Gürtelrose: Zu wenig Impfstoff für den zweiten Stich in Kärnten
Binnen sechs Monaten sollten Patienten die zweite Dosis der Gürtelrose-Impfung erhalten. Für viele Hausärzte ist das Vakzin aber nicht verfügbar.

„Es wäre höchste Zeit für die zweite Dosis meiner Gürtelrose-Impfung, aber mein Hausarzt hat sie nicht vorrätig.“ Mehrere Leser haben sich kürzlich wegen dieser Problematik an die Kleine Zeitung gewandt. Leider ist der Impfstoff tatsächlich seit einem Jahr nicht verlässlich verfügbar, aktuell wieder gar nicht.
„Der Hausarzt blockt nicht ab, es gibt momentan keinen Gürtelrose-Impfstoff“, sagt der Impfreferent der Kärntner Ärztekammer, Martin Rupitz. Einige Ärzte hätten in der Vergangenheit zu viel bestellt und die Dosen würden in den Arztpraxen herumliegen und andere würden auf Lieferungen warten.
Seit 1. November 2025 ist die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) für Menschen ab 60 Jahren und Risikogruppen kostenlos und ebenso lange gibt es Schwierigkeiten bei der Bestellung des Vakzins für die Ordinationen. Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Ärztekammer Österreich, spricht von einer „Impfstofflotterie“, nur sporadisch und teilweise unangekündigt gebe es immer wieder kleinere Mengen Impfstoff im E-Impfshop zu bestellen.
Hintergrund
In Österreich treten jährlich rund 30.000 bis 40.000 Fälle von Gürtelrose auf. Etwa jede dritte Person erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die Erkrankung äußert sich durch einen einseitigen, schmerzhaften Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen und kann in schweren Fällen Augen, Ohren oder das Gesicht betreffen – mit möglichen Folgen wie Seh- oder Hörstörungen sowie Gesichtslähmungen. Darüber hinaus kann selbst nach dem Abheilen des Hautausschlags eine Post-Zoster-Neuralgie auftreten. Dabei handelt es sich um sehr starke Nervenschmerzen, die oft nicht vollständig geheilt werden können.
Im öffentlichen Impfprogramm von Bund, Ländern und Sozialversicherung ist die Gürtelrose-Impfung im Impfprogramm für alle ab 60 Jahren und bestimmte Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko für eine Erkrankung gratis.
Gegen Gürtelrose wird die Impfung in zwei Dosen im Abstand von sechs Monaten verabreicht. Die Wirksamkeit ist für zumindest elf Jahre nachgewiesen. Bezahlt man diese Impfung selbst, kostet dies um die 500 Euro.
„In Österreich wurde man vom Bedarf der Gürtelrose-Impfungen überrascht. In keinem anderen EU-Land wurde das Angebot so gut angenommen, wie hier. Daher ist immer weniger verfügbar, als benötigt“, so Rupitz. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Herpes-Zoster-Impfungen im E-Impfpass einzutragen. Trotz dieser Datenerfassung hat es der Bund nicht ermöglicht, den Bedarf zuverlässig zu erkennen und beispielsweise die zweite Dosis automatisch zuzuweisen.
Wenn man die zweite Dosis erst nach einem Jahr bekommt, muss man die Impfserie nicht von vorne beginnen.
— Martin Rupitz,, Impfreferent Ärztekammer Kärnten
In Kärnten haben laut dem offiziellen Dashboard impfdaten.at seit 1. November 27.002 Patienten die erste Dosis erhalten und 19.423 Patienten die zweite Dosis (Datenstand vom 21. September). Dieser zweite „Stich“ wäre eigentlich im Abstand von zwei bis sechs Monaten erforderlich. Rupitz beruhigt allerdings: „Das ist der Idealfall, aber wenn man die zweite Dosis erst nach einem Jahr bekommt, ist man auch geschützt und muss die Impfserie nicht von vorne beginnen.“
Wo sind die fehlenden Impfdosen?
Das Gesundheitsministerium verweist auf bisher 900.000 bereitgestellte und rund 660.000 eingetragene Impfungen seit November des Vorjahres. Auch diese Zahlen beweisen, dass längst nicht alle ausgelieferten Impfungen gesetzt wurden. Weitere Dosen befänden sich für die kommenden Monate im Ankauf, so Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung. Es könne zwar zwischen einzelnen internationalen Lieferungen zeitweise nicht jede Ordination unmittelbar nachbestellen, das bedeute aber nicht, „dass das Impfprogramm nicht funktioniert“, so Königsberger-Ludwig. Der Impfstoff werde international produziert und am Weltmarkt eingekauft - aber nicht beliebig viel zu jedem Preis.
250 Euro in der Apotheke
Theoretisch könnte man als Patient das Gürtelrose-Vakzin übrigens auch in der Apotheke kaufen. „Wir haben es vorrätig, es kostet aber 250 Euro“, sagt Hans Bachitsch, Präsident der Kärntner Apothekerkammer. Die Kosten werden nicht rückerstattet - auch nicht an jene Patienten, die prinzipiell das kostenlose Angebot in Anspruch nehmen könnten. Außerdem kann der „Stich“ nicht in der Apotheke erfolgen. Der Bund arbeitet jedoch derzeit an einem Gesetz, das Impfungen beim Apotheker ab 1. Jänner 2027 ermöglichen soll.