zwischen der Grundeigentümerin, der Stadt Zagreb, und Dinamo ein Neubau vereinbart. Die Fertigstellung des Stadions ist für 2029 geplant, statt maximal knapp 25.000, sollen dann 35.000 Zuschauer darin Platz finden.
Architekturwettbewerb

Ein internationaler Architekturwettbewerb wurde von der Stadt initiiert und vom Architekturverband Zagreb ausgeführt. Dotiert war der Bewerb mit zwei Millionen Euro. Es gab vom März bis Juli dieses Jahres 88 Einreichungen aus 20 Ländern.
Am Donnerstag wurde der Siegerentwurf präsentiert. Das Preisgeld von 291.200 Euro für den 1. Platz ging an die italienische Architektenkooperation „VG13“. Dem in Mailand ansässigen Architektenteam gehörten Tommaso Fantini und Alberto Rossi an. Unterstützt wurden sie zudem von Nikola Anđelić, Giovanni Campagna, Niccolò Pasti, Tommaso Salu und Massimiliano Selenati.
„Kartonschachtel“

Stolz präsentierte Dinamo Zagreb auf seinem Instagram-Account das Neue Stadion: „Das neue Maksimir schützt und umarmt den Geist von Dinamo. Jeder der sich dem Stadion nähert, wird Ehrfurcht empfinden.“ Die Social-Media-Verantwortlichen des Fußballvereins mussten allerdings schon bald die Kommentarfunktion deaktivieren, denn zu sagen, dass das neue Stadion die Gemüter spaltet, wäre eine Untertreibung. Es hagelte massenweise Kritik im Vereinsforum.
Dejan Lovren, ehemaliger Dinamo-Spieler, kommentierte es einfach mit einem „Facepalm“-Emoji, griff sich also bildlich auf den Kopf, weil er nicht glauben konnte, was in Zukunft die neue Heimstätte seines Vereins sein soll. Es ist Stadtgesprächsthema Nummer eins, manche sehen überhaupt das gesamte Stadtbild in Gefahr. Auch einen Spitznamen hat das Stadion bereits: „Kartonschachtel“.
Dinamo plant Infoveranstaltung
Eine Umfrage der Zeitung 24sata ergab überwiegend negative Reaktionen der Leser auf den vorgestellten Entwurf. Wenngleich eine solche Umfrage natürlich nicht alle Meinungen widerspiegeln kann, finden sich bisher tatsächlich kaum positive Stimmen in der Öffentlichkeit. Infolgedessen plane Dinamo für die kommende Woche eine öffentliche Veranstaltung, bei der Fans Fragen stellen und ihre Meinung zum künftigen Stadion äußern können. Auch das Kommen von Vereinspräsident Zvonimir Boban, der bereits an der Arbeit des Bewertungsgremiums beteiligt war, wird für diesen Termin erwartet, schreibt Večernji list.
Kein Kommentar von Architekten
Auch das Architektenteam des Siegerentwurfs meldete sich, hielt sich aber mit Äußerungen zur öffentlichen Kritik an ihrem Entwurf weitgehend zurück: „Wir möchten die weiteren offiziellen Erklärungen der nächsten Stunden abwarten. Danach stehen wir gerne für Fragen und weitere Informationen zur Verfügung. Maksimir ist ein wichtiges und sensibles Projekt und wir wollen bei allem, was wir kommunizieren, präzise sein", sagte Fantini gegenüber 24 sata. Er fügte auch hinzu, dass der Siegerentwurf als Grundlage für das künftige Maksimir-Stadion vorgestellt wurde, dass aber das Verfahren noch nicht so weit fortgeschritten sei, dass hier bereits über eine endgültige Version des Projekts gesprochen werden könnte.
Nach derzeitigem Plan soll der Entwurf von VG13 als Basis für den Bau des neuen Stadions dienen. Gegenteiliges wurde trotz der zahlreichen negativen Reaktionen weder von der Stadt noch vom Verein kommuniziert. Einschließlich eines Parkhauses und weiterer Einrichtungen werden die Baukosten für den Gesamtkomplex inklusive eines Leichtathletikzentrums über 200 Millionen Euro betragen.
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