Wie im Kino: Militärhund „Ion“ und sein Herrl sind unzertrennlich
Brad Pitt kämpft mit „Odin“ im Kinofilm „Eiserne Wildnis“ ums Überleben. Der Stallhofener Militärhundeführer Rene Stangl und sein „Ion“ leben die Realität.

Als ein Flugzeug abstürzt, muss Special-Forces-Officer Belmont mit seinem Militärhund „Odin“ in der Wildnis Alaskas ums Überleben kämpfen. Der Film mit Brad Pitt in der Hauptrolle läuft seit Donnerstag (24. September) in den heimischen Kinos. Viel Pathos, viel Action. Doch wie sieht die Realität aus – gibt es überhaupt solche Hunde bei unserem Bundesheer? Und ob! Schließlich macht das Bundesheer via Facebook sogar Werbung für den Film (siehe unten).
Wir trafen Militärhundeführer Rene Stangl aus Stallhofen in der Gablenzkaserne in Graz. An seiner Seite „Ion“, ein sechs Jahre alter Deutscher Schäferhund, spezialisiert auf Personenschutz und Sprengstofferkennung, eine Mensch-Tier-Beziehung, der ganz besonderen Art.

Fachinspektor Stangl ist Aufsichtshabender Militärhundeführer beim Überwachungsgeschwader Zeltweg. Ion ist sein vierter Militärhund, Stangl macht das seit 25 Jahren aus Leidenschaft, „denn das ist der schönste Beruf der Welt". Er bekam Ion im Jahr 2022, als dieser zwei Jahre alt war. Nach einer mehrmonatigen Ausbildung sind die beiden nicht nur Partner, Ion schafft es Sprengstoffe zu orten, reagiert auf zahlreiche Kommandos, kann sich verteidigen und angreifen. Denn eines ist klar: „Auch wenn er noch so gut abgerichtet und sozial ist, Militärhunde werden als Waffe geführt und sind auch als solche zu behandeln.“

Kleine Echtstoff-Röhrchen dienen als spielerisches Sprengstoff-Training, Kommandos werden ständig geübt, „Hunde wie Ion kann man quasi ein- und ausschalten", schildert Stangl. Familienfremde Personen dürfen den Hund deshalb weder streicheln noch mit ihm spielen, für die artgerechte Unterbringung zu Hause in Stallhofen wurden Pioniere des Bundesheeres angefordert, „denn Ion ist schließlich Eigentum des Bundesheeres".
Und doch ist Ion natürlich – wenn er nicht gerade Dienst in Zeltweg schiebt – vor allem eines: Familienmitglied. Presseoffizier Marco Spörk gibt zu, „Ich selbst hätte sehr gerne einen Hund, aber leider lässt die mangelnde Zeit es nicht zu“, denn Hunde generell, Militärhunde aber im Speziellen, verlangen viel Aufmerksamkeit. „Wir nehmen Ion auch mit in den Urlaub, wie gesagt, ich bin oft den ganzen Tag mit ihm zusammen, verbringe mehr Zeit mit ihm als mit meiner Familie".

Diese besondere Beziehung ist nicht selten, dass das Bundesheer Hunde einsetzt, hat aber eine lange Tradition. Bereits 600 v. Chr. setzten Perser, Römer und andere Kriegshunde ein, im Zweiten Weltkrieg waren 200.000 Hunde an der Front und das Österreichische Bundesheer greift seit 1964 auf die Qualitäten der Vierbeiner zurück. Im Militärhundezentrum in Kaisersteinbruch (Burgenland), wo sämtliche Militärhunde Österreichs die Basisausbildung absolvieren, befindet sich heute die weltweit größte Zuchtstation für Rottweiler. Diese werden vor allem für Schutzaufgaben eingesetzt, Labradore dienen als Kampfmittelabwehrhunde (vor allem als Minenspürhunde). Und Belgische und Deutsche Schäferhunde bekommen eine Dualausbildung – sowohl als Schutz- als auch als Sprengstoff- und Drogenspürhund.
Der Pionier „Prohaska“
Im Jahr 1846 wich ein Straßenhund in Italien nicht mehr von der Seite des k.k. Infanterieregiments No 7. Der Hund wurde dreimal verwundet und sogar zum Korporal befördert. Er wurde nach dem Regimentinhaber Freiherr von Prohaska benannt.

Militärhunde verrichten also nicht nur die unterschiedlichsten Aufgaben – fürs Jagdkommando springen sie sogar mit Fallschirmen ab – sie nehmen auch an Übungen teil und werden für internationale Einsätze herangezogen. Ion ist derzeit vor allem im Fliegerhorst Hinterstoisser gefragt, dort wird er einem permanenten Training unterzogen, Herrl und Hund werden zudem mehrmals im Jahr kommissionell überprüft.
Ansonsten lebt Ion ganz normal im Familienverband mit. „Wir haben zehn Katzen, meine Frau ist Tierärztin und zweite Bezugsperson für den Hund. Und der vierbeinige Soldat ist tatsächlich fast überall dabei. Fast. „Nur nach Italien nehme ich ihn nicht mit. Denn einmal im Jahr brauch ich auch ein paar Tage vor ihm Urlaub – und er von mir“, lacht Stangl. Da horcht Ion auf. Das gibt wohl eine extra Portion Leckerli und eine Spaziertour, denn eines ist klar: Stallhofen ist zwar nicht die Wildnis Alaskas, aber wie auch Odin weicht Ion nicht von der Seite seines Lieblingspartners.
Zahlen & Daten
Seit 1964 werden Hunde in der Militärzuchtstation Kaisersteinbruch gezüchtet. Seit damals wurden rund 2.000 Hunde registriert, 1.500 Rottweiler stammen aus der Eigenzucht – Kaisersteinbruch ist damit weltweit führender Rottweilerhalter.
Der Grundkurs für Militärhunde dauert zwölf Wochen, die Weiterausbildung zum Spezialhund weitere drei Monate.