Grenzgänger kämpfen bei der Berufs-WM gemeinsam um Gold
Mit dem Mechatroniker-Duo David Seidl und Paul Wohlesser aus der Steiermark, beruflich tätig in Kärnten, fiebern gleich zwei Bundesländer bei den World Skills in Shanghai mit.

Noch vor 8 Uhr in der Früh haben sich die jungen Fachkräfte aus dem Team Austria am ersten Wettbewerbstag der World Skills vor dem National Exhibition and Convention Center (NECC) in Shanghai getroffen und angefeuert: „Team Austria, Team Austria, Team Austria”, hallt es vor einem der größten Messezentren weltweit. Die Motivation nach der spektakulären Eröffnungszeremonie in der Mercedes-Benz Arena, in der viertätigen Wettbewerbsphase der World Skills alles zu geben, ist auch zur Halbzeit der Bewerbe groß.
Die Mechatronik ist bei den World Skills in Shanghai einer der Berufe mit den meisten Teilnehmerländern. Insgesamt 32 Nationen stellen sich im viertägigen Bewerb den Herausforderungen rund um mechanisch-elektronische Automatisierungssysteme in industriellen Maschinen oder Verkehrsregelungssystemen. Kaum ein Beruf steht so sehr für die Industrie von morgen wie die Mechatronik – und mittendrin sind zwei Steirer mit Arbeitsplatz in Kärnten.
David Seidl aus Mariahof und Paul Wohlesser aus Neumarkt sind bei Flextronics International tätig, einem internationalen Technologieunternehmen mit Sitz in Althofen. Dort bauen sie Automatisierungssysteme zusammen, nehmen diese in Betrieb und begeben sich auf umfangreiche Fehlersuche, um Störungen zu beheben. In Shanghai kann man sie beobachten, wie sie an einer Anlage schrauben oder etwa im Hintergrund in einer Koje an Schaltern drehen – stets konzentriert, wie die gerunzelte Stirn verrät.
Extrem herausfordernde Aufgabe
Wie die beiden am Abend erzählen, war die Aufgabe, einzelne Stationen einer automatisierten Produktionsanlage aufzubauen und Sensoren zu verkabeln, damit am Ende Werkstücke transportiert werden können. Dass ein falsch eingestellter Sensor, ein ungenau positionierter Zylinder oder ein kleiner Fehler im Programm schon den Stillstand der Fertigungslinie bedeuten können, mussten sie an Tag 2 bitter erfahren. „Tatsächlich ist heute leider sehr viel schiefgegangen“, sagt Wohlesser fassungslos. Was ihn tröstet: Es sei auch allen anderen Nationen gleich ergangen. „Die Aufgabe ist einfach extrem herausfordernd.“
Rückhalt bekommen die beiden „Young Professionals“ von den österreichischen Fans. Wohlesser etwa hat einen vierköpfigen Fanclub aus Mama Barbara, Papa Thomas und seinen Schwestern Hanna und Karoline mitgebracht. „Jedes Mal, wenn wir bei ihrem Stand vorbeigehen, freuen wir uns“, erzählen die jüngeren Schwestern voller Stolz. Ihr Bruder sei schon immer ehrgeizig gewesen – bereits als Kind habe er das, was er angefangen hat, immer konsequent zu Ende gebracht. Etwas Nervosität merken sie dem Steirer, der bereits in Kärnten in die Schule ging und auch im Nachbarbundesland zum Bundesheer gehen will, aber schon an. “Daumen drücken, fest an ihn denken und gut zureden”, das würde ihn dann wieder beruhigen, kennen die Schwestern das Geheimrezept.
Die Aufregung ist groß, weil das Mechatroniker-Duo auch nicht unter dem Motto, „dabei sein ist alles“, nach Shanghai gereist ist „Eines meiner Ziele ist es, den ersten Platz bei World Skills zu holen“, formulierte Seidl von Anfang an. Wohlesser hat sogar für die Zeit nach World Skills schon konkrete Pläne: Er möchte die Matura abschließen. Sollte der Traum von Gold in Erfüllung gehen, haben die Schwestern von Wohlesser davor aber noch ganz andere Pläne für das Mechatroniker-Duo: „Dann wird richtig wild gefeiert. Da haben sie in nächster Zeit keine Ruhe.“
Maurer im Hochbau
Ein „waschechter“ Kärntner ist übrigens auch im Rennen: Maurer Noah Trettenbrein aus St. Paul, beruflich tätig bei BM-Haus in St. Georgen im Lavanttal.

Die Teilnahme an der WorldSkills-Delegation erfolgt auf Einladung der WKO.