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Aggressiver Rottweiler verbiss sich im Bein seiner Hundesitterin

Die Besitzerin überließ ihre zwei Hunde einer unerfahrenen Bekannten, ohne sie ausreichend auf den Umgang mit den aggressiven Tieren vorzubereiten.

Ein Rottweiler schaut mit geöffnetem Maul in die Kamera
© APA/AFP
Der Rottweiler und eine Mischlingshündin hatten schon vorher ein Kind und eine Spaziergängerin attackiert
Alfred Lobnik
Redakteur Bundesland Steiermark

Nicht einmal durch das Einschalten des Folgetonhornes in unmittelbarer Nähe oder den Einsatz von Pfefferspray konnten Polizeibeamte im Vorjahr in Gratwein einen 60 Kilo schweren Rottweiler verscheuchen, der sich im Bein seiner Hundesitterin (35) verbissen hatte. Den Beamten blieb nichts anderes übrig, als das Tier zu erschießen.

„Rocky“ und Mischlingshündin „Luna“ (20 Kilo) hatten zuvor die betagte Hündin einer Spaziergängerin attackiert. „Ich hörte ein Schnaufen, da hatte sich Luna schon im Hals meiner Amy verbissen“, erinnert sich die Zeugin, die selbst eine auf Hunde spezialisierte Tierärztin ist. Sie packte den Mischlingshund, fiel aber hin, da stand Rocky schon Auge in Auge über ihr und hielt sie mit den Pfoten fest. „Er hat mich fixiert. Hätte er keinen Beißkorb getragen, wäre ich jetzt tot.“ So kam sie mit Prellungen davon.

Geschrien vor Schmerzen

Während der ganzen Zeit hielt die Hundesitterin die Leinen weiter fest. Es gelang ihr, Rocky wegzuziehen, während Luna immer weiter attackieren wollte. In einiger Entfernung konnte die Zeugin sehen, wie der Rottweiler plötzlich auf die Hundesitterin losging und zubiss – und seinen Biss auch nicht mehr löste. Ein Riemen des Beißkorbes war gerissen.

„Das heißt, die Frau hat geschrien vor Schmerzen“, vermutet Richterin Julia Noack bei der Verhandlung am Straflandesgericht Graz. – „Ja. Glauben Sie mir, das wollen sie nicht hören.“

Angeklagt wegen grob fahrlässiger Körperverletzung ist die Besitzerin der Hunde. Sie war auf Reha und hatte die Hunde der Freundin ihres Neffen zur Aufsicht übergeben. Es sei schwierig gewesen, jemanden zu finden, viele hätten Angst vor Rottweilern. „Zu Recht, oder?“ Nein, Rocky sei immer lieb gewesen zu ihr und den Kindern. „Ernsthaft?“, fragt die Richterin. Rocky hatte bereits einmal ein Kind und eine Spaziergängerin gebissen. Das Kind habe die Tür ruckartig aufgemacht und Rocky getroffen, sagt die Hundehalterin.

Haben Sie sich entschuldigt? – Nein. – Warum nicht? – Wir haben seit damals keinen Kontakt mehr. Sie wollen von mir nichts mehr wissen.

— Dialog Richterin – Angeklagte

Für sie seien die Hunde immer beherrschbar gewesen, behauptet sie. Wenn nötig, habe sie die Hunde am Halsband gehalten oder die Leinen um eine Laterne oder einen „Stipfl“ gebunden, wenn sie andere Hunde trafen. „Und wenn kein Stipfl da ist?“ – „...“ Mit Rocky war sie einmal kurz in der Hundeschule, aber sie verfing sich damals in der Leine, als Klein-Rocky anriss, und verletzte sich ein Fingergelenk. „Das heißt, er hat auch Sie verletzt?“ – „... Das eine Mal.“ – „Und das ist ein Grund, die Hundeschule abzubrechen?“ – „Ich hatte einen Verband.“

Über die Vorgeschichte – unter anderem auch die Attacke auf einen anderen Hund in Graz – dürfte sie die Hundesitterin zumindest nicht vollständig informiert haben. Dass sie als Hundehalterin deswegen vorbestraft ist, verschwieg sie jedenfalls. Auch in der aktuellen Sache wurde sie bereits im Vorjahr verurteilt, das Urteil wurde aber aus formalen Gründen aufgehoben, weshalb neu verhandelt wird.

Die Einvernahme der Hundebesitzerin ist mühsam

Wie man vor Gericht einen guten Eindruck macht, weiß die Angeklagte definitiv nicht: Sie zeigt keine Einsicht, verschweigt oder bestreitet Fakten, die ohnehin aktenkundig sind, und nervt die Anwesenden mit überlangen Nachdenkpausen, um dann doch nichts oder Unverständliches zu sagen. Verteidiger Fabian Wagner nimmt sie deshalb sogar einmal zur Seite – vergeblich. Schadenwiedergutmachung hat sie noch keine geleistet, eine Entschuldigung hat sie auch nicht über die Lippen gebracht. „Wir haben seither keinen Kontakt mehr.“

Wollen Sie überhaupt mit mir reden? – Nein.

— Dialog Richterin – Angeklagte

Die schwer am Bein verletzte Hundesitterin konnte nicht kommen, es muss vertagt werden. Die Tierärztin hält als Expertin die Tatsache, dass Rocky den Biss gehalten hat, für ein Zeichen einer der höchsten Aggressionsstufen. „Ein normaler Hund hätte einmal zugebissen, hätte losgelassen und wäre weggegangen.“ Sie würde nie erlauben, dass jemand mit ihren beiden Hunden gleichzeitig spazierengeht, „wenn ich die Leine um eine Laterne binden muss, damit ich eine Begegnung überlebe“.

Schon ein 14 Kilo schwerer Hund kann einen Menschen aushebeln. Die Hundesitterin war überfordert, aber auch ein Militärhundeführer oder ein Bodybuilder hätte diese zwei Hunde nicht halten können.

— Zeugin

Luna, von der der Angriff ausging, lebt übrigens noch immer im Haushalt der Angeklagten. „Warum?“, fragt Richterin Noack. – „Mein Sohn spielt gerne mit ihr.“ – Das ist Wahnsinn!“, fasst die Richterin zusammen.