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Rekordmengen an Öl fließen durch TAL-Pipeline Richtung Österreich

Die für Österreich so zentrale Transalpine Pipeline verzeichnet trotz – oder wegen – der Blockade der Straße von Hormuz deutlichen Anstieg der Rohöllieferungen.

Im Seehafen in Triest wurden im ersten Halbjahr 208 Tanker gelöscht
© Tal
Im Seehafen in Triest wurden im ersten Halbjahr 208 Tanker gelöscht
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Die Transalpine Ölpipeline (TAL) versorgt Österreich von Triest aus mit rund 90 Prozent des hierzulande verwendeten Rohöls. Die zeitweise Blockade der Straße von Hormuz hat der für Österreich, Deutschland und Tschechien so wichtigen „Öl-Arterie“ einen deutlichen Anstieg der Rohöllieferungen beschert. 208 statt 198 Öltanker wurden im ersten Halbjahr 2026 in Triest gelöscht, sie pumpten 20,24 Millionen Tonnen Rohöl an den Seeterminal der Transalpine Pipeline (TAL) – ein Höchstwert. Gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr zuvor ist das ein Plus von 5,8 Prozent. Für das Gesamtjahr werden 43 Millionen Tonnen erwartet, nach 41 Millionen Tonnen im Vorjahr, erklärt die Sprecherin der TAL auf Anfrage der Kleinen Zeitung.

Diese Zahlen spiegeln die Bedeutung Triests als entscheidendes Tor für die Ölversorgung Mitteleuropas wider und unterstreichen die Rolle der TAL als strategische Infrastruktur für die angeschlossenen Raffinerien. „Dank der betrieblichen Flexibilität der Pipeline und der durch das TAL-Plus-Projekt zusätzlich geschaffenen Kapazitäten konnte die Pipeline trotz eines zunehmend herausfordernden internationalen Marktes größere Mengen transportieren“, so die TAL-Sprecherin.

Alessandro Gorla, CEO der Transalpine Pipeline: „Zuverlässige und anpassungsfähige Infrastruktur“
© Camilla Bach/KK
Alessandro Gorla, CEO der Transalpine Pipeline: „Zuverlässige und anpassungsfähige Infrastruktur“

Die Hafeninfrastruktur bewältigt laut Hafen-Präsident Marco Consalvo den Mehrverkehr bislang ohne Probleme. In italienischen Medien erklärte Consalvo, die vorsorgliche Eindeckung deutscher, österreichischer und tschechischer Raffinerien sei der Grund für den gestiegenen Ölfluss.

Hafen-Präsident Marco Consalvo: „Bislang ohne Probleme“
© Porto
Hafen-Präsident Marco Consalvo: „Bislang ohne Probleme“

Stabilität auf die Probe gestellt

Alessandro Gorla, der CEO der Transalpine Pipeline, sieht eine außergewöhnliche Abfolge von Krisen, mit denen die Energiemärkte in den vergangenen sechs Jahren konfrontiert worden seien: der Covid-19-Pandemie, dem Krieg in der Ukraine, Handelsspannungen und Zöllen sowie nun erneuter Instabilität rund um die Straße von Hormuz. Diese Ereignisse haben die Marktstabilität wiederholt auf die Probe gestellt. Gorla: „Die Aufgabe von TAL ist es, eine zuverlässige und anpassungsfähige Infrastruktur bereitzustellen, die es den Transportunternehmen und den angeschlossenen Raffinerien ermöglicht, auf sich ändernde Bedingungen zu reagieren.”

Öllager in San Dorligo della Valle bei Triest
© IMAGO/Petr Malina
Öllager in San Dorligo della Valle bei Triest

272 Ölsorten aus 18 Herkunftsländern

Ein Großteil der Widerstandsfähigkeit ist darauf zurückzuführen, dass die Pipeline Rohöle mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften transportieren kann. Seit der Inbetriebnahme hat die TAL 272 unterschiedliche Ölsorten aus 18 Herkunftsländern an die angeschlossenen Raffinerien in Österreich, Deutschland und Tschechien geliefert. An erster Stelle der Herkunftsländer stehen Kasachstan (32 Prozent), Libyen (20 Prozent) und Aserbaidschan (12 Prozent). Das transportierte Öl stammt allerdings auch aus einer Vielzahl weiterer Regionen in Afrika, dem Nahen Osten und Nordamerika.

Die Transalpine Pipeline in Zahlen

Die Transalpine Ölleitung (TAL) ist eine der wichtigsten fossilen Schlagadern Europas. Sie transportiert Rohöl vom Seehafen Triest (Italien) über die Alpen zu zentralen Raffinerien in Mitteleuropa. Das gesamte Leitungsnetz ist 753 km lang. Die Hauptleitung führt über 465 Kilometer von Triest bis nach Lenting bei Ingolstadt. Sie durchquert Italien, Österreich (Kärnten, Salzburg, Tirol) und Deutschland (Bayern, Baden-Württemberg). Die Pipeline überwindet die Alpen und erreicht am Felbertauern ihren geografischen Höchstpunkt auf 1572 Metern Höhe.

Potenzieller Sabotageakt

Noch in guter Erinnerung ist der potenzielle Sabotageakt auf die TAL-Pipeline in Friaul im April dieses Jahres. Der TAL liegen derzeit keine eigenen Erkenntnisse bzw. Ermittlungsergebnisse zum Sachverhalt vor, so die Sprecherin. Daher könne man zum jetzigen Zeitpunkt keine weitergehenden Angaben machen.