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„Rechtliche Gleichstellung von Frauen ist erreicht, nicht aber die gleiche Wertigkeit“

Alina Zeichen (43) ist Kulturmanagerin und erhält am Freitag den Maria Tusch Preis der Stadt Klagenfurt für frauenpolitisches Engagement. Sie setzt sich auch für queere Menschen und Minderheiten ein.

Alina Zeichen setzt sich ebenso wie die Namensgeberin des Preises, Maria Tusch, für die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen ein
© Markus Traussnig
Alina Zeichen setzt sich ebenso wie die Namensgeberin des Preises, Maria Tusch, für die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen ein
Elke Fertschey

Ihre Verdienste in Kürze zu beschreiben, ist nicht so einfach – weil sie so vielfältig und, obwohl sehr tiefenwirksam, nicht für jeden vordergründig sichtbar sind. Alina Zeichen (43), „Tausendsassa mit vielen Hüten“, stellt sich selbst nicht als Mittelpunkt, sondern immer als Teil eines Kollektivs dar – ob bei der Interessensgemeinschaft der Kulturinitiativen in Kärnten/Koroška (IG KiKK), deren Vorsitzende sie bis 2024 war, oder im Universitätskulturzentrum Unikum, das sie seit 2023 gemeinsam mit Niko Meixner leitet, oder bei den vielen Theater- und Tanzproduktionen, in die sie involviert ist.

Frauen- und Minderheitenrechte

Immer hat die mit viel Gefühl für die brennenden Themen der Kunst- und Kulturszene ausgestattete Kärntner Slowenin aus Obersammelsdorf und Klagenfurt jene Personengruppen im Fokus, die eher übersehen oder ausgeblendet werden. Zeugnis davon geben ihre queer-feministischen Kooperationen mit den Kammerlichtspielen Klagenfurt oder der Galerie 3, die erste „Lange Nacht der Frauen“ 2022 oder die Gründung ihres Vereins „KD Barba“ als Plattform für Synergien in Kunst und Kultur nach feministischen Prinzipien und im zweisprachigen Kontext.

Für ihr herausragendes frauenpolitisches Engagement erhält Alina Zeichen, die nach ihren zwei Studien Sport, Kultur- und Veranstaltungsmanagement sowie Angewandte Kulturwissenschaft im Theaterbereich in Wien, Berlin und München tätig war, am Freitag den Maria Tusch Preis der Stadt Klagenfurt. „Wenn es um Frauen- und Minderheitenrechte geht, ist Alina Zeichen sofort zur Stelle, engagiert, solidarisch und stets bereit, anzupacken und etwas zu bewegen“, würdigen Cristina Beretta und Kirstin Merlitsch von der Uni Klagenfurt ihre Leistungen.

„Ihr geht es um die Umkehrung und Öffnung von Perspektiven, darum, Dinge ins rechte Licht zu rücken.” Ebenso wie Maria Tusch, Ikone der sozialdemokratischen Frauenbewegung Kärntens und Namensgeberin des Preises, ist Zeichen eine, die sich für die gesellschaftliche Sichtbarkeit von Frauen, ihre Rechte und Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzt.

Keine Gleichstellung, aber gleiche Wertigkeit

In ihrem im Jubiläumsjahr 2020 produzierten Theaterstück über Heimat-Sehnsucht und Fernweh „kommen-gehen-bleiben / priti-oditi-ostati“ lässt die vielgereiste Kärnten-Rückkehrerin, die ein Jahr am Österreichischen Kulturforum in Belgrad gearbeitet hat, auch Marie Tusch, eine der ersten Frauen im österreichischen Parlament 1919, auftreten. „Die rechtliche Gleichstellung von Frauen ist zwar erreicht, nicht aber die gleiche Wertigkeit“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Kärntner Kulturgremiums und Vortragende an der Uni Klagenfurt, die heuer auch mit dem „Kärntner Kulturvogel 2026“ ausgezeichnet wurde und privat „qualitativ hochwertige Zeit“ mit ihren Freundinnen schätzt.

Der Maria Tusch Preis ist für sie ein Zeichen, dass ihr Wirken wahrgenommen wird und sich ihre Kraft und Energie, die sie oft „bis zum Umfallen“ einsetzt, lohnen. Damit will sie anderen Mut und Selbstbewusstsein vermitteln, den „harten Weg“ einzuschlagen. „Es gibt noch viel zu tun.”

Der Preis und die Namensgeberin

Der Maria Tusch Preis wird von der Stadt Klagenfurt (Büro für Frauen, Chancengleichheit und Generationen) für herausragendes Engagement für Frauen und Geschlechtergleichstellung vergeben. Frauenpolitische und gleichstellungsrelevante Initiativen und Personen sollen dadurch sichtbar gemacht werden. Die Preisverleihung findet am Freitag um 18.30 Uhr im Künstlerhaus statt.

Maria (Marie) Tusch (1868–1939) wuchs in Klagenfurt St. Ruprecht auf, musste schon als Kind in der Klosterschule Maria Saal schwer arbeiten und war mit 14 Jahren Arbeiterin in der Tabakfabrik Klagenfurt. Sie organsierte sich in Arbeiterinnenvereinen und Gewerkschaft, um soziale Missstände anzuprangern, die harten und ungerechten Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen zu verbessern und das Frauenwahlrecht zu erkämpfen. Sie zog 1919 als eine der ersten Frauen in die Österreichische Nationalversammlung (heute Parlament) ein und wurde zur Ikone der Kärntner sozialdemokratischen Frauenbewegung.