Aus diesem Kärntner „Lost Place“ wird eine Recyclinganlage
Neues Sammelsystem, neue Anlage: Mit dem Deponieverbot für Mineralwolle muss die Abfallwirtschaft umdenken. In Ferndorf rüstet Knauf für ein „Start-up-Jahr“.

Künstliche Mineralfasern dürfen ab 2027 nicht mehr deponiert werden. In Ferndorf entsteht eine Recyclinganlage zur Wiederverwertung und Rückführung von Glas- und Steinwolle in den Produktionskreislauf. 2009 wurde die Steinwolle-Produktion am Kärntner Standort geschlossen, seit einigen Monaten wird der „Lost Place“ zu industriellem Leben erweckt. „Wir versiegeln keinen Quadratmeter“, betont Joachim Wieltschnig, Geschäftsführer der Gesellschaft, die die neue Recyclinganlage betreibt. Knauf-Österreich-Chef Udo Klamminger, der ebenfalls die Recyclingfirma leitet, sieht ein „gutes Miteinander“ mit der Bevölkerung, die hinter dem Werk stehe.
Noch in diesem Jahr werde der Probebetrieb starten. Im Jänner 2027 soll dann zeitgerecht der reguläre Betrieb aufgenommen werden. Aktuell beschäftigt die Knauf-Gruppe in Ferndorf rund 120 Mitarbeiter. Die neue Anlage bringt neue Jobs: Zum Start sind es 8 Beschäftigte, mit Ende Jänner sollen es 12 sein, im Endausbau 20 bis 25. Rund 30 Millionen Euro werden in die Anlage investiert, der Budgetrahmen werde „nicht unterschritten“, so die Knauf-Manager. Mit der Großinvestition bleibe Ferndorf „ein attraktiver Industriestandort“, so Klamminger.
Konservative Planung im ersten Jahr
Mit dem Deponieverbot und der Recyclinganlage geht auch ein neues österreichweites Sammelsystem einher, das derzeit ausgerollt wird. Künftig wird es in allen Wirtschaftshöfen der Gemeinden Sammelsäcke für Mineralwolle geben. Da und dort warte die Abfallwirtschaft aber noch zu: „Wir alle betreten Neuland“, betont Klamminger. Von der Rücknahme bis zum Recyclingprozess sei alles neu. Von einem „Start-up-Jahr“ spricht Wieltschnig. Ausgelegt ist das Werk auf vorerst 10.000 Tonnen pro Jahr, das erste Jahr sei mit „einigen tausend Tonnen konservativ geplant“.

„Kompliment an die Behörde“
Beide unterstreichen, dass ohne großzügige Investitionen des deutschen Knauf-Konzerns ein solches Projekt gar nicht möglich gewesen wäre. Auch den Genehmigungsprozess loben die Manager: „Ein Kompliment an die Behörde“, sagt Klamminger. Ein knappes Jahr Verfahrensdauer sei in der Abfallwirtschaft für ein Projekt dieser Größe sehr kurz.
Als problematisch beschreiben beide aber die Regulatorik hinter dem Genehmigungsprozess, Klamminger spricht gar von einem „Bürokratiemonster“: „Ein Mittelständler hätte nicht die Kraft, das in der Zeit durchzuziehen“, der Einsatz der Mittel seitens Knauf sei enorm gewesen. So habe man das Verfahren mit eigenen Experten begleitet, um den Zeitplan zu halten. Beide wünschen sich eine „Optimierung der Regulatorik im Hintergrund“.