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Nach Lilihill-Pleite: Nun soll ein mysteriöser Investor helfen

Die Lilihill Capital Group ist insolvent. Gründer Franz Peter Orasch hofft jetzt auf einen internationalen Investor. Struktur und fehlende aktuelle Bilanzen erinnern an René Benko.

Franz Peter Orasch will seine finanziell ins Wanken geratene Firmengruppe sanieren
© Markus Andreas Traussnig
Franz Peter Orasch will seine finanziell ins Wanken geratene Firmengruppe sanieren
Claudia Lepuch
Redakteurin Regionalredaktion Klagenfurt

Eine Villa mit Tennisplatz, ein Winzerbetrieb mit Haubenlokal und eine eigene Airline: Franz Peter Orasch (56) schien ein Gespür für große Geschäfte zu haben. Als der gebürtige Bad Eisenkappler vor mehr als zehn Jahren begann, in Kärnten zu investieren, war das der Beginn einer zunächst nicht enden wollenden Immobilien-Einkaufstour. Höhepunkt war 2018 die Übernahme von 74,9 Prozent der Anteile am Flughafen Klagenfurt.

Was folgte, war ein Sinkflug anstatt eines Steigflugs. 2023 zogen Land und Stadt die Notbremse und holten sich ihre Anteile am Airport zurück. Spätestens ab da ging es mit Oraschs Unternehmensgruppe bergab. Es folgten Pfändungen, Zwangsversteigerungen und Insolvenzen. Am Mittwoch erreichten die finanziellen Schwierigkeiten schließlich die Spitze des Firmenkonglomerats: Über die Lilihill Capital Group, deren alleiniger Eigentümer Orasch ist, wurde am Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren eröffnet.

Mysteriöser Investor als Rettung

Der Immobilieninvestor will also weitermachen. Gelingen soll das mit einem Sanierungsplan, der eine Quote von 100 Prozent vorsieht. 35 Prozent sollen binnen 90 Tagen fließen, weitere 65 Prozent innerhalb von 90 Tagen nach rechtskräftiger Bestätigung des Plans. In dieser kurzen Zeit – und bei Verbindlichkeiten von mindestens 5,9 Millionen Euro - ist das ambitioniert.

Der Schuldner beruft sich auf die Zusage eines internationalen Investors, um die kolportierte 100-Prozent-Quote zu erfüllen.

— Insolvenzverwalter Arno Maschke

Wie Orasch das Geld aufbringen will? „Der Schuldner beruft sich auf die Zusage eines internationalen Investors“, sagt der Wiener Rechtsanwalt Arno Maschke, der zum Insolvenzverwalter der Lilihill Capital Group und ihrer ebenfalls insolventen Tochter Lilihill Financial Services bestellt wurde. Zur Identität dieses Investors ist aktuell nichts bekannt.

„Meine Aufgabe ist es, diese Zusage sowie die Sicherung des Fortbetriebs zu prüfen – davon hängt ab, ob die beantragte Eigenverwaltung aufrechterhalten oder entzogen wird“, erklärt Maschke. Parallel dazu würden die Erhebungen zur wirtschaftlichen Lage der Gesellschaften laufen. Diese ist von außen nur schwer zu beurteilen: Die jüngsten im Firmenbuch hinterlegten Bilanzen stammen aus dem Jahr 2022. Für die vergangenen drei Geschäftsjahre fehlen damit wesentliche Kennzahlen.

AKV-Insolvenzspezialistin Cornelia Wesenauer 
© KLZ / Manfred Neuper
AKV-Insolvenzspezialistin Cornelia Wesenauer 

Viele Parallelen zu René Benko

Es ist eine von mehreren Gemeinsamkeiten mit dem inzwischen insolventen Signa-Konzern des gefallenen Immobilienkönigs René Benko. Auch dort wurden in der Vergangenheit Jahresabschlüsse wiederholt nicht oder stark verspätet im Firmenbuch offengelegt. AKV-Insolvenzspezialistin Cornelia Wesenauer sieht vor allem strukturelle Parallelen. „Wenn man sich das Unternehmen als Baum vorstellt, bildete die Lilihill Capital Group den Stamm und Beteiligungsgesellschaften wie die Lilihill Financial Services sind die Äste“, sagt sie. An deren Enden hängen wiederum die Äpfel – jene Projektgesellschaften, in denen die einzelnen Immobilien geparkt sind.

„Laut Sanierungsplan gibt es einen Käufer für diese Liegenschaften. Ob das stimmt, werden wir sehen“, sagt Wesenauer. Mit den Verkäufen sollen jene Haftungen wegfallen, die die Muttergesellschaft für ihre Töchter übernommen hat und die einen Großteil der Verbindlichkeiten ausmachen sollen. Eine Sanierung sei grundsätzlich möglich, so die Expertin. „Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass es bei Immobilienentwicklern häufig nicht funktioniert.“

Auch dafür gilt die Signa als prominentes Beispiel. Die Verbindung zu Orasch selbst ist noch direkter: Er war bis 2015 Geschäftsführer mehrerer Signa-Gesellschaften und soll nach seinem Ausstieg weiterhin enge Verbindungen zum Konzern gepflegt haben. Rechtsanwalt Christian Tschurtschenthaler, er vertritt die Lilihill-Gruppe, wollte keine Fragen beantworten.