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Verkauf feiert WM-Premiere mit Fachkraft aus Schladming

Anna Tritscher von Sport Tritscher vertritt die Steiermark beim neuen Skill „Retail Sales“ bei der Berufs-WM in Shanghai. In ihrer Heimat verkauft sie Sportartikel, im fernen Osten Babykleidung. 

Anna Tritscher tritt bei den WorldSkills im Beruf „Retail Sales“ an
© Florian Wieser
Anna Tritscher tritt bei den WorldSkills im Beruf „Retail Sales“ an
Julia Schuster
Von   und aus Shanghai

Ein Geschäft eröffnen, einräumen, dekorieren – und am nächsten Tag von vorne beginnen, weil über Nacht eingebrochen wurde. Dazwischen Kunden willkommen heißen, sie beraten, ihnen Baby-Artikel verkaufen. Dieses Szenario hat Anna Tritscher erlebt – an ihren ersten beiden Wettbewerbstagen bei den World Skills in Shanghai. Die Einzelhandelskauffrau im Familienbetrieb Sport Tritscher in Schladming vertritt Österreich bei der allerersten Auflage des Skills „Retail Sales“ bei einer Berufs-WM.

Dass nun auch der Verkauf bei den World Skills Einzug gehalten hat, macht Helmut Zaponig, Geschäftsführer der Sparte Handel, und Rainer Rauch, Spartenobmann-Stellvertreter sowie Geschäftsführer der Modehäuser Roth, besonders stolz: „Damit ist etwas Großartiges gelungen. Die Kunst war, einen Wettbewerb zu gestalten, der über Tage geht, und andere Länder dafür zu begeistern, daran teilzunehmen.” 

Österreich habe sich besonders dafür eingesetzt, den Handel bei den Skills zu verankern, um zu zeigen, wie vielfältig der Beruf ist. Die treibende Kraft dahinter war Skills-Experte Raimund Lainer von Spar, der für die WM in zwei Jahren in Japan bereits ein Ziel definiert hat – und zwar den Bewerb auf bis zu 15 teilnehmende Nationen auszuweiten. 

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Impressionen von der Berufs-WM
Impressionen von der Berufs-WM © Florian Wieser

Steirerin liefert Gesamtpaket 

Zurück nach China. Für Zaponig und Rauch ist Tritscher die große Medaillenhoffnung: „Bei ihr passt das Gesamtpaket: Sie ist freundlich, charmant, kann super argumentieren und hat Fachwissen.“ Im Gewinnen ist die 20-Jährige übrigens geübt: Als Lehrling holte sie Gold im Landes- und Bundeswettbewerb sowie im internationalen Wettkampf. Mit dem Sieg bei den Austrian Skills qualifizierte sie sich für die World Skills in China. 

Hier muss sich Tritscher gegen sechs Mitbewerberinnen und -bewerber aus Brasilien, Finnland, Indien, Irland, Macao (China) und China durchsetzen. Bisher hat sie ein „super gutes Gefühl”. Tritscher erzählt von einem Verkaufsgespräch, das sie auf Englisch geführt hat. Sprachliche Barrieren dürfte es dabei übrigens nicht gegeben haben, kommt die Mama der Skills-Starterin doch aus Neuseeland.

Tritscher selbst würde sich über einen Stockerlplatz zwar freuen, wie sie sagt. Ihr persönliches Ziel setzt sie sich aber nicht ganz so hoch. Die Medallion of Excellence, also die Auszeichnung für besondere Leistungen nach Platz 3, hat sie im Visier.

Steirische Teilnehmerinnen und Teilnehmer im WM-Einsatz

Junge Fachkräfte als Werbeträger 

Dass die jungen Fachkräfte ausschließlich Medaillen nachjagen, soll auch nicht die Motivation sein, wie Skills-Austria-Geschäftsführer Jürgen Kraft stets betont. Stattdessen sollen die jungen Fachkräfte als Werbeträger für ihren Beruf fungieren: „Die Lehrlingszahlen sinken immer noch leicht. Die Skills sollen zeigen, dass der Handel viel mehr ist als Verkauf, nämlich ein Ort, um zusammenzukommen“, sagt Zaponig. 

Das kann Rauch aus der Praxis von den Modehäusern Roth in der Steiermark bezeugen: “Es wird immer wichtiger, neben der persönlichen Beratung eine Wohlfühlatmosphäre im Handel zu schaffen und einen Erlebnisfaktor zu bieten.” Sprich: Zur Ballkleid-Anprobe wird nicht selten ein Glas Sekt gereicht. 

Mit Dirndl in Shanghai 

Insgesamt 20 Stunden Wettbewerb absolvieren die Teilnehmenden im Verkauf über vier Tage. Zur Halbzeit strahlt Tritscher über beide Ohren: „Es ist total spannend, es sind viele neue Eindrücke.“ Ihre Familie drückt von zuhause die Daumen. Ein Stück Heimat hat die Schladmingerin dennoch immer mit dabei – sogar am eigenen Leib: ein Dirndl. „Das gefällt mir einfach gut, ein Dirndl habe ich als Marketenderin im Musikverein auch oft an“, streicht sie sich stolz über ihre dunkelgrüne Tracht.

Österreichs Medaillenchancen

Michael Tobisch ist der erfolgreichste World-Skills- und Euro-Skills-Teilnehmer aller Zeiten und über alle Länder hinweg (als Teilnehmer, Experte und Coach). Er ist als technischer Delegierter der oberste Regelhüter des Team Austria bei den Skills – und weiß, was es braucht, um Gold zu holen: „Eine positiv gemeinte, kleine verrückte Ader. Man muss in dieser Zeit einfach voll bei der Sache sein. Man braucht Ehrgeiz und muss diese Extrameile gehen.“

Auch eine erste Einschätzung, wie es um das Team Austria bei den World Skills 2026 steht, lässt sich Tobisch entlocken: „Ich weiß, dass wir sehr, sehr gut drauf sind.“ Die Teilnehmenden seien auf einem sehr guten Weg, alles laufe nach Plan. Dennoch: „Wir wissen, dass es für einen Teilnehmer zumindest mit den ersten drei Stockerlplätzen schon vorbei sein könnte“, sagt Tobisch auf Nachfrage zum gesamten Team Austria.

Michael Tobisch
© Florian Wieser
Michael Tobisch