Nach Polit-Beben wurde neuer Spittaler Vizebürgermeister angelobt
Roland Mathiesl wurde als SPÖ-Vizebürgermeister angelobt, Andrea Penker als Stadträtin. Mathiesl wird Spitzenkandidat. Referatsänderung wurde vertagt.

Knapp eine Woche nach dem überraschenden Rücktritt von SPÖ-Vizebürgermeisterin Angelika Hinteregger hat Spittal einen neuen Vizebürgermeister. Roland Mathiesl (45) wurde Mittwochabend bei der Gemeinderatssitzung im Schloss Porcia offiziell von Bezirkshauptmann Markus Lerch angelobt. Er wurde im Eilverfahren fraktionsintern als Hintereggers Nachfolger bestimmt, nachdem diese nach 30 Jahren ihren Parteiaustritt aufgrund „interner Machtkämpfe und persönlicher Beschimpfungen innerhalb der SPÖ Spittal“ verkündet hatte. Bei der Sitzung war sie bereits als fraktionslose Gemeinderätin anwesend, kommentierte die Causa aber nicht weiter.
Angelobt wurde auch die neue Stadträtin Andrea Penker. Sie rückt aus dem Gemeinderat vor und übernimmt damit das Amt von Almut Smoliner, die in der Vorwoche ihre Funktion zur Verfügung stellte. Smoliner bleibt SPÖ-Gemeinderätin. Als Stellvertreter von Mathiesl wurde Gemeinderat René Haßlacher angelobt, Penker wird künftig von Gemeinderat Gerd Sagmeister vertreten.
Der von der SPÖ gewünschte Punkt 5 „Änderung Referatsaufteilung“ auf der Tagesordnung wurde indes kurzerhand abgesetzt. Mathiesl will künftig die Referate Soziales und Bildung von der früheren Stadträtin Smoliner übernehmen. Penker hätte die Referate Verkehr, Raumplanung, Stadtentwicklung, Umwelt und Energie erhalten sollen. Laut Bürgermeister Gerhard Köfer (Team Köfer) war dies so kurzfristig nicht möglich: „Es müsste dafür einen einstimmigen Umlaufbeschluss geben. Vonseiten der Gemeindeaufsicht wurde uns mitgeteilt, dass dafür heute aber keine Dringlichkeit besteht.“ Bis zur Beschlussfassung gehen die betroffenen Referate auf den Bürgermeister über. In zwei Wochen soll das Thema bei der Stadtratssitzung erneut aufschlagen.
Mathiesl wird Spitzenkandidat der SPÖ
Im Zuge der Angelobung bestätigte Mathiesl auf Anfrage der Kleinen Zeitung auch, was viele bereits vermutet haben. Er wird bei der Gemeinderatswahl 2027 für die SPÖ Spittal als Spitzenkandidat für das Bürgermeisteramt ins Rennen gehen. „Ich wurde parteiintern gewählt“, sagt Mathiesl. Dass er dem Vernehmen nach bei einer beauftragten Umfrage zu geeigneten SPÖ-Kandidaten schlechter abgeschnitten haben soll als Angelika Hinteregger, will er nicht kommentieren. Seine Vorgängerin stand im Vorfeld eigentlich fix als intern gewählte Bürgermeisterkandidatin fest.
Mathiesl ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist seit 2009 in der Gemeindepolitik aktiv. Besonders brisant: Anfangs war er für die Spittaler Grünen im Gemeinderat vertreten. Nach langwierigen internen Differenzen trat er 2010 wieder aus der Partei aus. Als Gründe nannte Mathiesl damals das "immer schlechter werdende parteiinterne Klima“ zur Grünen-Bezirksleitung und deren „fehlende Gesprächsbereitschaft“. 2009 kandidierte Mathiesl bei der Wahl noch für den Posten des Landessprechers gegen den mittlerweile ehemaligen Grüne-Politiker Rolf Holub, erschien schlussendlich aber nicht zur Sitzung. Parteiintern galt der Spittaler als „Eigenbrötler“. 2012 erfolgte dann der Wechsel zur SPÖ.
In seiner neuen Funktion als Vizebürgermeister will er nun „schnell wieder zur Sacharbeit“ übergehen und „konkrete Projekte“ vorantreiben. Auf den neuen SPÖ-Spitzenkandidat wartet knapp ein halbes Jahr vor der Gemeinderatswahl eine Mammutaufgabe. Bei der Gemeinderatswahl 2021 erreichte die SPÖ in Spittal 31,4 Prozent. Der damalige SPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Pirih kam mit 35,5 Prozent auf den zweiten Platz.
Dankende und anerkennende Worte für die bisherige Zusammenarbeit gab es für die ehemalige Vizebürgermeisterin Angelika Hinteregger und die frühere Stadträtin Almut Smoliner in der Sitzung vonseiten der ÖVP, FPÖ und dem Team Köfer. Die SPÖ Spittal dankte den beiden nachträglich in einer Presseaussendung.