„Die Rettung fährt Bad Aussee mit Notfällen gar nicht mehr an“
Seit zwei Wochen ist die Meldeplattform von „Pro Klinikum Stainach“ für Mängel in der Spitalsversorgung im Bezirk Liezen online. Laut Verein wird das Angebot gut genutzt.
„Wir haben die Plattform noch gar nicht groß beworben, trotzdem kommen bereits laufend Meldungen herein“, zieht Heinz Schachner von „Pro Klinikum Stainach“ zufrieden eine erste Zwischenbilanz. Gemeint ist die neue Datenbank für Meldungen über Mängel in der Spitalsversorgung im Bezirk Liezen, die vor knapp zwei Wochen online gegangen ist.
Mit dem Gedanken, eine solche Plattform einzurichten, habe man sich bereits länger getragen, berichtet das Vorstandsmitglied des Vereins, der nach wie vor für ein Leitspital im größten Bezirk Österreichs kämpft. Nägel mit Köpfen habe man nach einem Treffen mit Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl im Juli gemacht. Dieser habe damals erklärt, ihm würden keine konkreten Fälle über eine verschlechterte Spitalsversorgung vorliegen.

„Geht nicht gegen die Ärzte“
Seit 10. September kann nun jeder seine Erfahrungen mitteilen. Die Angabe von Name und Mailadresse sei dabei verpflichtend, erklärt Schachner. Unter dem Deckmantel der Anonymität würden zwar vermutlich mehr Meldungen eingehen, an deren Glaubwürdigkeit könnten dann aber Zweifel aufkommen. Die Meldungen werden statistisch ausgewertet, Veröffentlichungen oder Weiterleitungen an die zuständigen Stellen erfolgen ausschließlich in anonymisierter Form.
Wilhelm Pintar von „Pro Klinikum Stainach“, selbst Mediziner, betont, dass sich die Plattform keinesfalls gegen das medizinische Personal richte. Es gehe vielmehr darum, festzuhalten, wie sich die Spitalsstruktur im Bezirk verschlechtert habe. Schachner ergänzt: „Wir sind dankbar für die Ärztinnen und Ärzte, die in dieser Struktur ihr Bestmögliches geben. Aber wir sehen ein Problem für die Zukunft.“
Das Rote Kreuz und Bad Aussee
Von welchen Mängeln berichten die bisherigen Meldungen? Man habe etwa schon etliche Beschwerden betreffend die Verschlechterung der ambulanten Versorgung in Bad Aussee erhalten, berichtet Schachner. „Die Rettung fährt Bad Aussee mit Notfällen gar nicht mehr an, weil sie weiß, dass sie ohnehin weitergeschickt werden.“
Wenn es aus fachlicher Sicht keinen Sinn mache, den Standort anzufahren, erspare man sich und dem Patienten diesen Weg und fahre gleich ein anderes Krankenhaus an, sagt dazu Gernot Leitner, Bezirksrettungskommandant des Roten Kreuzes. Seit der Schließung der Chirurgie und Inneren Medizin im April sei das naturgemäß öfter der Fall als früher.
Für das Rote Kreuz hätten sich dadurch die Kosten „merklich erhöht“, so Leitner. Ob es einen Zusammenhang zwischen Finanzierungsproblemen beim Roten Kreuz und Strukturmaßnahmen im Gesundheitswesen gebe, könne nicht beurteilt werden, hielt hingegen Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl kürzlich in seiner Beantwortung einer SPÖ-Anfrage im Landtag zum Thema „Spitalschaos im Bezirk Liezen“ fest.
Schladming und Rottenmann
Wiederholt sei auch die Schließung der Geburtenstation an der Klinik Diakonissen Schladming bemängelt worden, berichtet Schachner. Bezüglich des Standorts Rottenmann gehe es in den Berichten vor allem darum, dass Patienten nicht aufgenommen oder heimgeschickt worden seien. So wurde in einer Einsendung der Verdacht geäußert, man wolle den Standort gezielt „sterben lassen“. Es gebe scheinbar die interne Vorgabe, „dass man Patienten tunlichst nicht aufnehmen soll“.