Kampf gegen 3500 Waldbrände: Feuerwehr fordert jetzt „Aufrüstung“
Nach extremen Waldbrandjahr erwarten die Feuerwehrchefs der Länder mehr finanzielle Unterstützung vom Bund. Es fehle die „gesamtstaatliche Betrachtung“ einer neuen Bedrohung.

17 Tage lang kämpften rund 2500 Feuerwehrleute aus der ganzen Steiermark im Frühjahr gegen den Waldbrand in Eisbach-Rein. Mehr als 3,3 Millionen Liter Löschwasser wurden großteils aus der Luft auf die 70 Hektar große Brandfläche abgeworfen. Dabei steht der Brand im Forst des Stifts Rein exemplarisch für ein Jahr, „wie wir es in den letzten Jahrzehnten nicht erleben durften“, so Bundesfeuerwehrkommandant Robert Mayer. Darüber hinaus kam es noch zu weiteren „Extrembränden“ in Kärnten, Tirol und Niederösterreich. Insgesamt standen die Feuerwehren österreichweit sogar bei 3500 Wald- und Vegetationsbränden im Einsatz.
Mayer und die Feuerwehrchefs der Länder nehmen jetzt die Bundesregierung in die Pflicht. Die finanzielle Last der Waldbrandbekämpfung dürfe nicht länger von Gemeinden und Feuerwehren selbst geschultert werden, denn: „Waldbrand liegt ganz klar in einer Bundeszuständigkeit. Der Bund bedient sich aber des Systems der Länder und insbesondere der Gemeinden”, sagte der Bundesfeuerwehrkommandant am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.
Größte Waldbrände 2026
Lesachtal (Kärnten): 24 Einsatztage mit rund 2000 Feuerwehrmitgliedern, Fläche: rund 110 Hektar
Eisbach-Rein (Steiermark): 17 Einsatztage mit rund 2500 Feuerwehrmitgliedern, Fläche: 70 Hektar
Föhrenwald/St. Egyden (Niederösterreich): Zwei Großbrände an 18 Einsatztagen, zeitweise 800 Feuerwehrmitglieder gleichzeitig im Einsatz, Fläche: 159 Hektar
Wildermieming und Virgen (Tirol): mehrtätiger Einsatz mit rund 900 Feuerwehrmitgliedern, Fläche: 10 Hektar
Lobau (Wien): 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Wien sowie weitere Kräfte aus Wien und Niederösterreich, Fläche: 18 Hektar.
Niederösterreichs Landeskommandant Dietmar Fahrafellner zog dabei einen Vergleich mit den steigenden Verteidigungsausgaben aufgrund der neuen Bedrohungslage in Europa. „Auch der Klimawandel stellt ein Bedrohungsbild dar.“ Um den Kampf gegen die Folgen aufzunehmen, bräuchten die Feuerwehren entsprechend eine Aufrüstung. „Wir haben die Warnungen der Klimaforscher ernst genommen – und vieles davon ist auch eingetroffen“, sagte Fahrafellner. So habe man beim Großbrand im Föhrenwald Szenen gesehen, wie man sie bisher nur aus dem Mittelmeerraum kannte. Er berichtete von 50 Meter breiten Feuerfronten, verbrannten Feuerwehrfahrzeugen und zehn teils schwer verletzten Kameraden. Seine Schlussfolgerung: „Wenn man sich schon Freiwilliger bedient, hat man die verdammte Pflicht, zumindest die Werkzeuge dafür zur Verfügung zu stellen.“

Ganz wichtig sei dabei die persönliche Schutzausrüstung, ergänzte der steirische Landesbranddirektor Reinhard Leichtfried. „Die ist nicht mit der Standardausrüstung zu vergleichen. Dafür brauchen wir mehr Geld.“ Rund 6000 Euro koste so ein Ausrüstungssatz pro Mann. Dazu gibt es Bedarf an Großtanklöschfahrzeugen, denn die Bereitstellung des Löschwassers war eine der größten Herausforderungen bei den Einsätzen. Auch die Ausbildung kostet Geld, die Landesverbände rechnen hier mit jährlich insgesamt 4,2 Millionen Euro.
Wenn man sich schon Freiwilliger bedient, hat man die verdammte Pflicht, zumindest die Werkzeuge dafür zur Verfügung zu stellen.
— Dietmar Fahrafellner, Landesfeuerwehrkommandant Niederösterreich
„Wir haben seit 2020 bereits über 20 Millionen Euro selbst in die Hand genommen“, erklärte Bundesfeuerwehrkommandand Mayer. Über den Waldfonds des Bundes habe es in manchen Bereichen zwar Unterstützung gegeben, dieser Topf decke aber nicht alle Bereiche ab. Laut Mayer und den Landeskommandanten fehle es an einer gesamtstaatlichen Betrachtung. Alle zuständigen Ressorts sollten eingebunden werden. Speziell nimmt man aber das Finanz- und Landwirtschaftsministerium in die Pflicht.

Mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner habe es schon konstruktive Gespräche gegeben, sagte Fahrafellner. Da stehe man nicht in Konkurrenz zueinander, sondern wolle Synergien nutzen – etwa bei den Hubschraubern. Prinzipiell seien in Österreich genug Hubschrauber für Löscheinsätze vorhanden. Bundesheer, Innenministerium und private Anbieter werden regelmäßig angefordert. „Oft dauert es aber seine Zeit, bis der Hubschrauber zur Verfügung steht“, räumte Leichtfried ein. Gerade für die erste Lageerkundung sei eine permanente Verfügbarkeit wichtig. Einen Bedarf für eigene Hubschrauber sieht man bei der Feuerwehr nicht, auch nicht für Löschflugzeuge. Erfahrungen beim Waldbrand auf der Rax im Jahr 2021 hätten gezeigt, dass diese nicht effizient seien.
Eine konkrete Summe bei den finanziellen Forderungen an den Bund wollte Bundesfeuerwehrkommandant Robert Mayer auf Nachfrage nicht nennen. Er verwies auch auf andere, bereits ältere Forderungen der Feuerwehren. So müsse die Sonderinvestitionsprämie (jährlich 20 Millionen Euro) nach fünf Jahren valorisiert werden. Die Entgeltfortzahlung für Unternehmer, deren Mitarbeiter in den Einsatz gehen, müsse auch auf Selbstständige und Landwirte ausgedehnt werden.



