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Wer ist Medienmanager Gerhard Zeiler?

Gerhard Zeiler möchte die SPÖ übernehmen. Doch wer ist der 71-jährige Medienmanager, der von sich sagt: „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen“?

Medienmanager Gerhard Zeiler
© APA / Tobias Steinmaurer
Medienmanager Gerhard Zeiler

Nach 40 Jahren will Gerhard Zeiler wieder in die Regierung einziehen, freilich nicht als Pressesekretär wie dereinst, sondern als Vizekanzler. Um dies zu erreichen, muss er zuerst SPÖ-Chef werden, und dieses Unternehmen geht der 71-jährige Medienmanager nun an. Ob es für den erfolgsverwöhnten Ottakringer tatsächlich an die Spitze der kriselnden österreichischen Sozialdemokratie geht, werden die Mitglieder zu entscheiden haben.

Zeiler gehört zu jener nicht allzu breiten Spezies internationaler Top-Manager, die sich immer der Sozialdemokratie verbunden gefühlt haben. Dies liegt wohl auch in seinen Wurzeln. Als Arbeiterkind ist er im 16. Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen und schon früh der Sozialistischen Jugend beigetreten. Später war Zeiler, der sich an mehreren Studien, etwa der Psychologie, versuchte, im Parteipressedienst tätig, ehe es ihn in den 1970ern zum damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz (SPÖ) verschlug. Für den sprach er auch während dessen unglücklich verlaufener Kanzlerschaft, später dann ebenso für Regierungschef Franz Vranitzky.

Wechsel an der SPÖ-Spitze?

Zeilers große Karriere startete im ORF

Als Karriere-Turbo erwies sich für Zeiler der ORF, dem er zunächst als Generalsekretär diente. Später wurde er Generalintendant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und wirbelte mit einer deutlich verstärkten Quotenorientierung nicht wenig Staub auf. Diese Publikumsfokussierung betrieb er später auch bei der RTL-Gruppe, wo er es nach diversen Zwischenstationen etwa als Geschäftsführer von RTL2 bis zum CEO schaffte. Nebenbei fiel da auch noch der luxemburgische Landesorden an.

2012 setzte sich sein steiler Aufstieg in den USA fort, als Zeiler zu WarnerMedia wechselte. Dort wurde sein Macht-Portfolio immer wieder ausgeweitet. Zuletzt verantwortete er das gesamte internationale Geschäft von WarnerMedia.

Zeiler: „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin“

Fast hatte man in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, die internationale Karriere sei für Zeiler nur eine Notlösung. Mit eineinhalb Augen war der Wiener stets in der Heimat geblieben. Sogar als ORF-Generaldirektor wäre er wieder zur Verfügung gestanden, doch wollte die SPÖ dereinst lieber Alexander Wrabetz. Als die Länder Werner Faymann in die Knie zwangen, liebäugelte er mit einem Wechsel ins Kanzleramt, doch war Christian Kern der Partei zum Unmut der Wiener Stadtpartei dann doch lieber. 2019 legte er dann ein Buch „Leidenschaftlich Rot: Darum mehr Sozialdemokratie“ nach.

Wie man es besser machen könnte als die jeweiligen Vorsitzenden, tat Zeiler gerne in Interviews kund: „Was fehlt, ist eine Aufbruchserzählung, die den Menschen vermittelt: Das ist unser Ziel, das ist unser Weg dorthin“, befand er etwa im Vorjahr in der „Kleinen Zeitung“. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm ohnehin nicht: „Ich glaube, dass ich die richtige Person bin, um die Partei aus diesem historischen Tief herauszuführen“, sagte er diese Woche zur „Kronen Zeitung“. Dass er es gegen den damaligen VP-Chef Sebastian Kurz besser gemacht hätte als Christian Kern, hat er in der Vergangenheit auch gerne mal klar gemacht.

Zeiler gilt nicht unbedingt als brillanter Rhetoriker, manchen ist er zu nasal, einige halten ihn für abgehoben. Andererseits kann er auf eine doch beeindruckende Manager-Karriere zurückblicken. Zudem würde mit ihm und seinem deklariert wirtschaftsfreundlichen und migrationskritischen Kurs einer Fortsetzung der Koalition mit ÖVP und NEOS wenig entgegenstehen. Freilich würde ein monatelanger Zweikampf mit Babler auch die Gefahr der Selbstbeschädigung bedeuten. Schon jetzt spotten manche in Anbetracht dessen, dass bisher vor allem reifere Sozialdemokraten ihre Bewunderung für Zeiler ausdrückten, von „Opas gegen Links“. Zudem hat der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil schon deutlich gemacht, nichts von einem Vorsitzenden Zeiler zu halten.

Seinen Lebensmittelpunkt müsste Zeiler wohl verlegen. National hat er sich mit seiner dritten Frau nämlich in Salzburg niedergelassen. Zeiler ist Vater einer erwachsenen Tochter und eines jüngeren Sohnes.