Deutlich weniger Kirchenaustritte in Kärnten
Austrittszahlen gingen im Vorjahr um 15 Prozentpunkte zurück. Doch 3880 Personen verabschiedeten sich aus katholischer Kirche. Hohe Wiedereintrittszahlen. Kärntner suchen in Krisenzeiten wieder vermehr Halt in der Kirche.

Obwohl sich im Vorjahr 3881 Frauen und Männer aus der Katholischen Kirche Kärnten verabschiedet haben, ist es eine gute Nachricht. Denn es gab einen deutlichen Rückgang von 15 Prozentpunkten bei den Kirchenaustritten (österreichweit sind es sechs Prozentpunkte). 2024 waren es noch 4561 Personen. Was im Vorjahr ebenso bemerkenswert war: Lagen die Wiedereintritte in der Vergangenheit oft im einstelligen Bereich, so waren es im Vorjahr 495. Generalvikar Johann Sedlmaier verweist auf die gut genützte Möglichkeit seit Sommer des Vorjahres, sich online wieder als Kirchenmitglied anzumelden (www.kath-kirche-kaernten.at/wiedereintritt). Man muss nicht mehr in der Pfarre selbst vorstellig werden.
Kirche als Anker
Die aktuellen Zahlen geben Hoffnung, so Sedlmaier. Sie würden zeigen, dass die Menschen gerade in Zeiten von Kriegen, Konflikten, Klimawandel, Unsicherheiten am Arbeitsplatz wieder mehr Nähe zur Kirche suchen, um dort Sicherheit und Halt zu finden. „Kirche kann Kraftquelle und Anker sein“, so Sedlmaier, der als Generalvikar auch Pfarrer von St. Martin am Techelsberg und damit nahe bei den Leuten und Alltagsrealitäten ist. Er ist überzeugt: „Wer Glauben hat, lebt leichter.“ Er ist sich aber auch bewusst. Mit der steigenden Inflation und den Teuerungen im Alltag kann sich alles schnell ändern und es treten wieder mehr Leute aus der Kirche aus, weil sie Kosten sparen müssen.

Die aktuellen Zahlen aus der Kirchenstatistik geben Hoffnung: Die Kärntnerinnen und Kärntner suchen die Nähe zur Kirche. Die Kirche ist für die Menschen im Land wichtig.
— Johann Sedlmaier, Generalvikar
Auch wenn das Austrittsminus kleiner wird, die Katholikenzahl sinkt kontinuierlich. Aktuell sind noch 56,19 Prozent (minus 1,6 Prozent) der Kärntner Gesamtbevölkerung katholisch. Es seien besorgniserregende Fakten, die in wenigen Jahren unter die 50-Prozent-Marke reichen könnten, doch Sedlmaier betont auch: Die Kirche gibt es seit Jahrtausenden. In Deutschland entwickle sie sich gerade zur „kleinen Herde“ (rund 30 Prozent), „doch es muss bei uns nicht so sein. Es kann gerade wegen der vielen Krisen und Belastungen wieder eine Trendwende hin zur Kirche geben.“
Kirchenbeitrag steigt
Die deutlich abgeflachten Kirchenaustritte spiegeln sich auch im Rechnungsabschluss der Diözese, der für 2025 ein leicht positives Ergebnis zeigt. Einnahmen von 43,28 Millionen stehen betriebliche Ausgaben von 43,7 Millionen gegenüber. Das ergibt zwar ein negatives, aber deutlich verringertes Betriebsergebnis von 451.000 Euro. Im Jahr davor waren es noch zwei Millionen minus. Doch mit den 800.000 Euro Erträgen aus Veranlagungen am Kapitalmarkt macht das positive Jahresergebnis 349.000 Euro aus. Finanzkammerdirektor Gerhard Salzer verweist darauf, dass rund 75 Prozent der Einnahmen (32,5 Millionen) aus dem Kirchenbeitrag stammen. 31,8 Millionen waren es im Jahr davor, 2023 waren es knapp 30 Millionen. Mit den Gehältern steigen auch die davon errechneten Kirchenbeiträge.
Trotz der Teuerungen im Alltag nehmen die Kirchenaustritte nicht zu, sie wurden sogar weniger. Auch die Zahl der Mahnungen ist nicht gestiegen. Wir haben sehr verlässliche Kirchenbeitragszahler.
— Gerhard Salzer, Finanzkammerdirektor
Bei den Ausgaben bildet der Personalbereich mit 197 Priestern und 391 Laienmitarbeitern, Pensionen und 134 Pfarrangestellten mit 26 Millionen den größten Brocken. Es sind 59 Prozent des Gesamtbudgets. Ziel sei es, die Personalausgaben zumindest auf aktuellen Niveau zu halten, so Salzer. Im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses werden Strukturen verändert. Bei Pensionierungen werden nicht mehr alle Stellen nachbesetzt, Teilzeitlösungen kommen hinzu. Ziel ist es laut Salzer auch, binnen fünf Jahren trotz steigender (Energie-, Betriebs-)Kosten und Herausforderungen bei den Einnahmen ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erreichen.
Mit welcher Erhöhung des Kirchenbeitrages die Kärntner für 2027 rechnen müssen? Das lässt sich laut Salzer noch nicht sagen. Wobei er von „Anpassungen an die laufende Inflation“ und nicht von Erhöhung spricht.
Hintergrund
336 Pfarren mit 157 ständigen Priestern vorort gibt es in der Diözese Gurk-Klagenfurt. Obwohl viele Pfarren sehr klein sind, ist laut Generalvikar Johann Sedlmaier nicht an Auflösungen gedacht. Was künftig im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses forciert wird: Pfarren, die zusammenpassen und zusammenarbeiten wollen, werden zusammengeführt, behalten aber ihre Identität.
Bauinvestitionen der Dözese und Pfarren betrugen 2025 8,33 Millionen Euro für 350 Restaurierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen. Es sind vor allem Aufträge an die regionale Wirtschaft. Rund 2,7 Millionen wurden aus dem Kirchenbeitrag finanziert, 2,9 Millionen flossen von Diözese und Pfarren aus Eigenmitteln und Spenden.
Den katholischen Religionsunterricht besuchten knapp 97 Prozent der 39.300 katholischen Schülerinnen und Schüler.