Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Warum Kroatiens Inflation bald auf 6 bis 7 Prozent steigen könnte

Bleiben Ölpreis und Dieselpreise auf dem beschriebenen Niveau, könnte die Inflation Kroatiens in rund zwei Monaten 6 bis 7 Prozent erreichen.

Einkaufen in Kroatien wurde deutlich teurer, nun droht ein nächster Inflationsschub
© IMAGO / Patrik Macek/pixsell
Einkaufen in Kroatien wurde deutlich teurer, nun droht ein nächster Inflationsschub
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Der Wirtschaftsanalyst und ehemalige kroatische Wirtschaftsminister Ljubo Jurčić warnte in einem Interview mit dem kroatischen Sender RTL vor einer neuen Inflationswelle in Kroatien. Halten die hohen Treibstoffpreise, insbesondere für Diesel, weiter an, könnte die Inflation in Kroatien „innerhalb von zwei Monaten“ auf sechs bis sieben Prozent steigen. Denn nach Jurčićs Einschätzung braucht eine Ölpreissteigerung im Durchschnitt rund zwei Monate, bis sie sich durch die gesamte Wirtschaft zieht.

4,2 Prozent Inflation im August

Im August kletterte die Teuerungsrate in Kroatien auf 4,2 Prozent, nach 3,9 Prozent im Juli. Nur Litauen und Zypern hatten in der Eurozone im August eine höhere Inflationsrate als Kroatien. Im November 2022 hatte Kroatien mit 13,5 Prozent die höchste Inflationsrate verzeichnet.

Unternehmen würden zunächst versuchen, ihre Kunden nicht durch unmittelbare Preiserhöhungen zu verlieren. Wird der Preisdruck aber stärker, könnten auch Unternehmen ihre Preise erhöhen, deren eigene Kosten gar nicht entsprechend gestiegen seien – mit dem Hinweis, dass „alles teurer geworden“ sei.

Besonders schnell würden die höheren Treibstoffkosten im Transportsektor sichtbar. Wird Diesel teurer und staatliche Zuschüsse können die Mehrkosten nicht vollständig abdecken, müssten Verkehrsunternehmen diese letztlich über höhere Transportpreise weitergeben. Die kroatischen Fischer seien besonders exponiert: Bei ihnen mache Treibstoff laut Jurčić bis zu 70 Prozent der Kosten aus.

Rasche Stabilisierung erhofft

Jurčić hofft, dass sich die Situation innerhalb eines Monats stabilisiert. Wenn dies nicht bis September beziehungsweise Anfang Oktober geschehe, werde es zu weiteren Preissteigerungen kommen. Und das, obwohl sich Kroatien hinsichtlich der Versorgungssicherheit in einer vergleichsweise günstigen Lage befinde, weil das Land über eine eigene Raffinerie verfügt und deshalb keine unmittelbare Treibstoffknappheit befürchten müsse.

Das Problem sei allerdings der internationale Markt: Europa habe Raffineriekapazitäten für Diesel reduziert und müsse Treibstoffe unter anderem aus Südkorea und Mexiko beziehen. Dadurch würden Transportwege länger und die Versorgung teurer. Seine Schlussfolgerung: Bei einem Ölpreis von 100 bis 110 Dollar je Barrel und anhaltend hohen Dieselpreisen könne die kroatische Inflation in zwei Monaten die eingangs erwähnten sechs bis sieben Prozent erreichen.

Durchschnittslöhne zu niedrig

Ein weiteres Problem sieht Jurčić bei der Höhe der kroatischen Durchschnittslöhne. Diese lägen bei etwa 1500 bis 1600 Euro, während der EU-Durchschnitt bei rund 3000 Euro liege. Slowenien komme auf etwa 2500 Euro. Als Kroatien den Euro einführte, habe er bereits gesagt, ein Durchschnittsgehalt von 2000 Euro wäre angemessen. Angesichts der seit 2023 gestiegenen Preise müssten es heute seiner Ansicht nach 2200 bis 2300 Euro sein.