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So wollen Kärntner mit innovativer Windkraft-Technologie punkten

Zwei Kärntner Betriebe – Geislinger und Hasslacher – präsentieren auf der Weltleitmesse für Windenergie in Hamburg neue Lösungen für die Branche.

„Hasslacher Green Tower“: Der Holzhybrid-Fachwerksturm in Stall im Mölltal ist ein Referenzprojekt
© Hasslacher
„Hasslacher Green Tower“: Der Holzhybrid-Fachwerksturm in Stall im Mölltal ist ein Referenzprojekt
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Die weltweit größte Leitmesse für die Windindustrie „Windenergy“ mit 1600 Ausstellern aus 40 Ländern findet dieser Tage in Hamburg statt. Unter den Ausstellern sind zwei Kärntner Leitbetriebe. Für die Geislinger GmbH aus Bad St. Leonhard spielt Windkraft im Geschäftsfeld Energiesysteme in Anbetracht des stark wachsenden Energiebedarfs eine bedeutende Rolle. Seit 15 Jahren beschäftigen sich die Unterkärntner mit Windenergie, seit zehn Jahren sind sie Teil der Branche. Diese ist jung und von starken Schwankungen geprägt, wenngleich auf dem Weg der Stabilisierung: „Wir sind daher froh, dass wir auf vielen Beinen stehen“, betont Geschäftsführer Torsten Philipp. Dennoch sehe man in diesem Bereich in den nächsten zwei Dekaden starkes Wachstumspotenzial, sagt Philipp.

Produziert werden insbesondere Kupplungen und Dämpfer. Diese sollen Geräusche der Windkraftanlagen reduzieren. Vor kurzem wurde die 1000. Kupplung für eine Offshore-Windkraftanlage ausgeliefert, sie zählt zu den größten jemals gefertigten Faserverbundkupplungen überhaupt. Als „Herzstück“ eines Windrads sind diese zwischen Rotor und Getriebe angeordnet und enormen Belastungen ausgesetzt.

Rund 600 der insgesamt 1000 Geislinger-Mitarbeiter sind im Oberen Lavanttal beschäftigt
© Geislinger
Rund 600 der insgesamt 1000 Geislinger-Mitarbeiter sind im Oberen Lavanttal beschäftigt

Eine digitale Innovation aus Kärnten

In Hamburg präsentiert das in Salzburg beheimatete Familienunternehmen auch eine Innovation – zum etablierten Produktangebot gesellen sich digitale Lösungen: „Wir sehen die Notwendigkeit, den Betrieb der Anlagen stärker als bisher zu überwachen“, so Philipp. Konkret geht es um das digitale Monitoring des Triebstrangs, mithilfe von KI-Datenmodellen und Experten sollen etwa Wartungen frühzeitig angezeigt werden.

Bad St. Leonhard ist für Geislinger das „Center of Excellence für Produktion” 
© Geislinger
Bad St. Leonhard ist für Geislinger das „Center of Excellence für Produktion” 

„Center of Excellence für Produktion”

Bad St. Leonhard ist für Geislinger das „Center of Excellence für Produktion”, so Philipp, rund 600 der insgesamt 1000 Geislinger-Mitarbeiter sind im Oberen Lavanttal beschäftigt. Auch dort schreitet die Automatisierung der Anlagen schnell voran, das bringe höherqualifizierte Arbeitsplätze. Neue Technologien werden in Kärnten ebenfalls entwickelt ­– mit Erfolg, wie ein Beispiel zeigt: Vor Jahren wurden die ersten Maschinen mit Robotern ausgestattet, die Kompetenz dafür zugekauft. „Mittlerweile beschäftigen wir in Kärnten ein eigenes Automatisierungsteam und kaufen nur mehr die Hardware zu – die gesamte Programmierung und Prozessentwicklung findet in Kärnten statt“, sagt Philipp.

Die neue Kernkompetenz schaffe auch neue Arbeitsplätze. „Der Wandel vom reinen Komponentenfertiger zu einem breiter aufgestellten Technologieunternehmen ist nicht aufzuhalten“, spricht Philipp von der „Reise der Digitalisierung“. Über alle Erzeugnisse hinweg liegt die Exportquote bei knapp 100 Prozent, 40 Prozent gehen nach Europa, 60 Prozent nach Amerika oder Asien. „Wir haben volle Auftragsbücher und bauen global alle Werke aus", betont Philipp.

Geislinger-Geschäftsführer Torsten Philipp: „Volle Auftragsbücher“
© Florian Stuerzenbaum/KK
Geislinger-Geschäftsführer Torsten Philipp: „Volle Auftragsbücher“

„Intelligente Verbindung aus Holz und Stahl“

Auch weiter im Westen wird an einer echten Innovation für die Windenergie-Branche gearbeitet: Die Hasslacher-Gruppe mit Sitz in Sachsenburg baut an einer Alternative zu konventionellen Stahl- und Betonhybridtürmen: Holz-Hybridtürme unter dem Namen „Hasslacher Green Tower“ sollen gleich mit einer Reihe von Vorteilen aufwarten – und sie sind für die Oberkärntner ein großer Schritt vom Bauwesen in den Energiesektor. Der Geschäftsführer der Hasslacher Energie GmbH, Karl Fatrdla, spricht von einer „intelligenten Verbindung aus Holz und Stahl“ mit dem Ziel, deren Materialeigenschaften optimal einzusetzen.

Ergebnis der jahrelangen Entwicklungsarbeit sind Patente unter anderem zum „Turm-im-Turm“-Konzept sowie die Typenzertifizierung für die Holzturmkonstruktion – Hasslacher ist das Unternehmen, dem das gelang. Die Form eines offenen Holz-Hybrid-Fachwerksturms sei weltweit einzigartig. Möglich seien so Nabenhöhen bis über 200 Meter, die für Windkraft im Binnenland essenziell sind.

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Holzhybrid-Fachwerksturm im Mölltal
Holzhybrid-Fachwerksturm im Mölltal © Hasslacher Green Tower

„Mock-up im Maßstab 1:1“

In Stall im Mölltal steht seit Kurzem ein erstes „Mock-up“: Die ersten beiden Turmsektionen inklusive „Turm-im-Turm“ im Maßstab 1:1. „Keine vollständige Windkraftanlage, sondern ein Referenzprojekt für Fertigung, Logistik und Montage“, sagt Fatrdla. Für 2027 ist die Errichtung einer ersten Anlage mit 170 Metern Nabenhöhe in Süddeutschland geplant – gerne hätte man die Anlage in Kärnten realisiert. „Die Resonanz am Markt ist sehr positiv, wir verzeichnen viel konkretes Projektinteresse“, sagt Fatrdla. Natürlich wollten viele zuerst die realisierte Anlage sehen.

Holztürme im Meer möglich

Hasslacher strebt mit dem „Green Tower“ ausgehend von den Märkten in Österreich und Deutschland in Regionen in Europa und Nordamerika, in denen große Nabenhöhen an sensiblen Standorten wie etwa Wald- und Gebirgslagen gefragt sind. Der Fokus liege auf Onshore-Einsatz, also auf Landmasse, der Offshore-Einsatz der Holztürme im Meer (Offshore) wird aber nicht kategorisch ausgeschlossen. Die Türme selbst werden an den Standorten der Hasslacher-Gruppe in Kärnten und Deutschland gefertigt.

„Nehmen Anliegen ernst“

Die (mittlerweile aufgehobene) Volksbefragung zum Bau neuer Windkraftanlagen auf Kärntens Almen und Bergen brachte bekanntlich ein knappes Ergebnis gegen den Windkraftausbau. „Wir nehmen die dahinterstehenden Anliegen zum Landschaftsbild ernst“, sagt Fatrdla. Genau dort setze das Konzept auch an: „Weniger Beton, weniger Aushub, kleine Eingriffsflächen an sensiblen Standorten.“ Bemerkenswert: Wegen des geringeren Gewichts reichen statt eines großen Flachfundaments Einzelfundamente, das reduziere den Betoneinsatz um die Hälfte. Die Errichtungskosten und -zeiten seien mit jenen konventioneller Türme vergleichbar. Die zugesicherte Lebensdauer von 25 Jahren kann noch verlängert werden, betont man in Sachsenburg.

Fatdrla über den „Hasslacher Green Tower“: „Weniger Beton, weniger Aushub, kleine Eingriffsflächen an sensiblen Standorten“ 
© Hasslacher Green Tower
Fatdrla über den „Hasslacher Green Tower“: „Weniger Beton, weniger Aushub, kleine Eingriffsflächen an sensiblen Standorten“ 

Europa als Innovationsführer

Die Bedeutung Europas als Innovationsführer bei Windenergie unterstreicht Florian Maringer, der Geschäftsführer der IG Windkraft: „Aktuelle Zahlen zeigen, dass Europa die Weltmachtstellung bei Cleantech-Patenten im Windenergiebereich noch ausgebaut hat.“ Europa sei bei Windenergie mit 2,3 Milliarden Euro Nettoexporteur. Ähnlich der Automotive-Industrie, ist Österreich sehr stark in Spezialanwendungen und Nischen vertreten, die für Wertschöpfung und Jobs sorgten. „Der elektromechanische Bereich bleibt hierzulande Herzstück – umso mehr gilt es sich die Frage zu stellen, wie wir weiter ausbauen können – bei Speichern, Digitalisierung und Innovationen.“