Oskar Haag wandelt auf der Straße des Goldes
Oskar Haag bringt mit „Lost Cause“ sein zweites Album auf den Markt. Und er zeigt dabei, dass er als Song-Schreiber weiter an Profil gewonnen hat.

Oskar Haag hat wieder tief in die Begabungskiste gegriffen und das „schwierigste Album“, wie er sagt, auf den Weg gebracht. „Lost Cause“ ist das zweite Album des Klagenfurters, der von Wien aus die Pop-Welt erobert. Mit seiner Singleauskopplung „Der Kuss“ wurde er von Gustav Klimts berühmtem Gemälde inspiriert. Das dazugehörige Musikvideo nahm er dort auf, wo sich das Gemälde befindet: Im Museum Belvedere in Wien.
„Lost Cause“ ist ein Album, das sehr gefühlvoll ist, in der Stille glänzt und wieder beweist, dass Oskar Haag im Indie-Pop eine Klasse für sich ist. Das Album erscheint am 25. September.
War das zweite Album schwieriger als das erste?
OSKAR HAAG: Ja. Ich bin von meinem Vater Oliver Welter schon gewarnt worden, dass es das schwierigste Album ist, das man machen kann. Ich bin das Album auch voll verkrampft angegangen und habe mich mit dem konkreten Gedanken konfrontiert, dass ich jetzt ein Album machen muss. Dann wollte ich ein Konzept, einen Namen, einen Titel machen, und es ist nur lauter Blödsinn rausgekommen. Dann hat mir mein Papa geholfen, und er hat gesagt: Tu das, worin du gut bist, und schreibe Lieder. Und er hat gesagt, ich soll gar nicht an das Album denken, denn das wird sich schon entwickeln. Irgendwann habe ich gemerkt, was das Album sein könnte. Vor allem der Titel „Lost Cause“ war ein wichtiger Moment für mich. Da erst habe ich verstanden, wie das Album werden kann.
Das Album beginnt mit einer Bob Dylan’schen Attitüde und ist doch Oskar Haag, welche Stadt haben Sie für „Leaving Town Tonight“ verlassen?
Klagenfurt. Aber es muss nicht explizit Klagenfurt sein, aber ich hatte schon diese Stadt im Kopf. Ich bin ja deshalb mit 17 Jahren nach Wien gegangen, weil ich immer das Gefühl gehabt habe, dass mich Klagenfurt in dem, was ich sein will, einschränkt. Auch in Bezug auf die Leute und wie sie zu mir stehen. Es geht also um Klagenfurt und auch ein Rückblick darauf, wie ich die Schule abgebrochen habe.
Wie schreiben Sie Ihre Musik: Denken Sie an sich oder an Ihr Publikum?
Eigentlich denke ich nur an mich. Rick Rubin hat einmal gesagt, sobald man daran denkt, wie ein Song angenommen werden könnte, sollte man ihn ruhen lassen und erst später daran weiterarbeiten. Es muss in erster Linie mir gefallen. Meistens ist es zum Glück so, dass die Songs vielen Leuten gefallen.
Ihre Musik ist nachdenklich geblieben, auch traurig, nicht hoffnungslos, aber immer noch getränkt vom großen Gefühl: Ist es schwierig, sich manchmal nicht zu sehr zu exponieren, weil Sie ja keine Kunstfigur als Schutz haben?
Nein, irgendwie nicht, weil mein Musikmachen für mich ist. Das ist mein Environment, wo ich genau das tun kann, was ich fühle und alles aus mir rausschütten kann, ohne viel darüber nachzudenken. Deswegen ist es so wichtig für mich. Ich mache Musik, nicht weil ich Musiker bin. Ich bin Musiker geworden, weil ich so viel Musik mache. Es ist auch so wichtig für mich, weil ich alle Gefühle hineinstecken kann, was ich mit Worten nie schaffen kann.
„Still dressed in Gold", reden wir doch exemplarisch darüber. „But I’m still dressed in Gold. I’m wandering around alone. I’ve got no place to go.“ Allein, traurig, aber golden. Ist das der Zwiespalt großer Kunst?
„Still dressed in Gold“ und „Der Kuss“ gehören zusammen. Das Gold ist ein Verlangen nach Nähe und Zärtlichkeit.
Zur Person
Oskar Haag. Geb. 2005 in Klagenfurt. 2023 Debütalbum“Teenage Lullabies“. Spielte im Lassnig-Film „Mit einem Tiger schlafen“ den jungen Arnulf Rainer und in Andrina Mračnikars „Mila/Marija“ (Premiere 25. September beim Zürich Film Festival). Sein Vater ist der Musiker Oliver Welter.
Zeitweise ist es in Ihren Songs sehr leise geworden, wie zum Beispiel bei „The Day“. Sie beweisen viel Mut für Pausen und Stille.
Bewusst mache ich das auf keinen Fall. Aber man sagt mir zum Beispiel auf Konzerten, dass ich ein Gefühl für die Stille habe. Stille kann ein sehr kraftvolles Instrument sein. Ich glaube nicht, dass das etwas ist, was ich bewusst mache. Es ist etwas, das mir passiert und meinen Geschmack trifft. Auf der Bühne versuche ich es aber auszureizen, wenn ich versuche leise zu sein, bis die Leute klatschen oder glauben, der Song ist vorbei. Meine Musik lebt von der Intuition ohne großes Zerdenken.

„Der Kuss“ hat einen deutschen Titel, aber englische Lyrics. Was hat Sie dazu inspiriert?
Die Geschichte klingt so daher gelogen. Aber ich war mit Freunden zu Besuch im Museum Belvedere in Wien. Dort haben wir uns Gustav Klimts Gemälde „Der Kuss“ angeschaut, das ich immer für überwertet eingeschätzt habe. Aber als ich davorstand, war ich in der Sekunde überwältigt. Vor allem von dieser Zärtlichkeit, die das Bild ausstrahlt. Und ich habe auch sofort verstanden. In dieser Sekunde ist eine Melodie in meinem Kopf entsprungen und ich habe mich in eine Ecke gehockt und in mein Handy gesummt. Dann bin ich nach Hause und habe das Lied geschrieben. Das war ein sehr besonderer Moment für mich.
Wie sieht es mit dem Schauspiel aus?
Am 25. September feiert der Film „Mila/ Marija“ über den Widerstandskampf von Kärntner Partisaninnen und Partisanen Premiere (am Zürich Film Festival, Oskar Haag spielt darin Hanzi, Anmerkung). Es gibt auch noch ein paar Sachen, die im Raum stehen, worüber ich aber noch nichts Genaues sagen kann. Das Schauspiel interessiert mich, aber ich bin mit der Musik auch gut beschäftigt und stehe finanziell gut da. Daher kann ich bei der Schauspielerei sehr wählerisch sein. Wenn ein Projekt kommt, das mich interessiert, dann mache ich es.
