Ungarns Ministerpräsident Magyar hat Audienz beim Papst
Papst Leo XIV. wird am Donnerstag Ungarns Ministerpräsidenten Péter Magyar im Vatikan in Audienz empfangen. Die Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt sei für ihn als ehemaligen Piaristen-Schüler auch persönlich von großer Bedeutung, sagte der seit Mai als Regierungschef amtierende Magyar in einem Video auf Facebook, wie die Katholische Presseagentur Kathpress am Mittwoch berichtete.

Der Tisza-Parteichef, der nach der Parlamentswahl im Frühjahr Viktor Orban als Ministerpräsident abgelöst hat, besuchte in jungen Jahren das Budapester Piaristengymnasium und studierte danach Rechtswissenschaften an der Katholischen Péter-Pázmány-Universität.
Für Magyar ist es das erste Treffen mit Papst Leo als Regierungschef. Magyars Amtsvorgänger Orban empfing der Papst im Oktober 2025. Zuvor hatte Leos Vorgänger Papst Franziskus (2013-2025) intensive Beziehungen zu Ungarn gepflegt und das Land in den Jahren 2021 und 2023 besucht.
Der 45-jährige Magyar stammt aus einer bürgerlichen katholischen Familie in Budapest. Sein Patenonkel war der konservative und christlich geprägte Ex-Präsident Ferenc Mádl (1931-2011). Im zurückliegenden Wahlkampf präsentierte sich Magyar als konservativ und christlich und sagte mehrfach, dass er "ein gläubiger Christ ist".
Politische Beobachter verwiesen gleichzeitig darauf, dass der Tisza-Chef das Christentum in seiner Rhetorik nicht so stark kulturchristlich aufgeladen benutze wie Orban. Dessen Regierung hatte über Jahre hinweg vergleichsweise großzügig Kirchenrenovierungen und kirchliche Privatschulen unterstützt. Den Religionsgemeinschaften wurden gezielt Aufgaben in den Bereichen Bildung, Soziales und Kultur übergeben, was vielfach Kritik über eine zu enge Verflechtung von Kirchen und Staat auslöste. Calvinisten, Lutheraner und Katholiken hätten aufgrund ihrer Nähe zur abgewählten Orban-Regierung und ihrer finanziellen Abhängigkeit ihre "prophetische Stimme verloren", sagte der ungarisch-stämmige Belgrader Erzbischof Kardinal Ladislav Német im Frühjahr nach dem Regierungswechsel in Budapest.
György Heidl, im Kabinett Magyars Staatssekretär für gesellschaftliche Beziehungen, brachte Anfang September in einem Interview mit Kathpress zum Ausdruck, dass er im Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften auf Dialog und inhaltliche Abstimmung setzen wolle. Heidl betonte die gemeinsame Verantwortung von Staat und Kirchen für die Gesellschaft. Gleichzeitig bekräftigte er das von der Tisza-Partei geforderte Ende einer "unreflektierten Alimentierung" der Kirchen durch den Staat. Staatliche Unterstützung solle aufrechterhalten werden, aber künftig strengen, transparenten Kriterien folgen.
Der Staatssekretär äußerte sich auch über das geplante neue Kirchengesetz. Man befinde sich derzeit in einer intensiven Phase des Nachdenkens und der Konsultationen mit allen Beteiligten, von den verschiedenen christlichen Konfessionen bis hin zu den jüdischen Gemeinden. "Das Kirchengesetz ist eine so schwerwiegende Frage, dass wir sie auf keinen Fall überstürzen möchten", sagte Heidl und kündigte an, dass in der Herbstsitzungsperiode des Parlaments noch kein Entwurf eingebracht werde.
Bei der bisher letzten Volkszählung 2022 bekannten sich rund 2,89 Millionen Ungarinnen und Ungarn zur katholischen Kirche. Das waren rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung von 9,6 Millionen Menschen. Das Vatikan-Jahrbuch gab die Zahl der Katholikinnen und Katholiken in Ungarn zuletzt mit 5,59 Millionen an.